Stand: 26.05.2015 11:23 Uhr

Eichenprozessionsspinner: Gefährliche Raupe

Bild vergrößern
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben bis zu 600.000 Brennhaare.

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Norddeutschland immer weiter aus. Der Klimawandel mit milden Wintern und warmen Frühjahren schafft gute Lebensbedingungen für die Schmetterlingsart, die eigentlich aus Südeuropa stammt. Die Raupen tragen giftige Brennhaare, etwa 600.000 pro Tier. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Auch wenn sich die Raupen bereits gehäutet und zu harmlosen Faltern geworden sind, bleiben Millionen der Haare in den Nestern zurück. Bei der Berührung der Haut kommt es durch das Nesselgift der Haare zu Hautausschlägen mit intensivem Juckreiz.

Betroffen sind vor allem unbedeckte Körperregionen wie Gesicht, Arme und Beine. Am Auge löst das Gift schmerzhafte Bindehautentzündungen aus. Werden die giftigen Härchen eingeatmet, lösen sie Atemnot, Asthma-Anfälle oder einen lebensbedrohlichen allergischen Schock aus. Ein kleiner Windstoß genügt, um die feinen Härchen bis zu 100 Meter durch die Luft zu transportieren.

Was tun, wenn Brennhaare auf dem Körper sind?

Wer betroffen ist, sollte die Haut gründlich abduschen, Haare waschen und die Kleidung wechseln und in der Maschine waschen. Kühlen der betroffenen Stellen sowie antiallergische Medikamente (Antihistaminika) oder eine kortisonhaltige Salbe können die Beschwerden lindern.

Bekämpfung Experten überlassen

Nestern sollte man nur in Einmal-Schutzbekleidung und mit einer Atemmaske nähern. Experten raten jedoch davon ab, die Nester selbst abzutragen. Professionelle Schädlingsbekämpfer saugen die Nester mit Industriestaubsaugern ab. Anschließend werden sie in der Erde vergraben oder aber in geschlossenen Anlagen verbrannt. Sind die Raupen noch klein und die Haare nicht ausgebildet, können sie mit Gift bekämpft werden.

Links

Fakten zum Eichenprozessionsspinner

Das Julius Kühn-Institut (JKI) informiert. extern

Zum Einsatz kommen Pflanzenschutzmittel wie Dipel ES oder Häutungshemmer wie Neem oder Dimilin. Die Bekämpfung mit Gift ist im Mai wichtig, bevor die Raupen sich häuten und dann die gefährlichen Haare ausbilden. In großen befallenen Waldflächen wird das Gift aus Hubschraubern versprüht. In Städten und Dörfern, kommt eine Kanone zum Einsatz, die das Gift selbst in 30 Meter hohe Baumkronen befördert. Befallene Gebiete, die mit Warnschildern gekennzeichnet sind, sollte man meiden.

Interviewpartner:

Eckard Klasen
Forstoberrat
Leiter LWK-Forstamt Südostheide
Bodemannstraße 16
38518 Gifhorn
Internet: http://fbg-ostheide.de/wir-ueber-uns/forstteam/

Jens Lachmann
Diplom-Ing. Forstwirtschaft
Der grüne Betrieb – Forst- Garten und Landschaftsbetreuung
Loger Landstraße 5
29439 Lüchow (Wendland)
Internet: www.der-gruene-betrieb.de

Dr. Jan Geldmacher
Allgemeinmediziner
Praxis Gartow
Springstraße 1
29471 Gartow
Internet: www.praxis-gartow.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.05.2015 | 20:15 Uhr

Nachrichten

Hubschrauber bekämpft Eichenprozessionsspinner

Per Hubschrauber wird im Landkreis Lüneburg Gift versprüht, um die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners zu stoppen. Die Haare der Raupen sind für den Menschen gefährlich. mehr