Stand: 29.09.2014 11:30 Uhr  | Archiv

Den plötzlichen Herztod verhindern

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Der plötzliche Herzstillstand ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Alle fünf Minuten bricht in Deutschland ein Mensch zusammen, weil sein Herz aussetzt. Der plötzliche Herztod droht. Ursache ist meist eine koronare Herzkrankheit, bei der eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße vorliegt.

Symptome ernst nehmen

Dass ein plötzlicher Herzstillstand sehr häufig gar nicht so plötzlich kommt, wie es der Begriff vermuten lässt, zeigt eine aktuelle US-Studie: Demnach zeigten 53 Prozent der Betroffenen zuvor Symptome, die auf Herzprobleme schließen lassen: Die meisten verspürten eine Stunde bis vier Monate vor dem Herzstillstand Brustschmerzen, in vielen Fällen sogar die für Herzinfarktetypische Herzenge. Viele hatten in diesem Zeitraum über Atemnot, heftiges Herzklopfen, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle geklagt. In der letzten Stunde vor dem Herzstillstand hatte dagegen nur jeder fünfte Betroffene Beschwerden. Vor allem bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit gingen dem Herzstillstand häufig eines oder mehrere dieser Warnzeichen voraus.  

Eine weitere Studie zeigt zudem, dass zu viel Sport das Sterberisiko von Herzinfarktpatienten steigern kann: Während moderate körperliche Aktivität nach einem Herzinfarkt nach wie vor die beste Medizin ist, gibt es auch hier eine gefährliche Überdosis, die sich am Energieverbrauch festmachen lässt. Für Menschen mit vorgeschädigtem Herzen liegt die Grenze bei einer Stunde Jogging pro Tag beziehungsweise 50 Kilometer Jogging oder 75 Kilometer schnellem Walking pro Woche.

Jede Sekunde zählt

Wer Zeuge eines plötzlichen Herzstillstands wird, kann durch eine sofortige Reanimation - eine Herzdruckmassage - Leben retten. Dabei kommt es auf jede Sekunde an, denn schon nach drei Minuten Unterversorgung mit Sauerstoff kommt es zu ersten Hirnschäden, nach spätestens acht Minuten tritt der Hirntod ein. Deshalb sind die ersten Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft, extrem wichtig. Ohne wiederbelebende Hilfe verringert sich die Überlebenschance pro Minute um etwa zehn Prozent.

Doch nicht jeder Laie traut sich eine Herzdruckmassage zu. Viele schrecken davor zurück aus Angst, etwas falsch zu machen oder den Betroffenen zu verletzen. Dabei könnten fast 5.000 Menschenleben mehr pro Jahr durch beherztes Eingreifen gerettet werden. Wer zu ungestüm drückt, kann dem Patienten zwar die Rippen brechen, doch das ist immer noch besser, als tatenlos daneben zu stehen.  Der einzige Fehler ist, nichts zu tun!

Erste Hilfe: So helfen Sie

1. Ansprechbarkeit prüfen
2. 112 rufen, wenn der Patient nicht ansprechbar ist und nicht atmet.
3. Brustkorb in der Mitte fest und schnell herunterdrücken - 100-120 Mal pro Minute. Erst aufhören, wenn der Notarzt eintritt.

Eine Beatmung ist bei der Wiederbelebung übrigens zweitrangig, denn im Blut ist in der Regel noch genug Sauerstoff gelöst, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken - solange der Restsauerstoff durch die Herzdruckmassage auch ins Gehirn gepumpt wird.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Rainer Hambrecht
Chefarzt
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Klinikum Links der Weser, Herzzentrum Bremen
Senator-Weßling-Straße 1
28277 Bremen
Tel. (0421) 879 14 30
Fax (0421) 879 16 75
Internet: www.gesundheitnord.de/krankenhaeuserundzentren/ldw/klinikum-bremen-ldw/kardio-herzzentrum-bremen.html

Im Beitrag:
Prof. Dr. Peter H. Tonner
Chefarzt
Klinik für Anästhesie, Operative und Allgemeine Intensivmedizin, Notfallmedizin
Klinikum Links der Weser
Senator-Weßling-Straße 1
28277 Bremen
Internet: www.gesundheitnord.de/krankenhaeuserundzentren/ldw/klinikum-bremen-ldw/anaesthesie-intensiv-und-notfall.html

Dieses Thema im Programm:

Visite | 30.09.2014 | 20:15 Uhr