Stand: 27.02.2017 15:16 Uhr

Darmkrebs erkennen und behandeln

Bild vergrößern
Wer ein ererbtes Krebsrisiko in sich trägt, sollte regelmäßig zur Darmspiegelung gehen.

Jedes Jahr erkranken hierzulande mehr als 70.000 Menschen an Darmkrebs. Rund 25.000 Betroffene pro Jahr sterben an einem bösartigen Darmtumor. Unter dem Oberbegriff Darmkrebs werden Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolon), des Enddarms (Mastdarm/Rektum) und des Darmausgangs (Anus) zusammengefasst. Die Behandlung von Darmkrebs hat deutliche Fortschritte gemacht. Früh erkannt ist der Darmkrebs in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar. Schreitet er aber fort, bilden sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen, vor allem in der Leber.

Bild bei einer Darmspiegelung.

Darmkrebs: Vorsorge kann Leben retten

Visite -

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Das Tückische: Die bösartigen Tumoren wachsen oft jahrelang unbemerkt und verursachen keine Beschwerden.

4,38 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Wachstum der Tumoren oft lange unbemerkt

Tückisch ist, dass die bösartigen Darmtumore oft jahrelang im Darm wachsen und größer werden, ohne Beschwerden zu verursachen. Erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit und Antriebslosigkeit können auch andere, harmlose Ursachen haben. Und ist erst Blut im Stuhl zu erkennen, ist der Tumor meist schon sehr groß.

Darmspiegelung zur Früherkennung nutzen

Deshalb wird seit 2002 ab dem 55. Lebensjahr die Darmspiegelung (Koloskopie) alle zehn Jahre als Vorsorgeuntersuchung kostenlos angeboten. Sie ist die beste und sicherste Methode der Vorsorge, Stuhlbluttest und immunologische Tests sind ungenauer. Die Zahl der Neuerkrankungen ab 55 Jahre ist durch die Vorsorge um rund 20 Prozent zurückgegangen. Mediziner werten die Studie daher auch als Beweis dafür, dass Darmkrebsvorsorge Leben rettet.

Darmkrebs entsteht aus Polypen

Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Krebs-Vorstufen, sogenannten Polypen, die sich bei der Koloskopie leicht entfernen lassen. Dabei führt der Arzt dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein biegsames Endoskop in den Darm ein. Das schlauchförmige Gerät enthält eine Lichtquelle, eine winzige Kamera mit einer sehr guten Auflösung und einen Arbeitskanal, über den der Arzt kleine Zangen zur Entnahme von Gewebeproben einführen und etwaige Polypen abtragen kann. Entdeckt er bei der Koloskopie einen Tumor, kann er eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen.

Komplikationen bei Koloskopie sehr selten

Trotzdem gehen die wenigsten Menschen zur Darmspiegelung. Viele haben Angst vor dem Eingriff mit dem Endoskop. Auch die vorbereitende Darmreinigung, für die man mindestens zwei Liter Spülflüssigkeit trinken muss, empfinden viele als unangenehm. Gefährlich ist eine Darmspiegelung nicht, zu Komplikationen kommt es sehr selten, sodass die Chancen einer erfolgreichen Krebsvorsorge die Risiken bei Weitem überwiegen. Studien zeigen, dass nach einer unauffälligen Spiegelung die nächste Koloskopie erst nach fünf bis zehn Jahren durchgeführt werden muss.

Bei Darmkrebs familiäres Risiko beachten

Wenn allerdings ein Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, sollte man häufiger kontrollieren:

  • Denn 20 bis 30 Prozent aller Darmkrebspatienten haben ein vererbtes, familiäres Darmkrebsrisiko. In diesem Fall ist die Gefahr um das Vierfache erhöht. Die erste Untersuchung sollte bereits zehn Jahre früher durchgeführt werden, als das Alter des jüngsten Betroffenen der Familie beim Ausbruch der gefährlichen Krankheit betragen hat.
  • Etwa fünf Prozent aller Darmkrebspatienten haben sogar regelrecht krankmachende Gene geerbt - mit einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 80 bis 100 Prozent.

Eine Genanalyse zeigt bei frühen Darmkrebserkrankungen (unter 50 Jahren) in der Familie, ob das Risiko für Darm- und Magenkrebs erhöht ist. Wer weiß, dass er ein ererbtes Krebsrisiko in sich trägt, sollte engmaschig Darmspiegelungen durchführen lassen, um etwaige Tumore rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Krebs-Behandlung am besten im Darmzentrum

Es ist wichtig, ein maßgeschneidertes Therapiekonzept für jeden Patienten zu entwickeln. Deshalb sollten sich Patienten mit Darmkrebs möglichst in einem Darmzentrum behandeln lassen. Hier beraten Experten aller an der Krebstherapie beteiligten Fachgruppen gemeinsam in interdisziplinären Tumorkonferenzen, welche Verfahren im Einzelfall am sinnvollsten sind und wie sie kombiniert werden sollen.

Wie wird in den verschiedenen Krebsstadien behandelt?

Die Therapie des Darmkrebses erfolgt heutzutage nach Empfehlungen und Leitlinien von wissenschaftlich anerkannten Fachgesellschaften. Sie richtet sich dabei insbesondere nach der Art des Tumors sowie dem Stadium der Tumorerkrankung. Die Festlegung des Tumorstadiums erfolgt anhand der Tumorgröße, des Lymphknotenbefalls und dem Vorliegen von Metastasen.

  • Bei kleinen, örtlich begrenzten Tumoren (Stadium I) kann durch eine Operation in mehr als 90 Prozent der Fälle eine Heilung erreicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass der bösartige Tumor die Darmwand noch nicht durchbrochen hat, die Lymphknoten nicht betroffen sind und keine Metastasen vorliegen. Eine Chemo- oder Strahlentherapie ist dann nicht notwendig.

  • Im Stadium II haben die Tumore die Darmwand durchbrochen und das umliegende Gewebe möglicherweise infiltriert. Dennoch sind die Lymphknoten nicht befallen und es liegen keine Metastasen vor. Neben der Operation kann in diesem Stadium eine begleitende Chemotherapie sinnvoll sein.

  • Bei Tumoren im Stadium III sind die Lymphknoten in der Nähe des Tumors mit bösartigen Zellen befallen. In diesen Fällen erfolgt nach der Operation eine Chemotherapie. Beim Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs) erfolgt bereits vor einer möglichen Operation eine Chemotherapie.

  • Tumore im Stadium IV gehen mit Metastasen in anderen Organen einher. Bei Darmkrebs kommt es typischerweise zunächst zu Ansiedelungen in Leber und Lunge. Je nach Verfassung und Beschwerden des Betroffenen kann die erste Behandlungsmaßnahme eine Operation oder eine Chemotherapie sein. Wenn möglich sollten die Metastasen entfernt werden.

Chemotherapie soll Heilungschancen verbessern

Die Operationsstrategien richten sich vor allem nach der anatomischen Lage des Tumors. Bei Tumoren des Dickdarms kann die Darmpassage in der Regel erhalten werden. Das heißt, nach der Entfernung des Tumors können die beiden Darmenden wieder miteinander verbunden werden. Bei Tumoren des Mastdarms wird zum Schutz der Naht der Darmenden ein künstlicher Darmausgang angelegt. Dieser kann nach einigen Wochen im Rahmen einer kleinen Operation wieder zurückverlegt werden. Es sei denn, die Krebsgeschwulst liegt sehr tief in der Nähe des Schließmuskels. Dann ist manchmal ein dauerhafter, künstlicher Darmausgang notwendig.

Die Chemotherapie erfolgt ebenfalls abhängig vom vorliegenden Stadium. Sie erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von sechs Monaten. Ihr Ziel ist es die Heilungschancen zu verbessern und Metastasen zu behandeln oder bei fortgeschrittenen Erkrankungen die Lebensqualität zu verbessern und die Überlebenszeit zu verlängern. Die sogenannten Zytostatika wirken insbesondere auf die sich schnell teilenden Zellen des Tumorgewebes.

Wann ist eine Strahlentherapie bei Darmkrebs sinnvoll?

Seit Kurzem sind im Rahmen einer Immuntherapie auch spezielle Antikörper zur Behandlung des Darmkrebses zugelassen. In Kombination mit der klassischen Chemotherapie sollen sie die Behandlungserfolge verbessern. Eine ergänzende Strahlentherapie ist dann sinnvoll, wenn sich ein Rektumkarzinom in das umgebende Gewebe ausgebreitet hat oder Lymphknoten befallen sind.

Die Diagnose einer Tumorerkrankung bedeutet für jeden Betroffenen eine erhebliche Belastung. Daher ist es wichtig, Therapieoptionen und -konzepte individuell zu gestalten und eng an die Bedürfnisse und die Lebenssituation der Betroffenen anzupassen.

Weitere Informationen
mit Video

Darmkrebs: Neuer Test verbessert Früherkennung

Ein neues Testverfahren soll die Früherkennung von Darmkrebs verbessern. Für Menschen ab 50 Jahren ist der immunologische Test eine Kassenleistung. mehr

"Darmkrebs im Frühstadium meist symptomlos"

Wann sollte man mit der Darmkrebs-Vorsorge beginnen? Können Marcumar-Patienten eine Darmspiegelung machen? Diese und weitere Fragen hat Prof. Hans Seifert im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner im Beitrag

Prof. Dr. Götz von Wichert
Chefarzt Abteilung für Innere Medizin
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Dehnhaide 120
22081 Hamburg
Tel. (040) 20 92 12 01
Fax. (040) 20 92 12 00
Internet: www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/eil/

Dr. Bodo Eckmann
Praktischer Arzt
Gemeinschaftspraxis für Endoskopie und Proktologie am Glockengießerwall - Dres. Brückner & Eckmann
Glockengießerwall 1
20095 Hamburg
Tel. (040) 251 20 68
Fax. (040) 251 88 34
E-Mail: kontakt@endoskopie-am-glockengiesserwall.de
Internet: www.endoskopie-am-glockengiesserwall.de/

Prof. Dr. Stephan Miehlke
Magen-Darm-Zentrum Facharztzentrum Eppendorf
Eppendorfer Landstraße 42
20249 Hamburg
Tel. (040) 460 20 01
Fax. (040) 47 35 47
E-Mail: info@faz-eppendorf.de
Internet: www.facharztzentrum-eppendorf.de/gastroenterologie-endoskopie/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.02.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

29:36 min

Gulasch für die Treckerschrauber

25.06.2017 16:30 Uhr
Sass: So isst der Norden
24:13 min

Rute raus! Angeln an der Peene

24.06.2017 17:35 Uhr
Rute raus, der Spaß beginnt!
03:27 min

Ferienzeit: Sommercamp in Braunschweig

22.06.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen