Stand: 03.11.2015 14:32 Uhr  | Archiv

Brustkrebs-Vorstufe: OP bei DCIS empfohlen

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DCIS ist nicht akut lebensbedrohlich, entwickelt sich aber häufig zu Krebs.

Brustkrebs bedeutet nicht immer, dass ein Knoten in der Brust zu finden ist. Relativ häufig entwickelt sich der Krebs auch aus Mikrokalk in den Milchgängen. Wird so etwas bei einer Mammografie entdeckt, sprechen die Ärzte von einem "Duktalen Carzinoma in situ" (DCIS). Das Problem ist, dass man von außen nicht beurteilen kann, ob ein DCIS harmlos ist oder nicht. Der erste Schritt zur Analyse ist deshalb eine Biopsie. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht.

Tumor zunächst auf Milchgänge beschränkt

Ein DCIS besteht überwiegend aus harmlosem Mikrokalk und nur wenig Tumorgewebe. Solange dieser Tumor auf die Milchgänge beschränkt ist, ist er nicht lebensgefährlich. Doch niemand weiß, ob und wann genau einige der Krebszellen aus den Milchgängen ausbrechen und sich doch ein invasives Karzinom aus dem DCIS entwickelt. Nur wenige Frauen haben den Mut, einen ruhenden Krebs zu beobachten und darauf zu warten, dass er aktiv wird. Deshalb raten Experten in der Regel zur Operation, um die psychische Belastung zu begrenzen und der Patientin die Sorge zu nehmen.

Eine neue Studie zeigt zwar, dass trotz radikaler Operation und Bestrahlung langfristig genauso viele Frauen am Brustkrebs sterben, doch Experten bezweifeln die Aussagekraft der Untersuchung, die vor mehr als 20 Jahren begann. Damals sei die Diagnostik noch nicht so zuverlässig gewesen wie heute, sodass zum Zeitpunkt der Diagnose der Krebs bereits gestreut hatte und eine Heilung nicht mehr möglich war.

Experten raten zur vorsorglichen Operation

Ist eine Frau unsicher, was sie tun soll, raten Experten zur vorsorglichen Operation mit anschließender Bestrahlung, da ein DCIS auf lange Sicht doch meist bösartig wird und sich dieses Risiko so vermeiden lässt. Je jünger eine Patientin ist und je größer das entdeckte DCIS, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, auf lange Sicht einen bösartigen Krebs zu entwickeln.

Bei der Operation muss das DCIS mit einem ausreichenden Sicherheitssaum im gesunden Gewebe entfernt werden. In der Pathologie wird dann untersucht, wie gefährlich der Befund ist. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, da nur Stichproben untersucht werden können und nicht alle Zellen. Bei einem über fünf Zentimeter großen Tumor gehen Experten davon aus, dass in jedem zweiten Fall invasive Krebszellen vorhanden sind und raten deshalb zur totalen Entfernung der betroffenen Brust.

Grundsätzlich hat die Patientin aber genug Zeit, sich in Ruhe beraten zu lassen und zu entscheiden, denn ein Notfall ist ein DCIS keinesfalls.

Interviewpartner:

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Isabell Witzel
Leiterin des Brustzentrums
Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 25 51
Fax (040) 741 05 43 55
Internet: www.uke.de/kliniken/brustzentrum

Im Beitrag:
Prof. Dr. Ingrid Schreer
Fachärztin für Radiologie
Radiologische Allianz
Schäferkampsallee 5-7
20357 Hamburg
Tel. (040) 325 55 21 03
Fax (040) 325 55 22 03
Internet: www.radiologische-allianz.de/praxen/schaeferkampsallee-5-7

Prof. Dr. Annette Lebeau
Fachärztin für Pathologie
Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/institute/pathologie/index_96335.php

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Visite | 03.11.2015 | 20:15 Uhr

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