Stand: 31.07.2017 13:31 Uhr

Alterssichtigkeit: Brille oder Operation?

Alterssichtigkeit trifft früher oder später jeden. Meist beginnt sie ab einem Alter von 50 Jahren, bei Kurzsichtigen etwas später. Im höheren Alter ist sie mit 95 Prozent die häufigste Fehlsichtigkeit. Die altersbedingte Weitsichtigkeit ist keine Krankheit, sondern ein normaler Funktionsverlust: Ein scharfes Sehen in der Nähe, also insbesondere beim Lesen, ist dann nicht mehr uneingeschränkt möglich.

Ein Mann (unscharf) liest Zeitung, im Vordergrund ist eine Brille zu sehen (scharf).

Alterssichtigkeit: Brille oder Operation?

Visite -

Alterssichtigkeit beginnt bei vielen Menschen ab 50. Ihnen fällt scharfes Sehen in der Nähe schwer, etwa beim Lesen. Was hilft am besten: Brille oder Operation?

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

So entsteht Weitsichtigkeit im Alter

Mit der Zeit verlieren die Linsen ihre Elastizität und damit ihre Brechkraft (Akkomodationsbreite). Das bedeutet, dass sie sich nicht mehr flexibel auf unterschiedliche Entfernungen einstellen können. Nahe Bilder können dann nicht mehr scharfgestellt werden. Der maximale Nahpunkt, das heißt der Punkt an dem Bilder gerade noch scharf erkannt werden können, rückt schließlich immer weiter in die Ferne.

Lesebrille, Gleitsichtbrille oder Operation?

Die einfachste Möglichkeit zur Korrektur ist die Lesebrille. Alternativ können Menschen mit Alterssichtigkeit eine Gleitsichtbrille verwenden, die scharfes Sehen in der Nähe und in der Ferne ermöglicht. Wer keine Brille tragen möchte, kann eine Operation in Erwägung ziehen. Es gibt eine Vielzahl von Operationstechniken mit verschiedenen Vor- und Nachteilen. Zu den erfolgreichsten Verfahren zählen die Implantation von sogenannten Multifokallinsen sowie die Monovision.

Wann Multifokallinsen sinnvoll sind

Multifokallinsen ermöglichen scharfes Sehen in mehreren Entfernungsstufen - nah, fern und auf mittlere Entfernung, etwa zum Arbeiten am Computer. Das nennt man trifokal. Multifokallinsen sind ideal für Patienten mit Grauem Star, die ohnehin neue Linsen benötigen. Bei der Operation wird die eigene Linse zerstört und abgesaugt, bevor an ihre Stelle eine Kunstlinse eingesetzt wird.

Multifokallinsen können nur bei Patienten ohne gravierende Augenerkrankungen und Hornhautverkrümmung eingesetzt werden. Die Kosten für die Behandlung müssen von den Betroffenen selbst getragen werden.

Nachteile von Multifokallinsen

Multifokallinsen arbeiten nicht auf alle Entfernungen gleich gut. Zum Beispiel kann in einem Sehabstand von einem halben bis einem Meter Streulicht die Sicht stören. Das kann bei der Arbeit am Computer Probleme bereiten. Beim Tragen von Multifokallinsen können außerdem Blendeffekte und Lichtreflexe auftreten. Schwierig ist das Sehen in vielen Fällen in der Dämmerung oder in der Nacht, weil zum Beispiel Blendeffekte und Lichtreflexe stören können. Doch viele der Betroffenen gewöhnen sich mit der Zeit daran.

Monovision: Arbeitsteilung der Augen

Seit einigen Jahren macht sich die Augenheilkunde das Prinzip der Monovision zunutze, um Alterssichtigkeit zu behandeln. Bei der Monovision unterscheiden sich das rechte und linke Auge einer Person hinsichtlich ihrer Sehfähigkeit. Das Scharfstellen der Ferne erfolgt dabei mit einem Auge, das Scharfstellen in der Nähe mit dem anderen Auge. Dieses Phänomen erklärt auch, warum manche Menschen bis ins hohe Alter keine Brille benötigen. Johann Wolfgang von Goethe hatte von Geburt an eine Monovision und brauchte daher auch im hohen Alter keine Brille. Daher wird das Phänomen auch als "Goethe-Blick" bezeichnet.

Mittlerweile lässt sich die Monovision mithilfe von Kontaktlinsen oder einer Laserbehandlung erreichen. Dabei wird ein Auge für die Nahsicht und eins für die Fernsicht eingestellt. Das Prinzip des "Goethe-Blicks" erfordert allerdings die Mitarbeit des Gehirns. Es muss ständig neu entscheiden, welches Auge den Sinneseindruck dominieren soll.

Nicht jeder kommt mit den neuen Seheindrücken zurecht. Darum sollten Betroffene, die sich für diesen Therapieansatz interessieren, die Monovision erst einmal über einen längeren Zeitraum mit Kontaktlinsen testen, bevor eine Laserbehandlung erfolgt. Dabei wird dann mit der sogenannten LASIK-Methode durch die Abtragung von Gewebe eine Änderung in der Krümmung der Hornhaut erreicht.

Führungsauge übernimmt Weitsicht

Es wird aber nur die Fehlsichtigkeit des sogenannten Führungsauges vollständig ausgeglichen, sodass damit ein optimales Sehen in der Ferne möglich ist. An dem anderen, dem nicht dominanten Auge, erfolgt nur eine teilweise Korrektur. Ist das nicht dominante Auge kurzsichtig, wird es kurzsichtig gelassen. Ist es dagegen weitsichtig, wird es kurzsichtig gemacht. Das vollständig korrigierte Auge ist dann für die Weitsicht und das teilweise korrigierte Auge für die Nahsicht zuständig.

Nach der Behandlung kann das Sehen noch für einige Tage ungewohnt sein. Das Gehirn stellt sich aber nach einer gewissen Zeit auf die Differenz in der Wahrnehmung der beiden Augen ein. Das räumliche Sehvermögen ist nach einer Monovision eingeschränkt. Und bei schlechten Lichtverhältnissen oder zum Autofahren kann dennoch eine Brille erforderlich sein. Die Kosten für die Behandlung müssen von den Betroffenen selbst getragen werden.

Weitere Informationen
mit Video

Gesundes Essen für gesunde Augen

Die richtige Ernährung unterstützt das gute Sehen. Was bedeutet das? Welche Lebensmittel helfen, die Augen zu schützen? Visite mit praktischen Tipps. mehr

Wenn die Gleitsichtbrille Probleme bereitet

Lesen oder Auto fahren - Gleitsichtbrillen ermöglichen ein scharfes Sehen in der Nähe sowie in der Ferne. Doch die Sehhilfe kann auch der Grund für Nackenschmerzen sein. mehr

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Stephan J. Linke
Zentrumsehstärke
Augenarztpraxis am UKE
Martinistraße 64, 20251 Hamburg
Tel. (040) 42 91 60 66, Fax: (040) 42 91 60 64
E-Mail: termin@zentrumsehstaerke.de
Internet: www.zentrumsehstaerke.de

Priv.-Doz. Dr. Ulrich Schaudig
Chefarzt der Augenklinik
Asklepios Klinik Barmbek
Rübenkamp 220, 22291 Hamburg
Tel. (040) 18 18 82 28 31, Fax: (040) 18 18 82 28 39
E-Mail: augenklinik.barmbek@asklepios.com
Internet: www.asklepios.com

Weitere Informationen:
Informationen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands.
Internet: www.augeninfo.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 01.08.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

06:03
02:53
04:05

Interview: Was tun bei Rückenschmerzen?

15.08.2017 20:15 Uhr
Visite