Therapien bei Makuladegeneration
Buchstaben verschwimmen, gerade Linien erscheinen plötzlich krumm: Insbesondere ältere Menschen leiden unter der tückischen Sehverschlechterung. Wie wird behandelt?
Video starten (05:34 min)Bis zu vier Millionen Deutsche leiden an einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Bei dieser fortschreitenden Schädigung der Netzhaut büßen die Sinneszellen am Punkt des schärfsten Sehens (Makula) nach und nach ihre Funktion ein. Die Betroffenen können das, was sie direkt anschauen, nicht mehr klar erkennen. Erstes Anzeichen ist ein verzerrtes Sehen - Buchstaben verschwimmen, gerade Linien erscheinen plötzlich krumm.
Bei dieser Krankheit geht die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, kaputt.
Man unterscheidet zwei Verlaufsformen der AMD, die "trockene" und die "feuchte". Rund 85 Prozent der Patienten leiden an einer trockenen AMD, Ablagerungen unter der Netzhaut, die sich zwar nicht wirksam behandeln lassen, aber auch nicht immer zu einer drastischen Sehbehinderung führen.
Anders ist dies bei der feuchten Makuladegeneration: Bei dieser aggressiveren Variante wandern krankhafte Blutgefäße in die Makula ein und sondern dort Flüssigkeit ab. Dadurch schwillt die Netzhaut an, die Sehzellen werden geschädigt, das Augenlicht ist akut bedroht.
Eine schnelle Diagnose ist Voraussetzung, um das Fortschreiten der feuchten Makuladegeneration mit einer Injektionstherapie aufzuhalten. Dabei wird das Medikament Lucentis® in monatlichen Abständen unter örtlicher Betäubung direkt ins Auge gespritzt. Es hemmt Wachstumsfaktoren, die für die Gefäßwucherungen im Auge verantwortlich sind und kann so das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und zum Teil sogar das Sehvermögen verbessern.
Diese Behandlung muss nach der Diagnose so schnell wie möglich beginnen. Doch das Medikament ist so teuer, dass die Kostenübernahme durch die Krankenkassen nicht einheitlich geregelt ist und viele Patienten erst einen Antrag stellen und auf die Zusage warten müssen. Dies kann Wochen dauern, während die Krankheit voranschreitet. Eine billigere Alternative ist das ähnlich wirksame Präparat Avastin®, das aber nur für die Darmkrebstherapie zugelassen ist. Manche Augenärzte verschreiben es im Rahmen einer "off-label-Therapie" (zulassungsüberschreitende Anwendung) dennoch für die Behandlung der feuchten Makuladegeneration, um keine Zeit zu verlieren.
Einige Kassen haben dazu sogar Verträge mit bestimmten Ärzten abgeschlossen, zu denen sie Patienten, die eine Therapie beantragen, schicken. Wichtig ist in jedem Fall die rechtzeitige Diagnose der Makuladegeneration. Experten empfehlen daher ab dem 60. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Untersuchung beim Augenarzt.
Dr. Ulrich Weigmann
Augenarzt
Gemeinschaftspraxis Dr. Genée/Dr. Weigmann
Medizinisches Versorgungszentrum
Wolfenbütteler Straße 82
38104 Braunschweig
Tel. (0531) 27 33 80
Prof. Dr. Gisbert Richard
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Autorin der Fernsehbeiträge:
Annette Willenbücher