Stand: 08.01.2014 16:33 Uhr

Die Welte-Funkorgel: Ein Multitalent für das Radio

von Jürgen Lamke

Grundsätzlich orientiert sich der Aufbau der Welte-Funkorgel am Kinoorgel-Modell F (1929) von Welte & Söhne. Dies ist ein Instrument mit zwei Manualen und Pedal sowie 59 Registern im Multiplexsystem. Für die Rundfunkorgel wurde es erweitert: mit einem dritten Manual, einer neuen Pfeifenreihe "Gemshorn" in der Hauptorgel und mit der bereits erwähnten Soloorgel mit sieben neuen Stimmen.           

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Die Pfeifen der Welte-Funkorgel (1930).

Die Welte-Funkorgel hat damit 2.000 Pfeifen in zwei Kammern sowie einen auffallend großen Spieltisch mit drei Manualen à 61 Tasten und einem Pedal mit 30 Tasten. Von hier aus steuert der Organist sein Spiel über elektro-pneumatische Tasten- und Registerschaltungen nach dem erwähnten Multiplexsystem. Es wurde um 1900 von dem englischen Orgelbauer Robert Hope-Jones erfunden und hatte zur Entwicklung der amerikanischen Kino- beziehungsweise Theaterorgel geführt (The Mighty Wurlitzer).

Aus nur 24 Grundstimmen mit jeweils bis zu 97 Pfeifen und fünf Schlagzeugregistern werden 128 spielbare Orgelregister gebildet. Die Orgelkammern sind mit Jalousien versehen, die der Organist mit dem Fuß öffnen und schließen kann. Dadurch ist die Lautstärke des Orgelklangs in beträchtlichem Maße veränderbar und es entstehen große dynamische Wirkungen wie in einem Orchester.

Sakrale und weltliche Register im neuen Funkhaus

Schon im November gab es eine erste Versuchssendung mit der Welte-Funkorgel. Und bereits hier taucht der Name auf, mit dem sie über Jahrzehnte untrennbar verbunden bleiben sollte: Gerhard Gregor. Weitere Orgelsendungen mit ihm folgten kurz darauf. Am 1. Januar 1931 schließlich stellte Gregor in der Sendung "Musikalisch-literarische Führung durch das neue Funkhaus" speziell das "sakrale" und das "weltliche Register" der Welte-Funkorgel und damit die ganze Bandbreite dieses einmaligen Instruments vor.

Unter Gregors Händen wurde die Funkorgel zu einer der bedeutendsten Rundfunkorgeln Europas. Der Musiker spielte bis in die sechziger Jahre regelmäßig live im Programm volkstümliche Melodien.

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