Sendedatum: 02.07.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Waschen gegen Keime: Reichen 30 Grad?

Der Gedanke, dass sich in der Wäsche Bakterien, Viren und Pilze tummeln, steigert das Bedürfnis, diesen mit allen Mitteln der modernen Haushaltschemie zu Leibe zu rücken. Doch das ist gar nicht so einfach - und oft auch übertrieben. Denn der überwiegende Teil der in der Wäsche lebenden Mikroorganismen ist ungefährlich und für unser Immunsystem sogar notwendig.

Bei Virus-Erkrankungen heiß waschen

Anders sieht es aus, wenn ein Familienmitglied zum Beispiel an einer Grippe, einem Magen-Darm-Virus oder Fußpilz leidet - auch wenn Krankheiten vor allem von Mensch zu Mensch und weniger über Kleidungsstücke übertragen werden. Sind einzelne Familienmitglieder erkrankt, sollte deren Wäsche trotzdem getrennt und sofort bei 60 Grad mit Vollwaschmittel gewaschen werden. Der Erkrankte sollte deshalb möglichst nur Baumwollwäsche tragen, die heiß gewaschen werden kann und außerdem jeden Tag Kleidung und Bettwäsche wechseln.

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Normal verschmutzte Wäsche sollte bei 30 Grad gewaschen werden, raten Experten.

Sind alle Familienmitglieder gesund, sind solche Vorsichtsmaßnahmen überflüssig. Die meisten Bakterien und Viren überstehen die Wäsche bei 30 und 40 Grad problemlos - dennoch sollte normal verschmutzte Wäsche bei 30 Grad gewaschen werden, raten Experten. Das kommt auch der Umwelt zugute, denn ein 60 Grad-Waschgang verbraucht mehr als doppelt so viel Energie. Wer sich damit besser fühlt, kann die Wäsche, die das verkraftet, aber ein bis zwei Mal im Monat auch bei 60 Grad waschen.

Bleichmittel töten Keime ab

Viel wichtiger als die Temperatur der Wäsche ist das eingesetzte Waschmittel: Vollwaschmittel enthalten Bleichmittel, die die Keime abtöten. In Colorwaschmitteln dagegen fehlen diese Bleichstoffe, um die Farben der Buntwäsche zu schonen. Hygienespüler werden zwar mit 100 Prozent Bakterien- und Pilzfreiheit schon bei 15 Grad  beworben, töten aber nicht mehr Bakterien ab als die Bleichstoffe der Vollwaschmittel und können zudem zu Allergien führen. Experten warnen zudem, dass Bakterien durch dauerhaften Einsatz der Hygienespüler Resistenzen entwickeln könnten. Viel sinnvoller sei es, die Wäsche nach Möglichkeit unter freiem Himmel zu trocknen – denn UV-Strahlen mögen Keime gar nicht.

Pflege der Waschmaschine wichtig

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Wichtig ist auch die Pflege der Waschmaschine, denn die kann schnell zur Brutstätte für Keime werden.

Wichtiger als die Wäsche selbst ist die gute Pflege der Waschmaschine, denn die kann schnell zur Brutstätte für Keime werden. Restwasser in der leeren Maschine, das Einfüllfach, die Gummidichtung rund ums Bullauge und das Flusensieb bieten Krankheitserregern nahezu ideale Bedingungen. Deshalb sollte die Spülkammer nach jeder Wäsche gereinigt, die Trommel ausgewischt und das Flusensieb gesäubert werden. Wer alles mit Spülmittel abwischt und die Tür- und Spülkammer offen stehen lässt, sorgt effektiv vor.

Noch ein wichtiger Tipp: Müffelt ein Kleidungsstück, obwohl es gerade frisch gewaschen wurde, war es vermutlich noch nicht richtig trocken. Damit nicht bald der ganze Schrank müffelt, sollte das Kleidungsstück gleich noch einmal gewaschen werden.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Werner Solbach
Direktor
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Karla Ahrens
Hauswirtschaftsmeisterin
Deutscher Hausfrauenbund
Landesverband Hamburg e.V.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.07.2013 | 20:15 Uhr

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