Sendedatum: 20.11.2012 09:20 Uhr  | Archiv

Palliativmedizin: In Würde sterben

Jeder zweite Deutsche stirbt heute in einer Klinik, im Alten- oder Pflegeheim. Dabei wünschen sich zwei Drittel einen Tod zu Hause. Tatsächlich stirbt nur jeder Vierte zu Hause - und das meist nur, weil mitunter für eine Verlegung in die Klinik keine Zeit mehr bleibt. Das geplante Sterben zu Hause ist dagegen nicht vorgesehen.

Der Ablauf ist fast immer derselbe: Verschlechtert sich der Zustand eines Kranken, wird der Notarzt gerufen - selbst wenn schon lange klar ist, dass es sich um einen Sterbenden handelt. Und damit beginnt eine Kette von Untersuchungen, Behandlungen und weiteren Verlegungen, die eigentlich keiner wollte. Der Notarzt kann nicht anders handeln, als den ihm unbekannten Patienten einzuweisen. Etwaigen Beteuerungen der Angehörigen, der Kranke wolle nicht mehr in die Klinik, kann er in einer solchen Situation kaum Gehör schenken.

Deshalb ist es sehr sinnvoll, sich rechtzeitig gründlich mit diesem Thema zu beschäftigen und eine Patientenverfügung möglichst unter Zeugen, zum Beispiel mit Hilfe des Hausarztes, aufzusetzen. Wichtig ist dabei, die Patientenverfügung in gewissen Abständen zu bestätigen, damit klar wird, dass der darin festgehaltene Wille noch aktuell ist.

Palliativlotsen können helfen

Nicht immer ist das Sterben zuhause die beste Lösung für den Betroffenen und seine Angehörigen. Nicht jede Wohnung, nicht jedes Haus ist geeignet für die Pflege Schwerkranker und nicht jede Familie kommt mit dieser Situation zurecht. In Hamburg gibt es das Projekt der Palliativlotsen. Sie helfen Sterbenden und ihren Angehörigen zu entscheiden, welcher Weg im Einzelfall der beste ist.

Links

Palliativlotsinnen

Der Förderverein Krebs- und Palliativmedizin Hamburg-Barmbek e.V. informiert. extern

Oft kann der rechtzeitige Umzug in ein Hospiz der bessere Weg sein. Hier kümmern sich Fachkräfte um die Bedürfnisse des Sterbenden, die genau wissen, wie sie ihren Gast unterstützen und entlasten können. Die Angehörigen können jederzeit zu Besuch kommen, der Gast kann die letzten Tage oder Wochen selbstbestimmt und so unbelastet wie möglich leben. Bei Bedarf ist hier auch die Versorgung mit Schmerzmitteln gesichert, eine Verlegung in eine Klinik ist deshalb nicht erforderlich.

Die stationäre Hospizversorgung wird zum größten Teil über Leistungen der Kranken- und Pflegekassen finanziert. Einen festgelegten Prozentsatz der Gesamtkosten muss das Hospiz aus Spendenmitteln selbst aufbringen. Für Angehörige ist der Aufenthalt im Hospiz kostenfrei.

Unterstützung für die letzten Tage zu Hause

Auch wenn ein Sterbender seine letzten Tage in den eigenen vier Wänden bei seinen Angehörigen verleben möchte, gibt es professionelle Hilfe durch sogenannte Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgungsteams (SAPV). Die Fachkräfte beraten bei der pflegegerechten Anpassung der Wohnumgebung und helfen bei der Pflege des Sterbenden. Die Versorgung muss von einem Arzt verordnet werden, die Kosten übernimmt dann die Krankenkasse.

Aber auch ein Sterben im Krankenhaus hat heute viel von seinem Schrecken eingebüßt, denn viele Kliniken verfügen inzwischen über spezielle Palliativstationen, die neben einer vollständigen medizinischen und schmerztherapeutischen Versorgung auch ein würdiges Sterben im Krankenhaus ermöglichen. Die Kosten für den Aufenthalt auf einer Palliativstation im Krankenhaus übernimmt die Krankenkasse.

Interviewpartner im Studio:

Dr. Ulrich Müllerleile
Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, internistische Onkologie, Palliativmedizin
Überörtliche Gemeinschaftspraxis Schwerpunkt Hämatologie, internistische Onkologie, Palliativmedizin
Dres. Verpoort, Wierecky, Zeller
Ballindamm 3
20096 Hamburg
Tel. (040) 35 71 77 70
Fax (040) 357 17 77 10

Interviewpartnerinnen im Beitrag:

Petra Börnchen, Krankenschwester und Palliativlotsin

Dagmar Lichtblau, Krankenschwester und Palliativlotsin
Hamburger Palliativ- und Hospiznetz
Wandsbeker Chaussee 8
22089 Hamburg
Tel. (040) 20 98 82 28
Fax (040) 20 98 82 928

Drehort im Beitrag:

Diakonie-Hospiz Volksdorf
Wiesenkamp 24
22359 Hamburg
Tel.(040) 644 11 53 00
Fax:(040) 644 11 53 53

 

Autor des Fernsehbeitrags:
Judith König

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.11.2012 | 09:20 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/palliativmedizin105.html

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