Sendedatum: 24.09.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Ein neues Leben mit einer neuen Niere

Die Nieren sind die Kläranlagen des Körpers. Tag für Tag filtern sie Abfallstoffe aus dem Blut. Diese werden über den Urin ausgeschieden. Gemeinsam mit der Leber sorgen sie für die Entgiftung des Organismus. Werden beide Nieren durch eine Krankheit geschädigt, sind schwere gesundheitliche Probleme die Folge.

Die betroffenen Patienten bemerken Nierenschäden meist erst, wenn die nicht mehr ausgefilterten Schadstoffe den Körper langsam vergiften. Zu den Hauptursachen eines Nierenschadens gehören die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, Nierenentzündungen sowie der jahrelange Gebrauch von Schmerz- und Rheumamitteln.

Wie wird eine Nierenfunktionsstörung festgestellt?

Alarmzeichen für eine Nierenfunktionsstörung sind Blut im Urin, Wassereinlagerungen in den Beinen oder ständige Übelkeit. Bei Verdacht untersucht der Arzt den Urin vor allem auf Eiweißkörperchen und Blutzellen. Dazu kommt eine Ultraschalluntersuchung der Nieren sowie bei Bedarf eine Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung.

Dialyse: Belastung für Körper und Seele

Lässt sich die Nierenfunktion mit Medikamenten nicht wieder regulieren, muss eine Maschine die Aufgabe der geschädigten Organe übernehmen: die Dialyse. Mehrmals pro Woche müssen die betroffenen Patienten für mehrere Stunden an ein Blutwäsche-Gerät angeschlossen werden, um ihr Blut von den Abfallstoffen des Organismus zu reinigen - eine enorme Belastung für Körper und Seele.

Der einzige Weg, dauerhaft aus dieser Abhängigkeit von der Maschine auszubrechen, ist die Nierentransplantation. Derzeit warten in Deutschland etwa 11.000 Menschen auf ein Spenderorgan - etwa 8.000 davon auf eine neue Niere.

Da jeder gesunde Mensch über zwei funktionsfähige Nieren verfügt, kann eines dieser Organe die Funktion des anderen mit übernehmen. Das bedeutet, dass eine Niere einem Nierenkranken gespendet werden und diesem ein Leben ohne Dialyse ermöglichen kann. Allerdings geht der Spender damit das Risiko ein, dass ihm später selbst einmal das "Reserveorgan" fehlen könnte.

Wer darf spenden?

Die Lebendspende ist streng geregelt, um Organhandel einen Riegel vorzuschieben. Spender müssen mindestens 18 Jahre alt sein und ihr Organ freiwillig sowie unentgeltlich hergeben. Operiert werden nur Verwandte, Ehe- oder Lebenspartner sowie enge Freunde. Eine unabhängige Expertenkommission muss dem Eingriff zustimmen. 

Das Entfernen einer Niere ist kein kleiner Eingriff, dank ausgereifter Operationstechnik sind die Risiken aber vergleichsweise gering. Der Spender muss mit den üblichen Gefahren einer Vollnarkose und Operation rechnen. Längerfristig können Bluthochdruck oder Funktionsstörungen der Niere auftreten, weil das verbliebene Organ die Arbeit für zwei leisten muss. Bei regelmäßiger Kontrolle hat der Spender aber eine ganz normale Lebenserwartung. Vor dem Eingriff wird der Gesundheitszustand des Spenders genau geprüft. 

Blutgruppenzugehörigkeit unwichtig

Die Blutgruppenzugehörigkeit von Spender und Empfänger spielen für den Erfolg einer Lebendspende heute keine Rolle mehr. Unabhängig davon können Spenderorgane jedoch abgestoßen werden. Deshalb muss der Empfänger ein Leben lang Medikamente einnehmen. Nach fünf Jahren funktionieren die transplantierten Nieren von Lebendspendern laut Deutscher Stiftung für Organtransplantation noch in rund 87 Prozent der Fälle. Das sind deutlich mehr als nach der Transplantation von Organen verstorbener Spender, wo die Funktionsrate nach diesem Zeitraum bei 71 Prozent liegt.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Thorsten Feldkamp
Oberarzt Transplantation
Klinik für Innere Medizin IV, Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Tel.  (0431) 597 13 38
Fax: (0431) 597 1337
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
E-Mail: feldkamp(at)nephro.uni-kiel.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. Thomas Becker
Direktor der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße
24105 Kiel 
Kontakt über:
Transplantationszentrum Kiel
Frau Glas und Frau Zschiegner
Tel. (0431) 597 43 41
Fax: (0431) 597 11 87
E-Mail: tpz(at)uksh-kiel.de

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Visite | 24.09.2013 | 20:15 Uhr

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