Stand: 21.04.2015 14:16 Uhr  | Archiv

Schulterschmerz: Prothese kann helfen

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper: Muskeln und Sehnen ermöglichen eine kraftvolle Bewegung der Arme in alle Richtungen, sind aber gerade deshalb auch anfällig für Verschleiß. Eine chronische Überlastung von Schultermuskeln und -sehnen kann zu dauerhaften Schmerzen führen. Auch für Verletzungen ist das Schultergelenk recht anfällig. Schulterprobleme sind im Alter nicht selten: Rund 15 Prozent der über 60-Jährigen sind betroffen.

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Der Austausch eines Schultergelenks ist sehr kompliziert.

Wenn der Oberarmkopf nicht mehr gehalten wird

Oft ist der muskuläre Halteapparat der Schulter, die sogenannte Rotatoren-Manschette, verschlissen. Der Gelenk-Kopf sitzt beim Menschen auf dem Oberarmknochen, die Gelenkpfanne befindet sich auf der Seite des Schulterblatts. Gehalten, stabilisiert und bewegt werden die Knochen des Schultergelenks von den Muskeln der Rotatoren-Manschette. Funktioniert die nicht mehr, wandert der Oberarmkopf ungehindert nach oben, stößt an das Dach des Schultergelenks und verursacht dort eine Arthrose. Schmerzen und deutliche Bewegungseinschränkungen sind die Folgen.

Inverse Schulterprothese: Verlegung des Gelenkkopfes

Stark verschlissene Sehnen und Muskeln können zu einer Scheinlähmung (Pseudoparalyse) führen, bei der der Arm schlaff herunterhängt, als wären Nerven geschädigt. In diesem Fall hilft nur noch ein spezielles Kunstgelenk, das auch ohne Rotatoren-Manschette funktioniert: die inverse Schulterprothese. Dabei wird der künstliche Gelenkkopf auf die Körperseite verlegt, während die Ersatzpfanne in den Oberarmknochen gesetzt wird. Die Verlegung des Gelenkkopfes nach innen verlagert das Drehzentrum des Gelenks nach unten und innen, sodass die Sehnen der Rotatoren-Manschette nicht mehr gebraucht werden. Ihre Funktion übernimmt der Delta-Muskel, der die Schulter bedeckt, Schulter und Arm werden wieder beweglich.

Die Operation findet unter Vollnarkose im Sitzen statt und dauert etwa 45 Minuten. Nach fünf Tagen im Krankenhaus trainieren die Patienten rund drei Wochen in der Reha, wie sie mit ihrem neuen Gelenk richtig umgehen.

Prothese besonders für ältere Menschen

Auch wenn die inverse Prothese ein großer Fortschritt ist, warnen Experten vor einem zu frühen Einsatz, denn ein Austausch dieses Kunstgelenks ist sehr kompliziert. Eine inverse Prothese ist daher vor allem für Patienten im höheren Alter geeignet. Allerdings dürfe man auch nicht ewig mit ihrem Einsatz warten, denn das nimmt Betroffenen unter Umständen viele Jahre mit einer funktionsfähigen Schulter.

Interviewpartner im Beitrag:

Priv.-Doz. Dr. Jens D. Agneskirchner
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
go:h - Gelenkchirurgie – Orthopädie Hannover
Uhlemeyerstraße 16
30175 Hannover
Tel. (0511) 89 76 55 95
Fax (0511) 89 76 55 97
Internet: www.g-o-hannover.de

Prof. Dr. Christian Krettek
FRACS, FRCSEd, Direktor
Klinik für Unfallchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel. (0511) 532 20 99
Fax (0511) 532 58 77
Internet: www.mh-hannover.de/unfallchirurgie.html

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