Sendedatum: 25.10.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Bypass-OP oft sicherer als Stents

Bei Durchblutungsstörungen am Herzen möchten die meisten Patienten eher mit einer Gefäßstütze (Stent) versorgt werden. Während diese per Katheter eingesetzt wird, muss für einen Bypass der Brustkorb geöffnet werden. Circa drei Stunden dauert der Eingriff am schlagenden Herzen. Eine große Belastung, die viele Patienten scheuen.

Operation am offenen Herzen © NDR

Bypass statt Stent?

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Wenn der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird, kann ein Stent Abhilfe schaffen. Längerfristigen Erfolg hingegen verspricht eine Bypass-Operation.

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Überraschenderweise zeigt nun die weltweit größte Vergleichsstudie beider Behandlungsmethoden: Die Überlebenszahlen bei Bypass-Patienten sind nach vier Jahren besser als bei Patienten, deren Erkrankungen mit einem Stent behandelt wurden. Zudem kommt es bei Bypass-Patienten seltener zu Herzinfarkten oder Herztod: Laut  Vergleichsstudie sind in der Stentgruppe 16 Prozent der Patienten verstorben und in der Bypass-Gruppe nur acht Prozent.

Auch wenn der Einsatz einer Gefäßstütze schonender ist, muss man anschließend darauf achten, dass sich der Stent nicht wieder verschließt. Gerade weil das Stentverfahren, direkt an einer verengten Stelle ansetzt, kann es dort zu Komplikationen kommen. Je mehr Stents eingesetzt werden, umso höher ist die Gefahr. Der Bypass wird im gesunden Bereich des Herzens angelegt und entlastet wie eine Umgehungsstraße die verengten Gefäße.

Bypass oder Stent?

Immer dann, wenn mehrere Gefäße betroffen sind, raten Herzchirurgen eher zu einer Bypass-OP, die die kranken Gefäße durch eine gesunde Arterie ersetzt. Besonders die Brustwandarterien versprechen langfristigen Erfolg, weil sich diese Gefäße nicht verschließen. Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer von Patienten, die statt mit mehreren Stents, besser mit einem Bypass versorgt wären.

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03:49 min

Stents: Eine Patientengeschichte

12.07.2011 20:15 Uhr
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Wenn der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird, kann ein Stent Abhilfe schaffen. Längerfristigen Erfolg hingegen verspricht eine Bypass-Operation. Video (03:49 min)

Für den Einsatz eines Stents gibt es klare Kriterien: Entweder es sind leichte Erkrankungen, bei denen nur ein Gefäß betroffen ist oder es handelt sich bei einem akuten Herzinfarkt, einen lebensrettenden Eingriff. Auch ältere Patienten mit einer komplexen Herzerkrankung, bekommen einen Stent, wenn ihnen aufgrund ihres Alters eine große Operation nicht mehr zuzumuten ist.

Individuelle Lösung finden

In großen Zentren wie der Hamburger Universitätsklinik beraten Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam über den besten Weg für die Patienten. Diese Versorgung ermöglicht eine individuelle Antwort für den Einzelnen.  Aber das ist längst nicht überall der Fall: In nur 10 bis 15 Prozent der 80 Herzzentren in Deutschland wird die Entscheidung für Stent oder Bypass von einem sogenannten Herzteam gefällt. Bei besserer Aufklärung würden sich mehr Patienten für einen Bypass entscheiden, glauben Experten.

Weitere Informationen

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner
Herz- und Gefäßchirurg
Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Prof. Dr. Stefan Blankenberg
Direktor Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (UHZ)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 68 00

Prof. Dr. Jochen Cremer
Herzchirurg
Direktor Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3 (Haus 18)
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 44 01
Fax (0431) 597 44 02

Autorin des Fernsehbeitrags:
Jutta Rosbach

Dieses Thema im Programm:

Visite | 25.10.2011 | 20:15 Uhr

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