Sendedatum: 26.11.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Liquid Biopsy - Bluttest enttarnt Metastasen

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Forscher untersuchen die isolierten Tumorzellen auf genetische Veränderungen, die die individuelle Therapie des Patienten beeinflussen.

Ein Bluttropfen kann mehr verraten als jedes Röntgenbild, denn lange bevor sich Metastasen eines Tumors in Darm, Lunge oder Leber ansiedeln und so groß werden, dass sie mit bloßem Auge erkennbar sind, hinterlassen sie Spuren im Blut. Eine schlichte Blutabnahme von siebeneinhalb Millilitern reicht für eine Liquid Biopsy, eine flüssige Biopsie, aus. Sie erfasst im Blut zirkulierende Tumor-DNA. So können die Ärzte Zellen entdecken, die eine Bedrohung für den Patienten sind, weil sie Metastasen in anderen Organen bilden können. Dabei haben die Tumorzellen der Metastasen aufgrund ständiger Veränderungen oft kaum noch Ähnlichkeit mit denen des Ausgangstumors.

Tumorzellen werden aus Blutprobe isoliert

Mit herkömmlichen Biopsien lassen sich Metastasen meist erst ab einer bestimmten Größe erkennen - und dann ist es oft zu spät. Im Blut zeigen sich die Tumorzellen viel früher. Mittlerweile gelingt es den Forschern, sowohl abgestorbene DNA der Krebszellen als auch lebende Tumorzellen aus der Blutbahn zu fischen. Dafür setzen sie Antikörper ein, die gegen spezifische Strukturen auf den Tumorzellen gerichtet und zugleich an kleinste Eisenpartikel gebunden sind. So lassen sich die Tumorzellen mit einem Magneten aus der Blutprobe isolieren.

Wirksamkeit der Medikamente wird geprüft

Die Forscher untersuchen die isolierten Tumorzellen auf genetische Veränderungen, die die individuelle Therapie des Patienten beeinflussen. So erkennen sie, ob sie die richtigen Medikamente einsetzen und ob die Therapie auch den gewünschten Erfolg bringt. Spricht sie nicht an, können die Ärzte dank der Liquid Biopsy schnell die Konsequenzen ziehen und eine andere Strategie verfolgen. Das erspart den Patienten auch unnötige Nebenwirkungen durch nicht oder nicht mehr wirksame Medikamente.

Eine Liquid Biopsy ließe sich viel leichter durchführen als eine Gewebeentnahme aus Tumor und Metastasen, die derzeit noch medizinischer Standard ist. Während einer Therapie Krebszellen immer wieder neu zu untersuchen, ist mit den herkömmlichen Mitteln häufig nicht vertretbar, da man nicht alle drei Monate eine Probe aus der Leber oder aus dem Gehirn entnehmen kann, um festzustellen, ob sich die Krebszellen an die Therapie anpassen und resistent werden.

Vision: Für jeden Tumor das passgenaue Medikament

Tumorbiologen arbeiten schon daran, aus dem Blut auch Erkenntnisse über das Tumorgeschehen zu gewinnen, die die Entwicklung passgenauer Medikamente für jeden Tumor ermöglichen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Die Forscher hoffen, dass sie die Liquid Biopsy in ein paar Jahren als Standardverfahren zur Wirksamkeitskontrolle der Medikamente anwenden können.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Susanna Hegewisch-Becker
Onkologin
Onkologische Schwerpunktpraxis
Eppendorfer Landstraße 42
20249 Hamburg


Prof. Dr. Klaus Pantel
Direktor Institut für Tumorbiologie
Zentrum für Experimentelle Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
E-Mail: pantel(at)uke.de

Prof. Dr. Volkmar Müller
Stellvertretender Klinikdirektor
Leiter konservative gynäkologische Onkologie
BrustZentrum am UKE
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Dieses Thema im Programm:

Visite | 26.11.2013 | 20:15 Uhr

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