Stand: 24.03.2015 14:12 Uhr  | Archiv

Zweitmeinung: Wer trägt die Kosten?

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Man hat ein Recht auf eine Zweitmeinung. Nur wer die Kosten trägt, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt.

Ist die Operation wirklich nötig? Gibt es keine andere Lösung? Gerade bei schweren Eingriffen würden viele Patienten gerne wissen, ob es Alternativen gibt. Dem eigenen Arzt zu sagen, dass man noch eine zweite Meinung hören möchte, fällt aber oft schwer. Ein möglicher Vertrauensbruch und drohende Kosten sind die Gründe dafür, dass sich die meisten Patienten lieber im Bekanntenkreis umhören und im Internet recherchieren, statt einen zweiten Arzt zu fragen. Man hat ein Recht auf eine Zweitmeinung, nur ist es gesetzlich nicht klar geregelt, ob man diesen Arztbesuch als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) selbst zahlen muss oder ob die Kasse die Kosten übernimmt.

Internetforen nicht geeignet

Internetforen zu Vor- und Nachteilen von OPs und zu verschiedenen Behandlungsmethoden liefern Hunderte von Meinungen. Verbraucherschützer empfehlen, sich lieber zu überwinden und seinem Arzt klar zu sagen, dass man eine zweite Meinung einholen will. Man hat ein Recht darauf, dass der Arzt - eventuell gegen eine kleine Aufwandsentschädigung - alle wichtigen Untersuchungsergebnisse, wie Röntgenbilder und Laborwerte aushändigt.

Was bieten die Krankenkassen an?

Bei Rücken- und Knieoperationen, aber auch bei Krebsbehandlungen bieten die Krankenkassen ihren Mitgliedern mittlerweile ein Zweitmeinungprogramm an. Kooperationen mit Fachärzten oder telefonische Beratung durch Mediziner haben alle Kassen im Programm. Aber dieses Angebot gibt es nur für ausgewählte Krankheiten, bei denen hohe Kosten entstehen, kritisieren Verbraucherschützer. Wer zu einer anderen Krankheit eine Zweitmeinung wünscht, steht im Moment oft hilflos da. Weder Ärzte noch die Vereinigungen der Kassenärzte in Hamburg und Schleswig-Holstein können die Frage nach der Kostenübernahme einer Zweitmeinung eindeutig beantworten.

Tipp: So lange das Thema rechtlich nicht klar geregelt ist, empfiehlt der Verbraucherschutz, dem zweiten Arzt nicht zu sagen, dass man eine Zweitmeinung einholen möchte, sondern einfach einen normalen Termin zu machen.

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Interviewpartner im Beitrag:

Christoph Kranich
Diplom-Pädagoge
Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen
Verbraucherzentrale Hamburg
Kirchenallee 22
20099 Hamburg
Tel. (040) 24 83 20
Fax (040) 24 83 22 90
Internet: www.vzhh.de

Dr. Nicolai Borkowski
Orthopäde
Rückenzentrum Am Michel
Ludwig-Erhard-Straße 18
20459 Hamburg
Tel . (040) 413 62 30
Fax (040) 413 62 37
Internet: www.ruecken-zentrum.de

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Visite | 24.03.2015 | 20:15 Uhr