Stand: 04.08.2015 10:17 Uhr

Zahnersatz: Welche Krone ist die richtige?

Ein Zahn, dessen Substanz stark angegriffen ist, sollte überkront werden - vor allem bei fortgeschrittener Karies oder nach einer Wurzelbehandlung ist das sinnvoll. So lassen sich die Wände erhalten und der Zahnschmelz wird geschützt. Grundvoraussetzung für eine Überkronung ist, dass Zahnhalteapparat und Zahnwurzel in Ordnung sind. Zunächst prüft der Arzt deshalb, ob der Zahn noch lebt und fest im Kiefer sitzt. Eine etwaige Entzündung an der Wurzel muss vor der Überkronung ebenso behandelt werden wie Karies an anderen Zähnen.

Bei Material und Machart der Krone gibt es große Unterschiede, die sich auf den Preis auswirken. Gesetzliche Krankenkassen zahlen für Kronen einen Festzuschuss von rund 125 Euro. Den Rest muss der Patient selbst übernehmen.

Vollgusskrone ist die preiswerteste Variante

Die günstigste Variante ist eine metallene Vollgusskrone. Sie wird mit einem Wachsmodell gefertigt, ist stabil und hält lange. Da ihre Wände sehr dünn sind, muss der Zahnarzt nur wenig Zahnsubstanz entfernen. Doch eine Metallkrone sieht nicht gerade hübsch aus und überträgt Wärme und Kälte auf den Zahn - unangenehm für Menschen mit empfindlichen Zähnen. Es gibt viele verschiedene Metalllegierungen und manche von ihnen verursachen bei empfindlichen Menschen einen metallischen Geschmack im Mund. Im sichtbaren Zahnbereich übernehmen die Kassen auch die Verblendung einer Metallkrone. Wer das im hinteren Bereich des Gebisses auch möchte, muss rund 100 Euro zusätzlich selbst bezahlen.

Bei Verblendungen auf Metallgerüst ist allerdings oft ein Metallrand sichtbar und auch mit Verblendung werden Wärme und Kälte übertragen. Da die aufgetragene Schicht die Wände der Krone dicker macht, muss der Zahnarzt bei Verblendkronen zudem mehr Zahnsubstanz abschleifen als bei der Vollgusskrone.

Eine Alternative ist die Keramikkrone

Bild vergrößern
Für eine Verkronung müssen Patienten meist zwei Termine beim Zahnarzt einplanen.

Wer Wärmeleitung und Metallrand vermeiden will, kann sich für eine Keramikkrone entscheiden. Sie ist je nach Aufwand und Material mit rund 500 bis 1.000 Euro Zusatzkosten die teuerste Variante. Auch Keramikkronen gibt es mit und ohne Verblendung. Unverblendete Keramikkronen sind aber etwas spröder und deshalb für Knirscher nicht immer geeignet.

Eine verblendete Keramikkrone ist meist teurer, aber auch stabiler und optisch schöner als die Vollkeramikkrone, denn die Verblendkeramik wird durch mehrfaches Brennen farblich an die anderen Zähne des Patienten angepasst und gehärtet. Allerdings werden die Wände dadurch auch etwas dicker - auf Kosten der Zahnsubstanz. Unverträglichkeiten kann es auch bei Keramikkronen geben, denn vor allem der Kleber, mit denen die Krone befestigt wird, kann Allergien auslösen.

Links

Vollkeramische Kronen und Brücken

Die Leitlinie „Vollkeramische Kronen und Brücken“ gibt eine Entscheidungshilfe bezüglich der prothetischen Versorgungsmöglichkeiten. extern

Normalerweise sind für eine Überkronung mindestens zwei Termine beim Zahnarzt erforderlich: Beim ersten wird der Zahn abgeschliffen, ein Abdruck genommen und ein Kunststoffprovisorium eingesetzt. Beim zweiten Termin wird dann der endgültige Zahnersatz eingesetzt. Manche Zahnärzte stellen Kronen aber auch direkt in der Praxis her.

Zweitmeinung kann Kosten vermindern

Generell sind die Kosten einer Krone von mehreren Faktoren abhängig: Material, Laborkosten und Zahnarzthonorar. Hier gibt es oft noch Spielraum, weshalb Patienten vor der Behandlung ruhig eine Zweitmeinung einholen sollten. Es gibt sogar Auktionsportale im Internet, wo Patienten das Angebot ihres Zahnarztes einstellen und andere Zahnärzte es unterbieten können.

Mit diesen Angeboten kann der Patient versuchen, den eigenen Zahnarzt herunterzuhandeln oder er kann gleich wechseln. Ob der Preisunterschied groß genug ist, tatsächlich zu einem weiter entfernten Zahnarzt zu wechseln, den man noch nicht kennt, muss jeder selbst entscheiden. In jedem Fall lohnt es sich, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen und das Bonusheft zu pflegen.

Weitere Informationen

Wie sicher sind Zahnimplantate?

Immer öfter entscheiden sich Patienten für Zahnimplantate. Experten bemängeln die Unübersichtlichkeit des Implantatmarktes. Außerdem fehlen wissenschaftliche Studien zur Qualität. mehr

Was bringen Zahnzusatzversicherungen?

Besonders bei Zahnersatz müssen Kassenpatienten kräftig draufzahlen. Abhilfe versprechen private Zusatzversicherungen. Doch braucht man sie wirklich? mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. med. dent. Günter Fritzsche
Zahnarzt, Oralchirurg
Zahnarztpraxis Colonnaden
Colonnaden 39
20354 Hamburg
Tel. (040) 41 11 31 11
Fax (040) 41 11 31 12

Christoph Kranich
Diplom-Pädagoge
Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen
Verbraucherzentrale Hamburg
Kirchenallee 22
20099 Hamburg
Tel. (040) 24 83 20
Fax (040) 24 83 22 90

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.08.2015 | 20:15 Uhr