Sendedatum: 24.09.2013 20:15 Uhr

Wie ketogene Ernährung helfen kann

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Grundlage der fettreichen Ernährung ist unter anderem Öl.

Die ketogene Ernährung ist eine fettreiche und kohlenhydratarme Ernährungsform. Dabei liegt der Fettanteil der Nahrung bei etwa 50 bis 80 Prozent. Der Anteil des Zuckers ist mit 20 bis 40 Gramm pro Tag drastisch reduziert. Für den Ernährungsplan bedeutet das: viel Fett, Eiweiß und frisches Gemüse. Wichtig ist, kohlenhydratreiche Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln und Kartoffeln sowie Süßigkeiten komplett zu meiden.

Grundlage der fettreichen Ernährung sind Fleisch und Milchprodukte: Eier, Käse, Nüsse, Fisch und Avocado. Zudem sollten bevorzugt Lein-, Hanf-, Walnuss-, Raps- und Olivenöl verwendet werden. Energiearme Kohlenhydrate finden sich in erster Linie in Gemüse. Bei der ketogenen Diät sollten daher täglich etwa 300 bis 500 Gramm Gemüse in Form von Zucchini, Mangold, Fenchel, Spinat, Brokkoli, Roter Bete, Karotten, Paprika und Gurke aufgenommen werden.

Krebszellen brauchen Zucker

Zucker und Fette sind Energielieferanten des Stoffwechsels. Der Körper bevorzugt dabei zunächst den Zucker. Gerade Krebszellen benötigen für ihre schnelle und unkontrollierte Vermehrung sehr viel Zucker. Er wirkt auf die wuchernden Zellen wie ein Brandbeschleuniger.

Hier setzt die Idee der ketogenen Ernährung an: Vor allem Süßigkeiten, Kartoffeln oder Nudeln lösen hohe Blutzuckerspitzen nach dem Essen aus und sollten von Krebspatienten gemieden werden. Sie sollten versuchen, den Blutzuckerspiegel möglichst auf niedrigem Niveau zu halten und die für den Körper notwendige Energie aus Fett zu ergänzen.

Bei Zuckerreduktion setzt ein Notprogramm ein

Wird der Zucker reduziert, schaltet der Organismus auf ein Notprogramm um und produziert in der Leber sogenannte Ketonkörper, die das Gehirn mit Energie versorgen. Experten vermuten, dass die Ketonkörper zudem die Zuckerverwertung in den Krebszellen blockieren und damit die rasche Zellteilung hemmen.

Ketogene Ernährung schont auch die Nervenzellen

Wissenschaftler der Charité in Berlin vermuten, dass die Ernährungsumstellung möglicherweise auch einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Multiplen Sklerose haben kann. Da das Gehirn seinen Energiebedarf bei einem ausreichenden Angebot an Kohlenhydraten über ihre Verwertung deckt, entstehen viele freie Radikale, die die Nervenzellen schädigen.

Mit der Umstellung auf eine fettreiche Ernährung verwerten auch Nervenzellen die Ketonkörper zur Energiegewinnung. Aus ihrer Verstoffwechslung resultieren viel weniger freie Radikale. Die ersten Ergebnisse der Studie mit 20 Patienten sind gut: Neben einer positiven Gewichtsreduktion berichten viele der Probanden über eine deutliche Zunahme ihrer geistigen Wachheit und der körperlichen Belastbarkeit. 

 

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Matthias Riedl
Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie, Ernährungsmedizin
Ärztlicher Leiter - Geschäftsführer
Medicum Hamburg GbR
Facharzt Zentrum Berliner Tor
Beim Strohhause 2, 20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax: (040) 807 97 93 00

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Friedemann Paul
Leiter der Arbeitsgemeinschaft Klinische Neuroimmunologie
NeuroCure Clinical Research Center
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
E-Mail: ncrc(at)charite.de

Dr. Markus Bock
Studienleiter
Experimental and Clinical Research Center (ECRC)
Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Buch
Lindenberger Weg 80
13125 Berlin

Dieses Thema im Programm:

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