Stand: 28.10.2014 14:48 Uhr  | Archiv

Welches Fett macht dick, welches ist gesund?

Fett macht dick und krank - so lautete früher eine Ernährungsregel. Heute weiß man: Fett ist nicht gleich Fett. Es gibt gesunde und ungesunde Fette - ein Überblick:

Lebensnotwendig: Mehrfach ungesättigtes Fett

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Lachs ist ein fettreicher Fisch.

Ungesättigte Fettsäuren sind lebensnotwendig für den Menschen. Wir können es aber selbst nicht bilden, sondern müssen es über die Nahrung aufnehmen. Es steckt zum Beispiel in Mandeln, Sesam oder fettem Seefisch. Mehrfach ungesättigtes Fett ist ein wichtiger Bestandteil all unserer Zellwände, hilft unseren Blutdruck zu steuern, sorgt für einen gesunden Cholesterinspiegel und reguliert Entzündungen im Körper. Zwei mehrfach ungesättigte Fette sind besonders wichtig.  Während die Omega-3-Fettsäuren eher entzündungshemmend wirken, sind die Abbauprodukte der Omega-6-Fettsäuren eher entzündungsfördernd. Wir brauchen daher mehr Omega 3 als 6. Um den Anteil der Omega 3-Fettsäuren in der Ernährung zu erhöhen, ist es gut, Rapsöl als Standard-Öl in der Küche zu verwenden. Außerdem sollten ab und zu fettreiche Fische wie Lachs, Makrele oder Hering auf dem Speiseplan stehen. Omega-6-Fettsäuren sind zum Beispiel im Sonnenblumenöl enthalten.

Einfach ungesättigtes Fett hilft beim Verwerten von Vitaminen

Einfach ungesättigtes Fett ist bekömmlich und wir können damit fettlösliche Vitamine besonders gut verwerten. Doch auch das einfach ungesättigte Fett können wir nicht selbst produzieren, sondern müssen es zu uns nehmen - über Olivenöl, Avocados, Nüsse oder Margarine. Margarine hatte für eine Weile einen schlechten Ruf, weil bei der Herstellung ungesunde Fette entstehen. Doch mittlerweile gibt es Entwarnung: Bei der Margarine kommt es ganz entscheidend auf die Zusammensetzung an. Wenn Rapsöl oder Sojaöl in der Zutatenliste vorkommt, hat man einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren.

Gesättigtes Fett macht hungrig auf mehr

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Gesättigtes Fett steckt vor allem in tierischen Produkten.

Gesättigtes Fett trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht, denn es macht gar nicht satt. Es macht hungrig auf mehr, denn es verstärkt den Geschmack und lässt uns viel zu viel essen. Die Folgen: Das negative LDL-Cholestrin steigt an, es kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit bedingen oder zumindest verstärken. Und es kann eine Gefäßverkalkung begünstigen. Gesättigtes Fett steckt vor allem in tierischen Produkten wie Butter, Schmalz, Sahne, Wurst, Käse und natürlich in Fleisch. Gesättigtes ist aber nicht automatisch schlechtes Fett. Unser Nervensystem braucht es als Botenstoff. Nicht die gesättigten Fettsäuren an sich sind das Problem, sondern eine zu große Menge. Wer viel Obst und Gemüse und wenig Fertigprodukte isst, der kann auch ruhig mal Butter aufs Brot schmieren und auch einen fetteren Käse auswählen.

Transfette kann Herz-Kreislauferkrankungen fördern

Zum Transfett wird ungesättigtes Fett, wenn es stark erhitzt oder industriell gehärtet wird. Es steckt in Fertigprodukten, Chips, Süßigkeiten und gilt als ungesund. Es hat einen ungünstigen Effekt auf den Blutfettstoffwechsel und kann Herz-Kreislauferkrankungen fördern.  

Wann machen Fette dick?

Grundsätzlich gilt für den Tagesbedarf: 70 Prozent ungesättigte Fette, 29 Prozent gesättigte Fette, und nur maximal ein Prozent Transfette. Für alle Fette gilt: Sie können dick machen. Aber dick macht es nur, wenn gleichzeitig mit dem Fett auch leicht lösliche Kohlenhydrate (zum Beispiel Zucker, Gebäck, Süßigkeiten, Limonade) aufgenommen werden. Dann steigt der Blutzuckerspiegel sehr stark an. Der Körper reagiert mit einer starken Insulinausschüttung, damit der Zucker wieder in die Zellen kommt und verbraucht werden kann. Gleichzeitig hat das Insulin Auswirkung auf die Fettverwertung, denn es sorgt auch dafür, dass das Fett nicht verbrannt wird, sondern in die Fettzellen eingelagert wird und gespeichert wird. Auf lange Sicht kann dies zu Übergewicht und Fettleibigkeit führen.

Interviewpartner im Beitrag:

PD Dr. Petra Algenstaedt
Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie
Privatpraxis Medicum Eppendorf
Jungfrauenthal 49
20149 Hamburg
Tel. (040) 228 53 70 50
Fax (040) 228 53 70 59
Internet: www.medicum-eppendorf.de

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Medizinische Klinik I.
Martinistraße 52
20251 Hamburg
Tel. (040) 428 03 47 55

Oec. troph. Karin Riemann-Lorenz
Ernährungsberaterin
Fachabteilung Ernährung und Lebensmittel
Verbraucherzentrale Hamburg
Tel. (040) 24 83 22 40, Fax (040) 24 83 22 90
Internet: www.vzhh.de

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Visite | 28.10.2014 | 20:15 Uhr