Stand: 12.08.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Wechsel bei Hüftprothesen: Was beachten?

Künstliche Hüftgelenke ermöglichen vielen Menschen ein aktives Leben ohne Schmerzen. Doch die Kunstgelenke nutzen sich mit der Zeit ab. Im Durchschnitt muss die Hüftprothese nach 15 bis 20 Jahren ausgetauscht werden. Wie lange ein künstliches Hüftgelenk hält, hängt unter anderem vom Prothesenmodell ab. Experten empfehlen eher etablierte Modelle, denn die Erfahrung zeigt, dass sie lange halten.

Zementierte Prothesen bei älteren Patienten

Zementierte Prothesen haben vor allem für ältere Patienten viele Vorteile: Sie halten gut, brechen seltener und erlauben eine schnellere Belastung des Gelenks. Der Ausbau zementierter Prothesen bereitet den Ärzten keine Schwierigkeiten. Bei jüngeren Patienten werden eher zementfreie Prothesen verwendet. Doch früher oder später kommt es bei allen Prothesen zu Problemen. Deshalb sollte alle drei Jahre der korrekte Sitz kontrolliert werden.

Wird eine Wechseloperation notwendig, sollte der Betroffene mit dem Austausch nicht zu lange warten: Denn eine lockere Prothese kann den Knochen schädigen und somit immer größere Prothesen erforderlich machen. Oft genügt es, nur den gelockerten Teil der Prothese zu ersetzen, also die Gelenkpfanne, das Inlay oder den Schaft mit dem Gelenkkopf.

Mit Spenderknochen Loch auffüllen

Eine Wechsel-Operation ist für den Arzt bei aller Routine eine Herausforderung: Bei der Entfernung einer gelockerten Hüftpfanne entsteht ein Loch im Knochen, das wieder aufgefüllt werden muss. In Kliniken mit einer sogenannten Knochenbank gibt es heute die Möglichkeit, den Knochen mit fremdem Knochenmaterial zu rekonstruieren. Dieses Material stammt von Patienten, die freiwillig ihren Hüftkopf gespendet haben, der beim Einbau der ersten Prothese immer entfernt werden muss.

Im Labor wird der Hüftkopf zwei Stunden hoch erhitzt, anschließend tiefgefroren und so von jeglichem fremden Gewebe befreit. Der Spenderknochen ist ein ideales Füllmaterial, da er dem eigenen Knochen des Patienten ähnelt. Die Chirurgen schneiden den Spenderknochen in Stücke oder mahlen ihn klein. Wie bei einem Rüttler im Straßenbau wird das Knochenmaterial fest in den körpereigenen Knochen eingestampft und verdichtet. Es kommt zu keiner Abstoßungsreaktion, der fremde Knochen wird zum eigenen und gibt der neuen Prothese guten Halt.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Bertram Regenbrecht
Chefarzt
Zentrum für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und Allgemeine Orthopädie
Roland Klinik Bremen gGmbH
Niedersachsendamm 72-74
28201 Bremen
Internet: www.roland-klinik.de/orthopaedie/

Im Beitrag:
Prof. Dr. Thorsten Gehrke
Orthopäde, Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin
Ärztlicher Direktor
Helios Endo-Klinik Hamburg
Holstenstraße 2
22767 Hamburg
Tel. (040) 31 97-0
Fax (040) 31 97-12 25
Internet: www.helios-kliniken.de/klinik/hamburg-endo-klinik/fachabteilungen/gelenkchirurgie

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