Stand: 29.07.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Was tun, wenn eine Kreuzotter beißt?

Mit Schlangenbissen rechnen die meisten Deutschen sicher eher bei Reisen in ferne Länder. Doch auch in der Norddeutschen Tiefebene ist eine Giftschlange heimisch: die Kreuzotter. Sie lebt am Rand von Nadelwäldern, in Mooren, Heiden und Dünen - in Norddeutschland vor allem auf Hiddensee, Rügen und rund um die Müritz.

Die streng geschützte Kreuzotter gehört zur Familie der Vipern und ernährt sich vor allem von Mäusen, Eidechsen und Fröschen. Doch auch für den Menschen ist sie nicht ungefährlich, denn ihr Gift, eine Mischung aus einem Nervengift und Faktoren, die die Blutgerinnung aktivieren, ist etwa drei Mal so stark wie das der gefürchteten Diamantklapperschlange.

Für wen ist der Biss lebensgefährlich?

Lebensgefährlich ist der Biss der Kreuzotter wegen ihres geringeren Giftvorrats aber nur für kleine Kinder, Kranke und alte Menschen. Bei einem Biss spritzt die Kreuzotter etwa zehn Milligramm ihres Giftes in die Wunde, die für einen Erwachsenen tödliche Dosis liegt bei 75 Milligramm. Der Biss selbst fühlt sich in etwa an wie der gleichzeitige Stich zweier Wespen, danach tritt rund um die Wunde eine starke, oft schmerzhafte Schwellung mit blauroter Verfärbung auf. In der Folge kann es zur Entzündung der Lymphbahnen und allgemeinen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen und Blutdruckabfall bis hin zu Kollaps und Atemproblemen kommen. Lebensbedrohliche Vergiftungen oder gar Todesfälle sind aber aufgrund der geringen Giftmenge äußerst selten.

So sieht eine Kreuzotter aus

Erkennen kann man die Kreuzotter an ihrer dunklen, gezackten Linie auf dem Rücken, einem dicken "X" auf dem Kopf und vor allem an ihren längsgeschlitzten Pupillen - einem typischen Merkmal aller giftigen Vipern. Die Schlange ist sehr scheu und versteckt sich bei Störungen meist unter dem nächsten Stein oder flieht ins Unterholz.

Gefährlich ist eine Begegnung mit der Kreuzotter vor allem morgens, denn dann ist das Tier noch kalt und kann nicht so schnell fliehen. Fühlt sich die Schlange in die Enge getrieben, warnt sie zunächst durch lautes Zischen und beißt in größter Not schließlich zu. Dann kommt es darauf an, den betroffenen Körperteil absolut ruhig zu stellen, den Körper flach zu lagern und für den Transport zum Arzt oder in die Klinik zu sorgen. Kaffee oder Tee helfen bei Kreislaufproblemen.

Wunde nicht aussaugen

Auf keinen Fall darf man die Wunde aussaugen, denn dann kann das Gift zusätzlich über die Schleimhaut und weiter im Köper verteilt werden und leichter auch in die Atemwege gelangen. Dort kann eine Schwellung lebensbedrohlich sein! Auch Abbinden und Druckverbände sind tabu.

Ein Gegengift wird bei einem Kreuzotternbiss kaum noch eingesetzt, da die Gefahr einer schweren Allergie durch das Antiserum größer sein kann als die Giftwirkung. Nur wenn sich die Schwellung innerhalb von zwei Stunden nach dem Biss über die betroffene Extremität hinaus ausbreitet und es zusätzlich zu Kreislaufproblemen kommt, wird das Antiserum gegeben.

Die Genesung nach dem Biss ist langwierig: Bis alle Beschwerden verschwunden sind, können Monate vergehen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man sich in steinigem, unübersichtlichem Gelände aufmerksam bewegen und darauf achten, wohin man tritt und greift. Festes Schuhwerk und lange Hosen bieten meist ausreichend Schutz.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Stefan Schmiedel
Facharzt für Innere Medizin, Infektiologie
Ambulanzzentrum des UKE GmbH
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Dipl.-Biol. Heinz Peper
Umweltpädagoge
Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Landesverband Hamburg e.V.
Klaus-Groth-Straße 21
20535 Hamburg
Tel. 0162-662 65 46
Internet: www.NABU-Hamburg.de, www.naju-hamburg.de (Natur-Führungen - Moor, Wald, Gewässer)

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