Stand: 03.04.2014 18:11 Uhr

Was tun, wenn Eltern zum Pflegefall werden?

Bild vergrößern
Reinhard Leopold kämpft für die Rechte pflegender Angehöriger.

Manche Pflegefälle treten von heute auf morgen ein. Andere sind im Vorwege absehbar. Die meisten Kinder sind jedoch auch nicht darauf vorbereitet, wenn ihre alten Eltern pflegebedürftig werden. Welche Vorbereitungen kann jeder von uns, für sich selbst und für Angehörige treffen? Wie lässt sich etwa für die alten Eltern ein gutes Heim finden? Was bedeutet es, selbst zu pflegen? Reinhard Leopold von der Angehörigen-Initiative "Heim-Mitwirkung" gibt nützliche und umfassende Tipps zum Thema.

Welche Schritte müssen unternommen werden, wenn klar ist, dass ein Angehöriger nicht mehr allein zurechtkommt und Pflege braucht?

Ein erster wichtiger Schritt ist die Informationsbeschaffung. Steht ein Internetzugang zur Verfügung, sollte man sich zunächst im Angebot des Gesundheitsministeriums sowie auf dem Informationsportal wege-zur-pflege.de des Familienministeriums zum Thema informieren. Persönliche Beratung können Betroffene und ihre Angehörigen bei den Pflegestützpunkten, über sogenannte Pflegelotsen, die bei der Suche nach einem Heim helfen, Selbsthilfe-Organisationen sowie bei regionalen Sozialberatungsstellen von Städten und Gemeinden finden.

Die Wohn- und Betreuungsaufsicht der Städte und Gemeinden (ehemals "Heim-Aufsicht") hat Informationen über die verschiedenen Wohn- und Betreuungseinrichtungen vor Ort. Eine Info-Sammlung zur Heim-Suche bieten wir zudem bei unserer Angehörigen-Initiative "Heim-Mitwirkung".

Wenn es eine Unterbringung im Senioren- oder Pflegeheim sein soll: Kann ich mich auf die Noten des sogenannten Pflege-TÜVs des Medizinischen Dienstes (MDK) verlassen?

Leider sind die "Pflege-Benotungen" des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) irreführend und für die Auswahl eines passenden Pflegeheims nur sehr begrenzt geeignet. Dennoch sind dort wichtige Informationen zu bekommen, wie die Entfernung zur Einrichtung, Ausstattung, Kosten und vieles andere mehr.

Mehr zum Thema

Schlechte Noten für Pflege-TÜV

Wer ein Pflegeheim für einen Angehörigen sucht, verlässt sich oft auf die Bewertungen des sogenannten Pflege-TÜV. Doch trotz Bestnoten herrschen in einigen Heimen schlimme Zustände. mehr

Es gibt darüber hinaus weitere Bewertungssysteme anderer Anbieter mit anderen Bewertungsschwerpunkten und Kriterien, zum Beispiel die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung - BIVA e.V. Das von dem Verein gegründete "Heimverzeichnis" überprüft Pflegeheime nach eigenen Kriterien zur Messung von Lebensqualität und Verbraucherfreundlichkeit. Heime, die die Überprüfung bestehen, werden mit einem "Grünen Haken" ausgezeichnet. Unter heimverzeichnis.de werden geprüfte und (noch) nicht geprüfte Heime veröffentlicht. Der Haken am "Grünen Haken": Entgegen der positiven Bewertung gab es schon Hinweise auf deutliche Probleme in den vermeintlich guten Heimen. Bewertungen sind eben nur Momentaufnahmen und können somit immer nur eine grobe Orientierungshilfe sein.

Downloads

Adressen rund um die Pflege

Webseiten, Telefonnummern und Beratungsstellen in einer PDF-Übersicht. Download (111 KB)

Ein perfektes Bewertungssystem kann es nicht geben - dazu sind auch die Erwartungen und Ansprüche der Menschen zu verschieden. Deshalb sollte sich jeder Mensch unbedingt sein eigenes Bild von mehreren Pflege-Einrichtungen machen, die eventuell infrage kommen. Erfolgen die Besuche zu Essenszeiten, kann man auch sehen, wie mit Bewohnern umgegangen wird, die beim Essen unterstützt werden müssen.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 27.04.2015 | 22:00 Uhr

Informationen zur Sendung

Kostenfalle Pflege

27.04.2015 22:00 Uhr
45 Min

Zweieinhalb Millionen Deutsche brauchen Pflege, weil sie krank sind oder dement. Das Sozialamt belangt ihre Angehörigen. Wird Pflege zur Armutsfalle für Senioren und ihre Kinder? mehr