Sendedatum: 02.10.2012 09:20 Uhr

Was tun gegen dicke Beine?

Fettansammlungen bei einem Lipödem lassen sich weder durch Diäten noch durch Sport reduzieren. Eine OP kann helfen.

Zehntausende Menschen in Deutschland leiden unter schweren, geschwollenen und schmerzenden Beinen - typischen Symptomen für ein Lymphödem oder - seltener - ein Lipödem.

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Was tun gegen dicke Beine?

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Es trifft meist Frauen: Beine und manchmal auch Arme werden immer dicker und schmerzen. Das sind typische Zeichen eines Lipödems. Helfen kann oft nur eine Operation.

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Bei einem Lymphödem tritt eiweißreiche Flüssigkeit aus den Lymphgefäßen ins Bindegewebe über und führt dort zu Schwellungen. Ursachen können zum Beispiel Unterbrechungen der Lymphbahnen durch Verletzungen oder Operationen, aber auch angeborene Schwächen der Lymphgefäße sein. Frauen sind besonders von Schwellungen der Beine betroffen, da ihr Bindegewebe dehnungsfähiger ist. Einige einfache Tipps können das Anschwellen der Beine verhindern: Langes Stehen und Sitzen sind schlecht für die Beine, daher lieber Liegen oder Laufen, das regt die Blutzirkulation an und verhindert so den Stau von Blut in den Beinen. Das Tragen von Kompressionstrümpfen fördert den Rückstrom des Blutes zum Herzen. Strümpfe mit stützender Funktion sind im Fachhandel erhältlich. Kompressionsstrümpfe werden vom Arzt oder in Sanitätsfachhäusern individuell angepasst. Treppensteigen trainiert Muskeln und Gefäße in den Beinen.

Flache Schuhe und häufiges Barfußgehen empfohlen

Experten empfehlen außerdem das Tragen flacher Schuhe und häufiges Barfußgehen. Wechselduschen der Unterschenkel und Füße mit warmem und kaltem Wasser sind ein gutes Venentraining und bringen den Kreislauf in Schwung. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Generell wird empfohlen, täglich zwei bis drei Liter Wasser oder Tee zu trinken. Bei dauerhaften Beschwerden hilft in vielen Fällen die Lymphdrainage: Eine sanfte Form der Massage mit kreisenden Bewegungen, die das Lymphsystem anregt, überschüssiges Wasser aus den Beinen abzutransportieren. Sie darf nur von ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Spezielle Griffe entlang der Lymphbahnen beschleunigen den Abfluss der Flüssigkeit, die Ödeme gehen zurück.

Lipödem: Fettvermehrung meist an Ober- und Unterschenkeln

Bei Frauen können schwere, geschwollene Beine auch durch ein Lipödem hervorgerufen werden. Dabei handelt es sich um eine umschriebene Fettvermehrung, insbesondere an Ober- und Unterschenkeln, selten auch an den Armen. Dabei breiten sich Fettzellen unkontrolliert aus, dazwischen lagert sich Wasser ab und drückt auf das umliegende Gewebe. Die Folge sind Spannungs- und Schweregefühle vor allem in den Beinen, die verstärkt abends und an heißen Tagen auftreten. Die betroffenen Stellen sind oft kühl und sehr berührungs- und druckempfindlich. Bereits nach kleinen Stößen treten Blutergüsse auf.

Bei einem zumeist schlanken Oberkörper wirken die Beine unproportioniert dick, sodass die Betroffenen stark unter der kosmetischen Beeinträchtigung leiden. Im Unterschied zur Fettleibigkeit (Adipositas) lassen sich an den betroffenen Stellen harte Knubbel tasten, während Knöchel und Handgelenke schlank bleiben.

Erkrankung verläuft in drei Stadien

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Die genauen Ursachen für ein Lipödem sind bisher nicht bekannt.

Die Fettansammlungen bei einem Lipödem lassen sich - im Gegensatz zu denen bei Übergewicht - weder durch Diäten noch durch Sport reduzieren. Die Erkrankung verläuft in drei Stadien: Im Stadium I ist die Unterhautschicht noch gleichmäßig verdickt, im Stadium II wird sie knotenförmig und führt zu Unebenheiten der Hautoberfläche. Im fortgeschrittenen Stadium III verhärtet sich das Gewebe zunehmend, es entstehen ausgeprägte Fettwülste, die im Knie- und Oberschenkelbereich zu einer Behinderung beim Gehen führen können. Die Haut kann an den betroffenen Stellen kühl sein.

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher nicht bekannt. Da die ersten Symptome meist in der Pubertät oder nach Schwangerschaften auftreten, vermuten Experten hormonelle Auslöser. Die Neigung zum Lipödem scheint vererbbar zu sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur Behandlung der Symptome und Linderung der Beschwerden wird die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie angewendet, eine Kombination aus regelmäßiger manueller Lymphdrainage, Krankengymnastik und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen. Ab Stadium II hat sich zusätzlich eine gezielte Fettabsaugung (Vibrationsliposuktion) unter Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) bewährt. Dabei saugt der Arzt die krankhaften Fettmassen unter örtlicher Betäubung mit einer sehr dünnen, abgerundeten und vibrierenden Sonde ab. So können normale Körperformen wieder hergestellt und die Beschwerden dauerhaft gelindert werden.

Zudem kann eine möglichst frühe Operation die Entwicklung gefährlicher Folgeerkrankungen wie Lymphödeme oder offene Beine verhindern. Da pro Eingriff nicht mehr als drei Liter reines Fett entfernt werden sollten, können je nach Ausmaß des Lipödems mehrere Operationen im Abstand von einigen Monaten notwendig sein.

Experten empfehlen, den Eingriff unbedingt in einer spezialisierten Klinik durchführen zu lassen, da er viel Erfahrung erfordert. Bisher übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten von mehreren Tausend Euro pro Eingriff nur in Einzelfällen.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Klaus Müller
Chefarzt

Dr. Sonja-Verena Tomschik
Assistenzärztin
Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Hand und Fußchirurgie
Asklepios Klinik Wandsbek
Alphonsstraße 14
22043 Hamburg
Tel. (040) 18 18 83 13 20
Fax (040) 18 18 83 13 25
E-Mail: kl.mueller(at)asklepios.com

Autorin des Fernsehbeitrags:
Kerstin Michaelis

 

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Visite | 02.10.2012 | 09:20 Uhr

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