Stand: 11.08.2014 14:58 Uhr  | Archiv

Was tun beim Stich vom Petermännchen?

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Gut getarnt versteckt sich das Petermännchen im Sand. Von Strandurlaubern wird es deshalb leicht übersehen.

Er versteckt sich im Sand, hat giftige Stacheln und einen harmlos klingenden Namen: der Giftfisch Petermännchen. Gelegentlich kommt es vor, dass sich Strandurlauber durch eine Berührung mit dem Fisch Vergiftungen zuziehen - meist, weil sie aus Versehen auf ein Tier treten. Diese Verletzungen sind zwar in der Regel nicht lebensgefährlich, die dadurch entstehenden Schmerzen können allerdings mehrere Wochen andauern. Zuletzt hatten Medienberichte Urlauber beunruhigt, wonach sich das Petermännchen vor allem an der niederländischen Nordseeküste rasant vermehrt habe. Für die norddeutschen Küsten gibt es - laut Experten - aber keinen Anlass zu übertriebener Sorge.

Giftinformationszentrum meldet nicht mehr Fälle als sonst

Verschiedene Arten des Petermännchens leben in der Nordsee, der westlichen Ostsee, entlang der Atlantikküste, im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Auch an norddeutschen Küsten ziehen sich Strandurlauber immer wieder schmerzhafte Verletzungen zu. Das Petermännchen ist der einzige Giftfisch, der in Norddeutschland vorkommt. An den Küsten tritt er aber in diesem Jahr bisher nicht häufiger auf als üblich auf. Andreas Schaper von der Notfall-Hotline des Giftinformationszentrums-Nord sind bislang fünf Fälle von Vergiftungen bekannt. Trotzdem sei es wichtig, zu wissen, wie man reagiert, wenn das Petermännchen zugestochen hat, sagt der Experte.

Stachel sondert bei Gefahr Gift ab

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Petermännchen verbringen den Winter in der Tiefe des Meeres. Zum Laichen kommen sie im Sommer an die Oberfläche.

Das Petermännchen gehört zu den Stachelflossern, wird bis zu 50 Zentimeter lang und besitzt an der vorderen Rückenflosse einen Stachel, mit dem es Gift absondern kann. Außerdem hat es einen giftigen Dorn am Kiemendeckel. Vor allem im Frühjahr und Sommer - während der Laichzeit - verstecken sich Petermännchen tagsüber im lockeren Sand. Oft sind nur die nach oben gerichteten Augen zu sehen, in ihrer Farbe passen sich die Fische dem Boden an. In den meisten Fällen verletzen sich Strandbesucher, weil sie aus Versehen auf ein Petermännchen treten, sagt Schaper. Der Fisch gibt, weil er sich bedroht fühlt, über den Stachel Gift ab. Solche Verletzungen passieren auch beim Waten in niedrigem Wasser, beim Schnorcheln oder bei Wattwanderungen und verursachen sofort heftige Schmerzen. Außerdem können Rötungen, Schwellungen, Blasen und ein Taubheitsgefühl dazukommen. Allergische Reaktionen bis hin zum Kreislaufkollaps sind eher selten.

Was kann man bei einer Vergiftung tun?

Das Landesamt für Gesundheit in Schleswig-Holstein rät in einem Merkblatt, die Wunde zu reinigen und zu desinfizieren. Da es sich bei dem Gift des Petermännchens überwiegend um ein hitzeempfindliches Eiweiß handelt, sollte die Einstichstelle möglichst schnell erwärmt werden. Bewährt hat sich dabei die "Temperatur-Schock-Methode", zu der auch Andreas Schaper rät. Dazu wird die betroffene Hautstelle zum Beispiel mithilfe eines Föns für einige Minuten erwärmt, möglichst ohne dabei eine Verbrennung zu verursachen. Direkt im Anschluss kühlt man die Haut mit einem Eisbeutel. Zum Erwärmen kann man im Notfall auch mit etwa einem Zentimeter Abstand die Glut einer Zigarette vor die Wunde halten und diese anschließend mit Wasser kühlen. Die meisten Patienten sind schon nach wenigen Minuten beschwerdefrei. Im Falle einer Vergiftung ist es sinnvoll, die Notfall-Hotline das Giftinformationszentrums anzurufen und sich dort Rat zu holen.