Stand: 15.09.2014 10:30 Uhr  | Archiv

Vitamin-D-Mangel begünstigt Demenz

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Der Vitamin-D-Spiegel wird mithilfe einer Blutprobe bestimmt.

Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut haben offenbar ein deutlich erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung an mehr als 1.600 Menschen in Großbritannien. Die Forscher haben über fünf Jahre Blutproben von gesunden Probanden genommen und den Vitamin-D-Spiegel bestimmt.

60 Prozent der Deutschen haben Vitamin-D-Mangel

Als normal gilt ein Vitamin-D-Spiegel von mindestens 30 Nanogramm pro Milliliter Blut. In der Studie stieg bei Werten von nur 20 Nanogramm das Demenzrisiko um 53 Prozent. Wer nur etwa zehn Nanogramm Vitamin D in einem Milliliter Blut hat, hat sogar ein um 125 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Dieser eindeutige statistische Zusammenhang überrascht selbst die Forscher und bereitet Experten in Deutschland Sorgen: Hierzulande haben mehr als 60 Prozent der Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel, bei Kindern und Jugendlichen sogar 80 Prozent.

Welche Aufgabe hat Vitamin D im Körper?

Forscher fanden heraus, dass ein optimaler Vitamin-D-Spiegel dafür sorgt, dass die Nervenzellen im Gehirn besser funktionieren, sie länger leben und stärker wachsen. Außerdem benötigen auch Fresszellen, sogenannte Makrophagen, Vitamin D. Diese sind im Gehirn unter anderem für die Beseitigung von Eiweißablagerungen (Amyloide) zuständig, die bei der Alzheimer-Krankheit gehäuft auftreten.

Bei gesunden Menschen werden die Eiweiße in demselben Maß aus dem Gehirn entfernt, in dem sie auch produziert werden. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken dagegen funktioniert der Abbau der Eiweiße nicht schnell genug. Es kommt zur Ansammlung unlöslicher Eiweißbruchstücke. Sie verklumpen zu größeren Ablagerungen, den sogenannten Amyloid-Plaques. Die Forscher nehmen an, dass ein Vitamin-D-Mangel diesen Teil des Abwehrsystems schwächt und so zu den krankhaften Prozessen beiträgt.

Vitamin-D-Spiegel vom Hausarzt überprüfen lassen

Experten empfehlen, schon frühzeitig auf den Vitamin-D-Spiegel zu achten und bei Bedarf zusätzlich Vitamin D zu sich zu nehmen, denn ein Mangel entwickelt sich über viele Jahre. Zwar produziert der Körper unter dem Einfluss von Sonnenlicht selbst Vitamin D, aber wer sich kaum draußen aufhält und wenig Milch, Käse oder fettigen Fisch isst, sollte seinen Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen und bei einem Mangel mit seinem Hausarzt über sinnvolle Maßnahmen zur Normalisierung sprechen. 

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Ann-Kathrin Meyer
Chefärztin
Abteilung für Geriatrie
Asklepios Klinik Wandsbek
Alphonsstraße 14
22043 Hamburg
Tel. (040) 18 18 83 16 60
Fax (040) 18 18 83 16 66
Internet: www.asklepios.com/wandsbek

Prof. Dr. Michael Amling
Direktor
Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Lottestraße 59
22529 Hamburg
Tel. (040) 74 10-563 73
Fax (040) 74 10-580 10
Internet: www.iobm.de

Prof. Dr. Joachim Röther
Chefarzt
Abteilung für Neurologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18 81 14 01
Fax (040) 18 18 81 49 06
Internet: www.asklepios.com/altona

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