Stand: 08.08.2016 14:50 Uhr  | Archiv

Vorsicht bei zuckerreduzierten Lebensmitteln

Es steckt in Kern- und Steinobst, Trockenfrüchte sind voll davon: Sorbit, der natürliche Zuckeralkohol des Fruchtzuckers, der vielen Früchten einen säuerlich-süßen Geschmack gibt. Auch in vielen zuckerfreien Kaugummis, Bonbons, und sogar in mancher Zahncreme ist Sorbit enthalten.

Sorbit: ein beliebter Zusatzstoff

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Zuckerfreie Kaugummis enthalten oft enorm viel Sorbit.

Das Positive an Sorbit: Es ist süß, hat aber deutlich weniger Kalorien als Haushaltszucker. Unser Körper braucht kein Insulin, um es zu verarbeiten. Kein Insulin bedeutet keine zusätzlichen Fettpolster, darum ist Sorbit in der Lebensmittelindustrie sehr beliebt. Unter den Bezeichnungen Sorbitol oder E420 mischt sie es unter Süßigkeiten und schreibt dann "zuckerfrei" auf die Packung. Sorbit bindet zudem Feuchtigkeit. Darum steckt es in vielen Fertigprodukten, etwa in industriell hergestellten Backwaren. Und: Bakterien, die Karies verursachen, schmeckt Sorbit nicht. Darum enthalten nahezu alle Produkte, die als zahngesund gelten, Sorbit als Süßungsmittel.

Nebenwirkungen von Verdauungsstörungen bis Kopfschmerz

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Zu viel Sorbit hat abführende Wirkung.

Doch zu viel Sorbit kann auch heftige Nebenwirkungen haben: Durchfall, Verstopfung, Blähungen, aber auch Abgeschlagenheit, Müdigkeit und vor allem Kopfschmerzen. Fünf Gramm können die meisten von uns pro Tag gut verdauen. So viel hat in etwa ein halber Liter Apfelsaft. Bei zehn Gramm Sorbit, also vier kleinen Trockenpflaumen, bekommen viele Menschen schon Blähungen oder Bauchweh. Und mehr als 20 Gramm Sorbit haben bei den meisten "durchschlagenden" Erfolg.

Sorbit gelangt über den Magen mit dem Nahrungsbrei in den Dünndarm. Dort wird es über die Schleimhaut aufgenommen - aber nur langsam. Wenn wir also viel Sorbit zu uns nehmen, sind die Aufnahmestellen quasi besetzt, und das Sorbit rutscht weiter bis in den Dickdarm. Dort wird es von Bakterien verstoffwechselt und in Gase verwandelt, die Blähungen verursachen. Essen wir zu viel Kernobst, etwa Kirschen oder Pflaumen, auch noch zu schnell, zieht das Sorbit viel Wasser aus den Darmzellen - und wir bekommen Durchfall. Obst oder Säfte schlagen deshalb vielen Menschen auf den Darm.

Vorsicht mit Trockenfrüchten und "Zuckerreduziertem"

Doch die wahren Sorbit-Fallen sind die vermeintlich gesunden, zuckerreduzierten Lebensmittel, warnen Experten. Erst sie bringen das Fass zum Überlaufen: morgens ein Brötchen mit einer zuckerreduzierten Marmelade, dazu ein Schälchen Früchtemüsli - dann hat man richtig schon viel Sorbit konsumiert. Trinkt man am Nachmittag noch einen Apfelsaft, isst eine Birne und ein paar Trockenfrüchte, sind Bauchschmerzen programmiert.

Nur Produkte, die mehr als zehn Prozent Sorbit enthalten, müssen mit dem Satz "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" gekennzeichnet werden. Ist weniger enthalten, muss Sorbit auf der Zutatenliste gar nicht auftauchen. Dann reicht der Vermerk "Süßungsmittel".

Atem-Test auf Sorbit-Intoleranz

So essen wir schnell mehr Sorbit, als wir vertragen. Und das kann langfristig sogar zur Intoleranz führen. Ob diese vorliegt, zeigt ein Atem-Test beim Arzt. Dafür muss man auf nüchternen Magen in ein Röhrchen pusten, dann eine sorbitreiche Flüssigkeit trinken und mehrfach wieder pusten. Gemessen wird der Anteil der Gase, die nur Dickdarmbakterien verursachen. Steigt der Wert um 20 Punkte, besteht eine Intoleranz. Sie kann nicht geheilt, aber gelindert werden: Um den Darm zu entlasten, versucht man in den ersten drei bis vier Wochen, komplett auf sorbithaltige Lebensmittel zu verzichten. Dann probiert man wieder ein paar sorbithaltige Lebensmittel, die man vorher nicht vertragen hat, um zu beobachten, ob die Toleranz schon gewachsen ist.

Um gar nicht erst in die Sorbit-Falle zu tappen, sollte man möglichst auf verarbeitetes Sorbit verzichten - besonders auf zuckerfreie Kaugummis, die oft enorm viel davon enthalten. Eine gesunde Nascherei sind dagegen von Natur aus sorbitarme Beeren.

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Interviewpartner im Beitrag

Priv.-Doz. Dr. Jutta Keller, Fachärztin für Innere Medizin, Gastroenterologie
Israelitisches Krankenhaus in Hamburg
Orchideenstieg 14, 22297 Hamburg
Tel. (040) 511 25-0, Fax (040) 511 25-50 45
Internet: www.ik-h.de
                                                                                 
Dennis Heider, examinierter Diätassistent
HealthCompany Ernährungsberatung
Falkenweg 24, 21717 Fredenbeck (bei Stade)
Internet: www.healthcompanystade.de

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Visite | 09.08.2016 | 20:15 Uhr

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