Stand: 10.06.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Was tun bei einem Karpaltunnelsyndrom?

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Der Karpaltunnel ist eine knöcherne Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Den Boden bilden die Handwurzelknochen.

27 einzelne Knochen bilden das Grundgerüst der menschlichen Hand. Ein komplexes Konstrukt aus 33 Muskeln und ihrer Sehnen und Bändern macht sie zu einem filigranen Greifwerkzeug. Da die Hände im Alltag stark beansprucht werden, können die Ursachen von Handschmerzen vielfältig sein.

Welche Symptome sind typisch für ein Karpaltunnelsyndrom?

Eine häufige Erkrankung der Hand ist das Karpaltunnelsyndrom (KTS). Typische Symptome sind dabei nächtliche und morgendliche Taubheitsgefühle und Kribbeln im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Vor allem am Daumen können auch bewegungsabhängige Schmerzen auftreten, die sich wie kleine elektrische Schläge anfühlen und sich bis in den Arm ausdehnen können.

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu einer Atrophie, einem Abbau der Muskulatur des Daumenballens kommen. Ein kräftiger Faustschluss, das Umschließen einer Flasche oder Brotschneiden sind dann nicht mehr möglich.

Die Ursache der Beschwerden liegt in einer Verengung des Karpaltunnels. Der Karpaltunnel ist eine knöcherne Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Den Boden bilden die Handwurzelknochen. Nach oben wird er begrenzt durch ein Dach aus straffem Bindegewebe, dem Karpalband. Durch den Tunnel verlaufen die Fingerbeugesehnen und der Hauptnervenstrang der Hand, der Nervus medianus.

Erhöhte manuelle Belastungen, wie zum Beispiel längeres Gehen an Unterarmgehstützen, lange Fahrradtouren oder aber auch hormonelle Veränderungen durch Schwangerschaften oder Wechseljahre sowie Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktionen, können zu einer Einengung des Kanals führen.

Ultraschalluntersuchung bringt Sicherheit

Zur Standarddiagnostik gehört die Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurographie). Dabei schickt der Neurologe über Elektroden kleine Stromimpulse durch den Arm und misst deren Weiterleitung über den Nerven. Ist diese gestört, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom. Eine zusätzliche hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Nerven gibt Sicherheit: Bei einem Karpaltunnelsyndrom ist der eingeengte Nerv angeschwollen und gut im Ultraschall erkennbar. Im Anfangsstadium der Erkrankung lassen sich die Beschwerden in der Regel gut mit konservativen Maßnahmen therapieren. 

Wie wird behandelt?

Ruhigstellende Schienen, manuelle Therapien zur Mobilisation des Bindegewebes und entzündungshemmende Tabletten oder lokale Injektionen (Spritzen) schmerzstillender oder entzündungshemmender Substanzen lindern die Beschwerden. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen kann eine Operation helfen: In einer örtlichen Betäubung wird dabei das Karpalband durchtrennt, der Karpaltunnel wird erweitert und der Nervus medianus vom Druck entlastet.

Die Operation dauert in der Regel nicht länger als 10 bis 15 Minuten. Schwierigkeiten durch das fehlende Karpalband sind danach nicht zu erwarten. Im Anschluss an die Operation erfolgt eine kurzfristige Ruhigstellung der operierten Hand.

Nicht immer ist es ein Karpaltunnelsyndrom

Aber nicht immer sind Beschwerden der Hand auf ein Karpaltunnelsyndrom zurückzuführen. Pro Jahr werden rund 300.000 Patienten wegen eines Karpaltunnelsyndroms operiert, doch bei einigen Betroffenen bleibt der Eingriff zur Entlastung des Nervs erfolglos. Ein möglicher Grund ist, dass sich hinter den Beschwerden kein Karpaltunnelsyndrom, sondern eine andere Erkrankung verbirgt, die zuvor übersehen wurde.

Zeigt die Ultraschalluntersuchung keine Einengung und Schwellung des Nervs, müssen die Symptome eine andere Ursache haben. Das kann zum Beispiel eine Autoimmunkrankheit sein, die zu Nervenentzündungen führt. Hier helfen keine Operationen sondern Tabletten: Das Medikament Lyrica lindert in einem solchen Fall die Nervenschmerzen und kann nach Abheilung der Entzündung wieder abgesetzt werden.

Auch Gelenkzysten oder verstopfte Arterien können Symptome verursachen, die den Arzt  zunächst an ein Karpaltunnelsyndrom denken lassen. Um unnötige Operation zu vermeiden, fordern Experten deshalb die Etablierung des hochauflösenden Ultraschalls in der Diagnostik und Operationsplanung des Karpaltunnelsyndroms.

Chat-Protokoll

"OP hat die besten Langzeitergebnisse"

Wann sollte bei einem Karpaltunnelsyndrom operiert werden wie lange fällt man aus? Neurochirurg Prof. Henry W. S. Schroeder hat viele weitere Fragen im Chat beantwortet. mehr

 

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Henry W. S. Schroeder
Direktor
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Universitätsmedizin Greifswald
Sauerbruchstraße
17475 Greifswald
Tel. (03834) 86 61 63
Fax (03834) 86 61 64
Internet: www.medizin.uni-greifswald.de/neuro_ch/index.php?id=19

Im Beitrag:
Dr. Klaus Brunswig
Assistenzarzt
Klinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 20 76
Fax (0451) 500 61 91
Internet: www.neurochirurgie.uni-luebeck.de

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