Stand: 22.08.2017 09:16 Uhr

Spinalkanalstenose: Übungen statt Operation

Bild vergrößern
Schmerzen beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen können auf eine Spinalkanalstenose hindeuten.

Verengungen des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenosen) treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Das wichtigste Symptom sind Rückenschmerzen beim Gehen, Stehen und aufrechten Sitzen, die beim Vornüberbeugen oder Fahrradfahren nachlassen. In einigen Fällen kommt ein sogenanntes Wirbelgleiten hinzu und verschärft die Probleme.

Phyisotherapeutin Claudia Boie zeigt das Modell einer Wirbelsäule

Spinalkanalstenose: Übungen statt Operation

Visite -

Verengungen des Rückenmarkkanals führen im Alter oft zu Rückenschmerzen. Welche Übungen können die Beschwerden lindern? Und wann ist eine Operation unvermeidbar?

4,03 bei 65 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

So entsteht eine Spinalkanalstenose

Im Spinalkanal der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark vom Gehirn bis in den Lendenbereich. Durch Verschleiß werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter, bis sie gegen das hintere Längsband der Wirbelsäule drücken, das zwischen den Bandscheiben und dem Rückenmark liegt. Das wiederum erzeugt Druck auf das Rückenmark, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule. Werden Nerven eingeklemmt, führt das zu heftigen Schmerzen.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Spinalkanalstenose

Wie kann Physiotherapie bei einem verengten Wirbelkanal helfen? Dr. Horst W. Danner hat am 22. August im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Die Ursache dafür sind knöcherne Vorsprünge an den Wirbelbögen, mit denen der Körper versucht, den Abstand zwischen den Wirbelkörpern zu halten, während die Bandscheiben immer flacher werden. Die Höcker verengen den Kanal immer weiter. Auch die stabilisierenden Bänder an der Wirbelsäule verändern sich mit der Zeit, bis sie den Wirbeln nicht mehr genügend Halt bieten können. Dadurch kommt es zu sogenannten Gleitwirbeln, die den Spinalkanal zusätzlich einengen und zu Schmerzen führen können.

Frühe Symptome: Kribbeln und Taubheitsgefühle

Neben den Schmerzen beim Gehen treten bei einer Spinalkanalstenose oft weitere Symptome auf, darunter Kribbeln, Schwäche- und Taubheitsgefühle in den Beinen, in späteren Phasen auch Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Erektionsstörungen. Ein typisches Phänomen ist, dass Schmerzen beim Zurückbeugen auftreten und die Symptome nachlassen, sobald der Rumpf nach vorn kippt und so die Wirbelsäule gedehnt wird.

Zur weiteren Diagnostik testet der Arzt einige Reflexe und tastet die Rückenmuskulatur ab, zum Ausschluss anderer Ursachen (zum Beispiel Borreliose) kann er Blut- und Nervenwasserproben ins Labor schicken. Zur Darstellung des Rückenmarks in der Wirbelsäule wird in der Regel eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt, die sowohl die Spinalkanalstenose direkt sichtbar macht, als auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln. Doch nicht immer, wenn auf den Bildern ein enger Wirbelkanal zu sehen ist, muss der Platzmangel auch der Grund für die Beschwerden sein, eine Spinalkanalstenose kann auch ohne Symptome bleiben.

Konservative Therapie: Gymnastik und Medikamente

In der Regel werden zunächst konservative Therapien eingesetzt, vor allem Krankengymnastik und Schmerzmedikamente. Ziel der Krankengymnastik ist, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu trainieren, denn starke Muskeln stabilisieren den Rücken und können die Lendenwirbelsäule entlasten. Medikamente unterstützen die Krankengymnastik, indem sie Schmerzen lindern und das Verkrampfen der Muskulatur verhindern. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Spritze mit einem Betäubungsmittel und entzündungshemmendem Kortison direkt in den Wirbelkanal Linderung bringen.

Übungen bei verengtem Rückenmarkkanal

Eine Spinalkanalstenose ist ein schleichender Prozess, der sich in vielen Fällen durch spezielles Training aufhalten lässt. Übungen können Engstellen im Wirbelkanal entlasten und erweitern. Dazu wird die Wirbelsäule aktiv aufgerichtet: Der Erkrankte stellt sich an eine Wand und kippt das Becken nach vorne, um die Lendenwirbelsäule zu begradigen. Die Position wird fünf Atemzüge lang gehalten, es folgt eine Pause von zwei Atemzügen. Diese Übung sollte mehrmals am Tag jeweils fünfmal nacheinander durchgeführt werden. Zusätzliche Entlastung können ein gezieltes Aufbautraining der Rückenmuskulatur, Entspannungsverfahren und eine Elektrotherapie bringen.

Wann eine Operation nötig ist

Eine Operation wird erst empfohlen, wenn sich die Schmerzen mit konservativen Maßnahmen nicht mehr lindern lassen, Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang auftreten. Dabei sollte der Arzt nicht allein nach Röntgenaufnahmen entscheiden, sondern nach den tatsächlichen Beschwerden. Nicht selten sehen die Röntgenbilder schlimm aus, aber die Erkrankten haben kaum Beschwerden. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie groß der Leidensdruck des Erkrankten ist und ob Nerven gefährdet sind.

Versteifung der Gleitwirbel meist nicht sinnvoll

Zusätzlich zur operativen Aufweitung des Spinalkanals schlagen viele Ärzte eine Versteifung der Gleitwirbel mithilfe von Schrauben vor. Doch Experten warnen, dass die Fixierung mit Schrauben häufig eher Nachteile als Vorteile bringt. Die Operation ist aufwendiger und riskanter, als nur den Spinalkanal zu weiten. Allein das Platzieren der Schrauben birgt das Risiko einer Schraubenfehllage, die eine Nervenwurzel schädigen kann. Zudem ist der Krankenhausaufenthalt länger und die Kosten des Eingriffs sind höher - ohne zusätzlichen Nutzen. Denn ein Gleitwirbel kann, muss aber nicht die Ursache für eine Spinalkanalstenose sein.

Sinnvoller ist es, zunächst nur die Enge im Spinalkanal zu beseitigen und die Gleitwirbel nicht anzutasten. Sollten nach der unkomplizierteren Operation doch noch Beschwerden auftreten, lässt sich die Versteifung in einem zweiten Schritt nachholen. Im Zweifel sollten Betroffene vor der Operation eine Zweitmeinung bei einem Spezialisten einholen.

Alltagstipps für Betroffene

  • Fahren Sie Fahrrad, das verschafft Ihren Nerven wieder mehr Platz.
  • Setzen Sie sich hin und beugen Sie sich nach vorn, wenn unterwegs der Rücken schmerzt und die Beine nicht mehr weiter wollen.
  • Bleiben Sie sportlich aktiv, denn die Bauch- und Rückenmuskeln stützen Ihre Wirbelsäule. Untrainierte Muskeln führen dagegen zu Verspannungen und neuen Rückenschmerzen, die mit der Stenose gar nichts zu tun haben.

Weitere Informationen
05:06

Interview: Spinalkanalstenose

22.08.2017 20:15 Uhr
Visite

Verengungen des Rückenmarkkanals führen im Alter oft zu Rückenschmerzen. Orthopäde Dr. Horst Danner gibt Tipps zu Diagnose und Behandlung. Video (05:06 min)

mit Video

Wenn die Brustwirbelsäule Probleme macht

Schmerzen im oberen Rücken beruhen häufig auf Störungen der Brustwirbelsäule, etwa Muskelverhärtungen oder Blockaden. Erfahrene Ärzte können sie ertasten und auflösen. mehr

mit Video

Rückenschmerzen: Übungen statt Tabletten

Bei Rückenschmerzen hilft Bewegung oft besser als Tabletten oder eine Operation. Die Übungen stärken die Muskeln an Bauch und Rücken. Worauf müssen Betroffene achten? mehr

mit Video

Was tun bei einem Hexenschuss?

Ein Hexenschuss führt zu heftigen Rückenschmerzen. Wie kann man die Beschwerden lindern, einen Rückfall vermeiden und chronischen Rückenleiden vorbeugen? mehr

Rückenschmerzen: Wenn es das ISG-Syndrom ist

Schmerzen im unteren Rücken kommen häufig vor. Oft ist ein blockiertes oder entzündetes Iliosakralgelenk die Ursache. Eine manuelle Therapie kann in vielen Fällen helfen. mehr

mit Video

Bandscheibenvorfall: Wann und wie operieren?

Beim Bandscheibenvorfall wird oft zu früh operiert. Doch nur in wenigen Fällen ist eine Operation sinnvoll. Welche Therapien empfehlen Ärzte heute? mehr

Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Dr. Horst W. Danner, Leitender Arzt
Ambulante Orthopädische Rehabilitation
RehaCentrum Hamburg
Heidenkampsweg 41, 20097 Hamburg
Tel. (040) 25 30 63-0, Fax (040) 25 30 63-99
Internet: www.rehahamburg.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Thomas Eger, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Sportmedizin, Osteologie
Möserstraße 52-54, 49074 Osnabrück
Tel. (0541) 33 01 60, Fax (0541) 330 16 16
Internet: www.dr-eger-os.de

Prof. Dr. Veit Rohde, Direktor
Neurochirurgische Klinik
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität 
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Tel. (0551) 39 660 33, Fax (0551) 39 87 94
Internet: www.neurochirurgie-uni-goettingen.de

Claudia Boie, Physiotherapeutin
Vitalis - Praxis für Krankengymnastik
Bühlstraße 34, 37073 Göttingen
Tel. (0551) 477 04
Internet: www.praxis-vitalis.de

Weitere Informationen:
Deutsche Schmerzliga e.V.
Adenauerallee 18, 61440 Oberursel
Tel. (06171) 28 60-53 (Mo, Mi, Fr 9-11 Uhr), Fax (06171) 28 60-59
Internet: www.schmerzliga.de

Deutsche Wirbelsäulengesellschaft e.V.
Internet:www.dwg.org
Zweitmeinungsportal im Internet

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.08.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

07:21

Weihnachtsbaum im Kleinformat

07.12.2017 16:20 Uhr
NDR Fernsehen
07:43

Elegante Mode zum Weihnachtsfest

07.12.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
01:02

Winter-Deko: Weidenzaun selbst flechten

07.12.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag