Stand: 26.08.2014 20:15 Uhr

Schulterschmerzen: Physiotherapie statt OP

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Anziehen, Haare waschen oder Sport: Obwohl es kein Körpergewicht tragen muss, ist das Schultergelenk häufig Belastungen ausgesetzt.

Die Schulter ist unser mobilstes, aber auch anfälligstes Gelenk. Jeder zehnte Mensch leidet früher oder später unter Schmerzen im Bereich der Schulter. Chronische Schulterschmerzen bis hin zur steifen Schulter könne Folgen von Entzündungen, Verschleiß oder Verletzungen sein. Auch eine eingeengte Schulter (Impingement) oder eine sogenannte Kalkschulter können starke Schmerzen verursachen.

Schmerzen durch muskuläres Ungleichgewicht

Unsere Vorfahren kannten keine Schulterprobleme, denn solange sie auf allen Vieren gingen, hatten sie eine starke Rückenmuskulatur, die die Schulter hinten zusammenhielt. Mit dem aufrechten Gang verkümmerte die Muskulatur aber immer mehr. Die meisten Menschen haben heute deshalb eine Fehlhaltung. Die Ursache ist meist ein muskuläres Ungleichgewicht: Denn im Alltag benutzen wir unsere Rückenmuskulatur kaum.

Beschwerden durch Schulterenge

Weil wir unsere Arme viel vor dem Körper oder dem Kopf halten, werden bestimmte Muskeln stark trainiert. Diese ziehen das Schulterdach nach vorne, dadurch kann es darunter eng werden: Die Muskeln und der Schleimbeutel zwischen Knochen und Muskel werden eingeengt. Schmerzen sind die Folge. Mit der Zeit kann sich der Schleimbeutel entzünden: Die Reibung und der Schmerz werden schlimmer.

Mit der Kernspintomographie ist das oft nicht eindeutig zu erkennen, weil im Schulterbereich viele Muskeln, Sehnen und Bänder sehr eng zusammenliegen. Experten empfehlen daher eine Diagnostik per Ultraschall - und vor allem eine gründliche Untersuchung: Mit ein paar einfachen Handgriffen kann der Arzt die Beweglichkeit der Schulter überprüfen und die Ursache der Beschwerden herausfinden.

Regelmäßiges Training wichtig

Eine Fehlhaltung lässt sich oft mit krankengymnastischen Übungen korrigieren. Dabei gilt es, die verkümmerte Rückenmuskulatur wieder aufzubauen. Besonders wichtig sind tägliches Training und sich im Alltag immer wieder bewusst aufzurichten - sonst fällt der Körper immer wieder in die alte Fehlhaltung zurück. Und man muss Geduld haben: Es kann Wochen bis Monate dauern, bis der Schmerz verschwindet. Um die Entzündung des Schleimbeutels rasch zu lindern, können Kortisonspritzen helfen.

Eine andere Ursache für Schulterschmerzen kann eine "lockere Schulter" sein. Bei Betroffenen sind die Bänder und die Kapsel in der Schulter relativ locker. Dadurch hat das Gelenk zwar sehr viel Platz und die Schulter kann sich in alle Richtungen bewegen. Doch Ungleichgewichte der Muskulatur, zum Beispiel durch zu starkes Krafttraining, wirken sich bei der lockeren Schulter besonders stark aus: Die trainierten Muskeln können das Schulterdach extrem nach vorne ziehen, sodass eine Einengung entsteht, sich der Schleimbeutel entzündet und die Schulter schmerzt.

Wann muss operiert werden?

In den meisten Fällen kann man bei Schmerzen durch Schulterenge auf eine Operation verzichten - wenn man eine gute und konsequente Physiotherapie bekommt. Dabei gilt es die schwachen Muskeln aufzubauen, ohne die starken, eine Fehlhaltung begünstigenden Muskeln mit zu trainieren.

Links

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Informationsportal mit hilfreichen und verständlichen Informationen rund um Schultererkrankungen und Schulterverletzungen. extern

Helfen bei Schulterschmerzen Physiotherapie, Kortisonspritzen oder Schonung gar nicht, kann es ein, dass ein chronisch entzündeter Schleimbeutel operativ entfernt werden muss. Sonst besteht die Gefahr, dass die schmerzende Schulter durch eine ständige Schonhaltung immer mehr versteift. Nach dem Eingriff wächst ein neuer Schleimbeutel in der Regel nach und die Schmerzen verschwinden.

Übungen gegen Schulterbeschwerden

1. Schulterblätter nach hinten-unten ziehen und zehn Sekunden halten, zehn Wiederholungen.
2. Im Stehen oder Sitzen ein um die Türklinke geschlungenes Theraband mit beiden Händen bei herunterhängenden Armen fassen und langsam nach hinten ziehen, langsam nachlassen. Dabei Schultern ebenfalls nach hinten halten. Übung mindestens drei Minuten wiederholen.
3. Das Theraband in beiden Händen fassen - bei rechtwinklig gebeugtem Ellenbogengelenk. Mit an die Seite gedrückten Ellenbogen Arme langsam gegen den Widerstand des Therabandes nach außen ziehen und genauso langsam wieder zurückführen. Dabei ebenfalls Schultern nach hinten ziehen. Die Übung mindestens drei Minuten durchführen.

Interviewpartner

Im Studio:
Antje-Kathrin Naujoks
Leitung Physiotherapie
Zentrum für Endoprothetik, Fußchirurgie, Kinder- und allgemeine Orthopädie
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72-74
28201 Bremen
Tel. (0421) 877 81 77
E-Mail: pt@roland-klinik.de
Internet: www.roland-klinik.de

Im Beitrag:
Dr. Hans-Gerd Pieper
Zentrum für Schulterchirurgie, Arthroskopische Chirurgie und Sporttraumatologie
Roland-Klinik gGmbH
Niedersachsendamm 72-74
28201 Bremen

Ab 1. Oktober 2014:
Leiter Department  Schulter-, Ellenbogenchirurgie und Sporttraumatologie
Paracelsus-Klinik Bremen
In der Vahr 65, 28329 Bremen
Tel. (0421) 46 83 57 08
Internet: www.paracelsus-kliniken.de/bremen

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