Stand: 20.02.2017 16:27 Uhr

Schlaganfall: Umfassende Nachsorge wichtig

Viele Menschen, die einen Schlaganfall überleben, fühlen sich anschließend mit ihrer Krankheit allein gelassen, einige leiden an Depressionen. Dabei brauchen sie eine strukturierte Nachsorge: Information, Motivation und soziale Kontakte. Wichtig ist nicht nur die Akutversorgung in einer spezialisierten Stroke Unit, sondern auch ein langfristiges Behandlungskonzept.

Ein Schlaganfallpatient wird in das MRT gefahren

Schlaganfall: Umfassende Nachsorge wichtig

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Nach einem Schlaganfall fühlen sich viele Betroffene alleingelassen. Die Familie ist überfordert, Ärzte haben lange Wartezeiten. Selbsthilfegruppen können helfen.

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Schnell mit der Reha beginnen

Nach einem Schlaganfall bleiben oft Lähmungen, Wahrnehmungs- und Sprechstörungen zurück. Um Langzeitschäden so gering wie möglich zu halten, sollte möglichst schon in den ersten Tagen in der Klinik mit Reha-Maßnahmen begonnen werden. Oft treten zum Beispiel gefährliche Schluckstörungen auf, die in der Frühphase erkannt und behandelt werden müssen. Doch auf einen Reha-Platz müssen viele Betroffene lange warten. Nach Ansicht von Experten kann sich das Gehirn in den ersten drei Monaten nach dem Schlaganfall am besten regenerieren.

Stationäre Reha oft empfehlenswert

Nach der Akuttherapie in der Klinik haben Betroffene in der Regel Anspruch auf eine Anschlussbehandlung. Ob diese stationär oder ambulant erfolgt, entscheidet der medizinische Dienst der Krankenkassen auf Grundlage der ärztlichen Berichte. Häufig wird eine stationäre Behandlung empfohlen. Die Gründe:

  • Viele Betroffene erleiden nach der Akutversorgung einen erneuten Schlaganfall.
  • Häufig auftretende Hirnleistungsstörungen werden in einer ambulanten Reha oft nicht erkannt oder nur unzureichend behandelt.

Bei den Hirnleistungsstörungen handelt es sich häufig um Aufmerksamkeits-, Merkfähigkeits- und vor allem Kurzzeitgedächtnisstörungen sowie ein verlangsamtes Reaktionsvermögen.

Elemente einer langfristigen Therapie

Die Dauer der Rehabilitation sollte sich nach der Schwere der Beeinträchtigungen richten. Viele Betroffene fühlen sich im Alltag überfordert, zum Beispiel mit organisatorischen Dingen. Auch Partner, Kinder und Freunde verhalten sich oft falsch, indem sie Betroffenen zu schnell Dinge abnehmen - aus Hilfsbereitschaft oder Ungeduld. Oft vergehen nach einem Schlaganfall viele Monate, bis der Alltag wieder funktioniert. Viele Betroffene kommen dabei nur in kleinen Schritten voran. Wichtige Elemente einer Therapie sind:

  • In der ersten Phase zu Hause können Psychotherapie und Antidepressiva helfen, Existenzängste und Depressionen zu reduzieren. Die Medikamente enthalten Wirkstoffe, die sich in der Behandlung von Schlaganfällen bewährt haben: Sogenannte Serotoninwiederaufnahmehemmer helfen gegen Depressionen und fördern die motorische Rehabilitation.
  • Eine Physiotherapie ist entscheidend für die Wiederherstellung der motorischen Fähigkeiten: Der Arzt kann nach einem Schlaganfall innerhalb eines Jahres maximal 30 Mal Krankengymnastik verschreiben. Darüber hinaus müsste der Arzt einen Antrag bei der Krankenkasse mit besonderer Begründung stellen. Betroffene sollten täglich selbst üben, zu Hause oder im Sportverein.
  • Auch die Aufmerksamkeit und Konzentration sollten trainiert werden, damit Betroffene wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Viele Selbsthilfegruppen bieten entsprechende Übungsgruppen an.

Neurologin Dr. Gabriele Bender im Visite-Gespräch

Interview: Nachsorge bei Schlaganfall

Visite -

Welche Therapien sind nach einem Schlaganfall wichtig? Wann sind Anti-Depressiva sinnvoll? Wo findet man Ansprechpartner? Dr. Gabriele Bender gibt Tipps.

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Weitere Informationen

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Meist kommt er plötzlich und oft ist er lebensgefährlich: der Schlaganfall. Akute Lähmungserscheinungen, Seh- oder Sprachstörungen sind die Folgen. mehr

Interviewpartner

Interviewpartnerin im Studio:
Dr. Gabriele Bender
Ärztliche Direktorin und
Leitende Ärztin der Neurologie
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66, 220246 Hamburg
Tel. (040) 25 30 63-0, Fax (040) 25 30 63-399
E-Mail: neurologie@rehahamburg.de
Internet: www.rehahamburg.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Günter Seidel, Neurologe
Chefarzt Klinik für Neurologie mit überregionaler Stroke Unit und neurologischer Frührehabilitation
Asklepios Klinik Nord – Heidberg
Tangstedter Landstraße 400, 22417 Hamburg
Tel. (040) 18 18 87-30 76
Internet: www.asklepios.com

Maike Krause, Ergotherapeutin
Exerzierplatz 34, 24103 Kiel
Internet: www.ergotherapie-exer.de

Weitere Informationen:
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Schulstraße 22, 33311 Gütersloh
Tel. (05241) 97 70-0, Fax (05241) 97 70-777
E-Mail: info@schlaganfall-hilfe.de
Internet:www.schlaganfall-hilfe.de

Patientenpass zum Herunterladen:
Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Kompetenznetz Schlaganfall
Internet: www.kompetenznetz-schlaganfall.de

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Reinhardtstraße 27c, 10117 Berlin
Tel. (030) 531 437-931, Fax (030) 531 437-939
Internet: www.dsg-info.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.02.2017 | 20:15 Uhr

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