Stand: 08.12.2015 11:32 Uhr

Sauna - Schwitzen für die Gesundheit

Es ist heißer als in den Tropen, der Schweiß läuft in Strömen, Herz und Kreislauf sind auf Hochtouren - auf den ersten Blick scheint ein Saunagang nichts für Menschen mit einem schwachen Herzen zu sein. Doch Studien zeigen, dass regelmäßiges Saunieren die Gesundheit auch dieser Patienten fördert. Der Wechsel von trocken-heißer Luft und anschließender Abkühlung übt auf den Körper einen starken Reiz aus, der alle Organsysteme anregt, den Stoffwechsel auf Hochtouren bringt und die Muskeln entspannt.

Frauen beim Aufguss in der Sauna © Fotolia.com Fotograf: Rolf Richter

Sauna ist gut fürs Herz

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Wer regelmäßig in der Sauna schwitzt, stärkt die Abwehrkräfte und beugt sogar einem Herzinfarkt vor. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus Finnland.

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Abwehrstoffe werden gebildet

Innerhalb kurzer Zeit kommt es zu einem Temperaturanstieg des Körpers: Auf der Haut steigt die Temperatur um etwa zehn Grad an. Im Körperinneren beträgt dieser Anstieg "nur" zwei Grad, aber das ist für den Körperkern bereits ganz schön viel, denn die Temperatur steigt so auf etwa 38,5 bis 39 Grad. Dieser fieberähnliche Zustand regt das Immunsystem an, Abwehrstoffe zu bilden. Gleichzeitig beginnt das Herz als Reaktion auf den Hitzereiz deutlich mehr Blut durch den Körper zu pumpen, die Durchblutung nimmt zu. Aufgrund der hohen Temperaturen weiten sich auch die Gefäße, sodass der Blutdruck erst einmal sinkt. Kühlt man sich ab, ziehen sich die Blutgefäße wieder zusammen, der Blutdruck steigt. Patienten mit hohem Blutdruck sollten deshalb auf das eiskalte Tauchbad verzichten und sich mit kalten Güssen unter der Dusche oder an der frischen Luft abkühlen. Eine aktuelle Studie aus Finnland zeigt, dass regelmäßige Saunagänge sogar vor Herzinfarkt schützen können.

Saunagang auch bei Herzschwäche möglich

In einer japanischen Studie wurden 41 Patienten mit einer chronischen Herzschwäche drei Wochen lang an jeweils fünf Tagen in eine Infrarot-Sauna geschickt, mit erstaunlichem Erfolg: Nach drei Wochen stellten die Forscher bei den Teilnehmern eine deutliche Verbesserung ihrer Belastungsfähigkeit fest. Auch der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen, denn wenn Patienten mit einer Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt wieder in die Sauna gehen, bedeutet das, dass sie sich und ihrem Körper wieder etwas zutrauen.

Temperatur darf nicht zu hoch sein

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Regelmäßige Saunagänge schützen vor einem Herzinfarkt und können Infekten vorbeugen.

Doch nicht jeder Sauna-Typ ist für herzschwache Menschen geeignet: Die finnische Sauna mit ihren sehr hohen Temperaturen (circa 100 Grad) kann für Menschen mit einer Herzkrankheit zu belastend sein, so die Ärzte. Sie sollten lieber Saunen mit niedrigeren Temperaturen (50 bis 70 Grad) aufsuchen. Mit regelmäßigen Saunagängen kann man gerade in Herbst und Winter sogar einem Infekt vorbeugen. Wer bereits unter einer Erkältung leidet, sollte den Saunagang aber aufschieben, bis die Symptome abgeklungen sind.

So saunieren Sie richtig

  • Die Entspannung zum Stressabbau ist ein ganz wichtiger Faktor, deshalb sollte man in der Sauna möglichst nicht reden. Das gleichmäßige, ruhige Atmen ist gut für die Bronchien, vor allem in Kombination mit Aufgüssen. Sie enthalten ätherische Öle und fördern die Durchblutung der Schleimhäute.

  • Kein falscher Ehrgeiz: Lassen Sie es langsam angehen. Je höher die Temperatur der Sauna ist, desto weniger Zeit sollte man darin verbringen. 6 bis 15 Minuten pro Saunagang sind völlig ausreichend. Die absolute Temperatur ist dabei nicht entscheidend, ausschlaggebend ist das Wohlbefinden des Einzelnen. Man sollte immer nur so lange in der Sauna bleiben, wie man sich wohlfühlt. Anfänger sollten zudem eher mit niedrigen Temperaturen und auf der unteren Sitzreihe anfangen. Ganz wichtig: Die letzte Minute des Saunagangs immer sitzen, damit sich der Kreislauf auf das Aufstehen vorbereiten kann.

  • Ebenso wichtig ist das richtige Abkühlen. Nach dem Schwitzen braucht der Körper Sauerstoff, deshalb sollte man aus der Sauna erst einmal für ein paar Minuten an die frische Luft gehen und erst dann ins Tauchbecken oder unter die kalte Dusche. Bei der Abkühlung ist es wichtig, herzfern anzufangen: vom rechten Fuß bis hoch zum Becken, dann links hoch zum Becken, rechter Arm, linker Arm und erst dann den Oberkörper. So kann das Blut wieder richtig zirkulieren. Wer dagegen von oben nach unten kühlt, riskiert einen Kreislaufkollaps.

  • Nach der Abkühlung braucht der Körper 20 bis 30 Minuten absolute Ruhe - Füße hoch im Ruheraum oder auf die Massagebank. Zwar kann die Wärme allein keine Verspannungen lösen, aber sie sorgt für eine bessere Durchblutung der Muskulatur und lässt uns zur Ruhe kommen: beste Vorbedingungen für den Masseur, um tiefsitzende Verspannungen im Nacken und Schulterbereich lösen zu können.

Interviewpartner im Beitrag

Prof. Dr. Christian Holubarsch
Ärtzlicher Direktor
Kliniken Lazariterhof und Baden, Kardiologie
Park-Klinikum Bad Krozingen
Herbert-Hellmann-Allee 38
79189 Bad Krozingen
E-Mail: c.holubarsch@park-klinikum.de
Internet: www.park-klinikum.de/kliniken/klinik-lazariterhof-kardiologie

Dr. Johannes Naumann
Facharzt für Innere Medizin und für Hygiene und Umweltmedizin, Zusatzbezeichnungen für physikalische Therapien und Balneologie, Naturheilverfahren
Interdisziplinäre Behandlungs- und Forschungszentrum (IBF) Balneologie des Universitätsklinikums Freiburg, Standort Bad Krozingen
Herbert-Hellmann-Allee 12
79189 Bad Krozingen
Internet: www.uniklinik-freiburg.de/iuk/balneologie.html

Dr. Norbert Henke
Chefarzt
Innere Medizin - Kardiologie
Helios Rehaklinik Damp
Seute-Deern-Ring 30
24351 Ostseebad Damp
Internet: www.helios-kliniken.de/klinik/damp-rehaklinik/fachabteilungen/innere-medizin-kardiologie.html

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.12.2015 | 20:15 Uhr

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