Stand: 31.03.2015 11:53 Uhr  | Archiv

Rückenschmerzen: Röntgen oft überflüssig

Bild vergrößern
Häufig verlassen sich Ärzte nur auf Röntgenbilder.

Wer mit Rückenschmerzen zum Arzt geht, wird oft recht schnell zum Röntgen geschickt. Doch nun zeigt eine neue Studie, dass Röntgen- und auch CT- oder MRT-Bilder viel zu oft und viel zu früh gemacht werden: In den ersten sechs Wochen nach Auftreten der Beschwerden ist eine bildgebende Diagnostik meist überflüssig und unnötig belastend für den Patienten. Und oft schadet sie sogar, wenn der Arzt aus den Bildern falsche Schlüsse zieht. Bei 100 kerngesunden Menschen ohne Rückenschmerzen zeigen sich im MRT rund 30 Bandscheibenvorfälle, die keinerlei Beschwerden verursachen.

Und doch glauben viele Ärzte und Patienten eher den Bildern als dem tatsächlichen Befund - und so kommt es viel zu häufig zu unnötigen Operationen. Nicht selten verspürt ein Patient nach dem Betrachten der Bilder auch plötzlich Schmerzen, die er vorher gar nicht hatte. Auf den immer feiner aufgelösten CT-Bildern zum Beispiel kann der Arzt Schäden entdecken, die dem Patienten gar keine Beschwerden bereiten und die deshalb auch nicht operativ behoben werden müssen.

Bewegung und Physiotherapie häufig ausreichend

Experten mahnen immer wieder, dass es bei der Behandlung nicht darum gehe, das Röntgenbild zu "verschönern", sondern den Patienten von seinen Beschwerden zu befreien. Das gilt ganz besonders für Rückenschmerzen, denn die verschwinden nach zwei bis vier Wochen häufig von allein. Mehr Bewegung und Physiotherapie sind dabei in der Regel entscheidend. Einem guten Orthopäden genügen meist seine Augen, Ohren und Hände, um in den allermeisten Fällen zur richtigen Diagnose und Therapie zu kommen. Dafür muss er sich nur die Beschwerden genau beschreiben lassen, den Patienten bei der Bewegung beobachten und den Körper nach Verspannungen abtasten.

Erst wenn die Beschwerden länger andauern, sollte eine bildgebende Diagnostik durchgeführt werden. Ausnahmen von dieser Regel sind nur Verletzungen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen. In diesen Fällen muss der Arzt sofort ein Bild erstellen lassen.

Weitere Informationen

Rückenschmerzen: Warnzeichen wichtig

Schmerzen im Rücken können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Wie lässt sich Rückenschmerz mit eher harmloser Ursache von Beschwerden mit ernstzunehmendem Grund unterscheiden? mehr

mit Video

Rückenschmerzen: Übungen statt Tabletten

Bei Rückenschmerzen hilft Bewegung oft besser als Tabletten oder eine Operation. Die Übungen stärken die Muskeln an Bauch und Rücken. Worauf müssen Betroffene achten? mehr

Kreuzschmerzen: Wenn es das ISG-Syndrom ist

Schmerzen im unteren Rücken kommen häufig vor. Oft ist ein blockiertes oder entzündetes Iliosakralgelenk die Ursache. Eine manuelle Therapie kann in vielen Fällen helfen. mehr

Interviewpartner

Dr. Christoph J. Bäumer D.O. (EROP/DAAO)
Orthopäde, Diplom-Osteopath, Arzt für Osteologie und Spezielle Schmerztherapie, Akupunktur (TCM und YNSA), Sportmedizin und Chirotherapie
Centrum für Orthopädie und Schmerztherapie Blankenese
Dockenhudener Straße 27
22587 Hamburg
Tel. (040) 866 93 10
Fax (040) 86 69 31-11
Internet: www.orthopaede-hamburg.de

Dr. Horst Danner
Leitender Arzt der Ambulanten Orthopädischen Rehabilitation
RehaCentrum Hamburg
Heidenkampsweg 41
20097 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Internet: www.rehahamburg.de

Dr. Kai Höfken
Orthopäde
Orthopädie Mühlenkamp
Mühlenkamp 33a
22303 Hamburg
Tel. (040) 278 39 90
Fax (040) 27 83 99 50
Internet: www.orthopaedie-hamburg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 31.03.2015 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

09:17
09:21

Geschnetzeltes vom Damwild mit Pilzen

20.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
05:58

Universalmesser im Praxistest

20.11.2017 20:15 Uhr
Markt