Sendedatum: 10.03.2014 21:00 Uhr  | Archiv

Risiko Rücken: Wie hilfreich sind Rückenoperationen?

Mehr als 730.000 Menschen landen jedes Jahr auf dem OP-Tisch, um sich am Rücken operieren zu lassen. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen verdoppelt - mit großen regionalen Unterschieden. So kommt der Rücken in Schleswig-Holstein etwa zwei Mal so häufig unters Messer wie in Bremen. Dabei hat eine Studie der Techniker Krankenkasse gezeigt, "dass in 87 Prozent der Fälle, in denen die Patienten von ihren Orthopäden Rückenoperationen empfohlen bekommen haben, andere Experten gesagt haben, dass die OP da sinnlos gewesen wäre", erklärt der Wissenschaftsjournalist Frank Wittig.

Exzisionen

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Die Bandscheiben können zum Problem werden.

Bei dieser Operation wird überstehendes Bandscheibengewebe weggeschnitten, zum Beispiel nach einem Bandscheibenvorfall. Laut Frank Wittig sind mehr als 150.000 Exzisionen pro Jahr unnötig. Denn die OP-Notwendigkeit bei einem Bandscheibenvorfall gibt es nach Meinung von Orthopäde Dr. Joachim Mallwitz nur bei einem schweren neurologischen Defizit. Dazu kommt, dass die meisten Rückenbeschwerden eine psychische Komponente haben.

Wirbelkörperversteifung

Ein Eingriff bei chronischen Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfällen. Dabei werden mehrere Wirbel mit Stangen oder Metallplatten zusammengeschraubt, damit sie sich nicht mehr bewegen können. Die Idee ist: Stabilität tut nicht weh. Man weiß aber mittlerweile, dass diese Operation keinen Vorteil im Vergleich zur multimodalen Schmerztherapie darstellt. Und noch schlimmer: Sechs Prozent der versteiften Patienten müssen noch einmal unters Messer, weil es Komplikationen gibt.

Osteoporose

Bei der sogenannten Vertebroplastie wird der kaputte Wirbel mit Knochenzement gefüllt - so soll er wieder hart und stabil werden. Tatsächlich brechen bei 30 Prozent der Patienten die benachbarten Wirbel. Außerdem ergab schon vor drei Jahren eine renommierte Studie aus den USA, dass eine Vertebroplastie keinen nachweisbaren Effekt liefert. Der Grund, warum solche Operationen immer noch gemacht werden, liegt in den Kosten: Für jede Wirbelsäulen-OP bekommen Krankenhäuser bis zu 15.000 Euro.

Alternativen zu Operationen

Die OP-Alternativen sehen laut Frank Wittig wie folgt aus: An erster Stelle steht die Physiotherapie, also der Versuch mit Übungen den Körper wieder beweglich und stärker zu machen. Wenn man merkt, dass das noch nicht ausreicht, dann muss man in der Regel eine Psychotherapie mit hinzuziehen. Denn oft verbirgt sich in so einer Rückenschmerz-Symptomatik ein seelisches Problem, eine Stressbelastung oder eine Depression. Diese verschiedenen Behandlungswege zusammen sind dann in der Regel erfolgreich.

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plietsch. | 10.03.2014 | 21:00 Uhr