Sendedatum: 09.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Rhizarthrose: Wenn jeder Griff Probleme macht

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Eine Rhizarthrose verursacht unangenehme Schmerzen.

Bei der Rhizarthrose handelt es sich um eine Arthrose des Daumensattelgelenkes, eines der kleinsten, aber auch am meisten beanspruchten Gelenke des Körpers. Das Sattelgelenk verbindet den ersten Mittelhandknochen und das große Vieleckbein (Os trapezium) der Handwurzelknochen. Aufgrund seiner besonderen Form verleiht es dem Daumen eine große Beweglichkeit und macht so Greifen und Halten möglich.

Ursachen meist Überbelastung oder Verletzung

Von der Rhizarthrose betroffen sind vor allem Frauen über 50. Dabei kommt es infolge einer Abnutzung des Gelenkknorpels zum schmerzhaften Aufeinanderreiben der Gelenkflächen. Ursachen sind meist mechanische Überbelastung oder Verletzungen. Auch hormonelle Einflüsse auf die Entwicklung einer Rhizarthrose werden vermutet. Typischerweise leiden die Betroffenen an Schmerzen und einer muskulären Schwäche im Daumen.

Erkrankung nicht heilbar

Mithilfe einer Röntgenaufnahme können typische Veränderungen erkannt werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die radiologischen Veränderungen nicht zwingend mit dem Ausmaß der Beschwerden überein stimmen. Heilen lässt sich die Krankheit nicht. Ihre Symptome, insbesondere die Schmerzen, lassen sich jedoch behandeln.

Konservative Therapie zunächst im Vordergrund

Dabei muss nicht jeder schmerzhafte Daumen sofort operiert werden. Zunächst hat die konservative Therapie das Ziel, den schmerzhaften Entzündungsprozess zu stoppen. Dazu gehört zunächst das Vermeiden von Überlastung beziehungsweise belastender Tätigkeiten. Helfen können außerdem verschiedene Maßnahmen wie Kühlung, Physiotherapie und der Einsatz von schmerz- und entzündungshemmender Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac oder Kortison.

"Dynamische" Orthese schafft Bewegungsfreiheit

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Mit der neuen Schiene soll eine OP möglichst weit hinausgezögert werden.

Üblich ist auch der Einsatz von speziellen Handgelenksschienen (Orthesen), deren Hauptaufgabe darin besteht, das betroffene Gelenk ruhig zu stellen, zu entlasten und damit den Schmerz zu nehmen. Nachteil dieser Schienen ist, dass die Beweglichkeit des Daumens stark eingeschränkt wird. Durch eine neue, "dynamische" Orthese, wird dies nun geändert. Kleine Polster an der Orthese ziehen die Knochen des Daumensattelgelenks auseinander und vermeiden so die schmerzhafte Reibung. Neue Bewegungsfreiheit entsteht, die das elastische Material der Orthese möglich macht.

Neben der Schmerzlinderung gibt es einen weiteren positiven Nebeneffekt: Aufgrund des vergrößerten Spalts im angegriffenen Daumensattelgelenk kann sich das Gewebe erneuern. Dieses Ersatzgewebe kann den abgeriebenen Knorpel zwar nicht ersetzen, wirkt aber als zusätzlicher Puffer zwischen den Knochen.

Die "dynamische" Orthese wird derzeit noch nicht in Serie produziert und ist somit auch nicht überall erhältlich. Die Kosten von circa 250 Euro pro Schiene werden aber von fast allen Krankenkassen vollständig übernommen.  Wie die anderen konservativen Therapiemethoden, hat auch diese neue Handgelenksschiene das Ziel, eine operative Behandlung möglichst weit hinauszuzögern. Das erfordert vor allem Geduld seitens der Patienten. Manchmal braucht es Monate, bis eine Verbesserung der Beschwerden eintritt.

OP als letztes Mittel

Erst wenn mit allen konservativen Maßnahmen über einen gewissen Zeitraum keine zufriedenstellende Linderung der Schmerzen und auch keine Verbesserung der Bewegungseinschränkungen erreicht werden kann, sollte eine OP erwogen werden. Im Rahmen der sogenannten Arthroplastik wird das große Vieleckbein (Os trapezium) entfernt. Dies kann zur Folge haben, dass der Daumen etwas kürzer wird. Um diesen Effekt möglichst gering zu halten, wird ein kleiner Teil der Handgelenksbeugesehne abgespalten und mit dem Mittelhandknochen des Daumens fixiert.

Links

Deutsche Arthrose-Hilfe e.V.

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Informationen über die Krankheit und die Zeitschrift des Vereins sowie Leserbriefe von Betroffenen. extern

Nach der Operation erfolgt eine dreiwöchige Ruhigstellung des Gelenkes in einer Unterarmschiene. Die Beweglichkeit des Daumens ist nach der Operation zunächst eingeschränkt. Mithilfe von Ergotherapie und Krankengymnastik kann sie jedoch gut wieder hergestellt werden. In einigen Fällen kann allerdings eine leichte Kraftminderung bestehen bleiben.

Interviewpartner

Dr. Christine Meyer
Orthopädie/Unfallchirurgie mit handchirurgischer Sprechstunde
Orthopädisch-osteopathische Gemeinschaftspraxis
Christoph Rys - Dr. med. Reinhard Nürenberg
Kleiststraße 1
49716 Meppen
Tel. (05931)  123 40

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