Stand: 24.01.2017 14:52 Uhr

Rauchen: So schädlich sind E-Zigaretten

Elektrische Zigaretten gelten bei vielen als harmlose Alternative zu klassischen Tabakzigaretten. In Deutschland hat nach einer Studie der Uni Mainz schon jeder achte eine E-Zigarette geraucht. Zu den gesundheitlichen Folgen gibt es erst wenige Studien. Einige deuten darauf hin, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind als Tabakzigaretten. Das bedeutet allerdings nicht, dass elektronische Zigaretten unschädlich sind.

Ein Mann mit geöffnetem Mund atmet weißer Dampf raus.

Rauchen: So schädlich sind E-Zigaretten

Visite -

Elektrische Zigaretten gelten bei vielen als harmlose Alternative zu klassischen Tabakzigaretten. Doch wie gefährlich sind die die aromatisierten Dämpfe?

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So funktionieren E-Zigaretten

In einer E-Zigarette werden aromatisierte Flüssigkeiten elektrisch verdampft. Die Geräte bestehen aus einer Stromquelle (Akku), einem elektrischen Heizelement (Vernebler) und einer Kartusche für die zu verdampfende Flüssigkeit (Liquid). Es entsteht also kein Rauch, sondern ein Aerosol, das eingeatmet wird.

Das Angebot an Liquids ist groß. Es gibt sie in allen Geschmacksrichtungen - vom klassischen Tabak über Erdbeere und Karamell bis zum Geschmack von Gummibärchen. Mehr als 8.000 Aromen werden verwendet, die wenigsten davon sind auf ihre Wirkungen im Menschen getestet.

Weniger Schadstoffe als im Tabakrauch

Tabakrauch enthält mehr als 70 verschiedene krebserregende Substanzen. Im Vergleich dazu enthält das Aerosol von E-Zigaretten tatsächlich weniger Schadstoffe, allerdings auch entzündungsfördernde, reizende und sogar krebserregende Substanzen. Das Bundesinstitut für Risikoforschung und das Deutsche Krebszentrum warnen deshalb davor, das Gefahrenpotenzial von E-Zigaretten zu unterschätzen.

Propylenglykol kann Augen und Atemwege reizen

Die Basis des Liquids besteht aus Propylenglykol, einem Stoff, der auch als Disko- oder Theaternebel eingesetzt wird. Dieser Dampf kann Augen- und Atemwegsirritationen auslösen. Bislang ist unklar, welche Folgen es hat, wenn man sich langfristig dieser Substanz aussetzt. Mit dem Dampf gelangen feinste Partikel bis tief in die Lunge und können sich dort ablagern.

Nikotin kann süchtig machen

Wie herkömmliche Zigaretten können auch die Liquids Nikotin enthalten, das eine körperliche und psychische Abhängigkeit verursacht. Im Tierversuch löst es arteriosklerotische Gefäßveränderungen aus. Es wirkt fruchtschädigend und fördert das Wachstum von bestehenden Tumoren.

Krebserregende Substanzen im Liquid

Beim Erhitzen der Liquids entstehen zudem die krebserregenden Substanzen Acetaldehyd und Formaldehyd. Die Substanzen reizen die Haut- und Schleimhäute, schädigen die Atemwege und gelten als krebserregend. Die beim Rauchen aufgenommene Menge ist vor allem vom Nutzungsverhalten abhängig. Vor allem beim starken Erhitzen der Flüssigkeit entstehen deutlich höhere Dosen als bei herkömmlichen Zigaretten. Beim Verbrauch von drei Millilitern Liquid entstehen etwa 14 Milligramm Formaldehyd. Das entspricht etwa dem 5- bis 14-Fachen der Menge, die beim Rauchen von 20 Tabakzigaretten aufgenommen wird.

Höhere Spannung, mehr Schadstoffe

Bei neueren Modellen von E-Zigaretten lässt sich die Akku-Spannung variieren. Dazu kann die Spannung, mit der der Zünddraht erhitzt wird, individuell eingestellt werden. Eine höhere Spannung bedeutet eine höhere Temperatur und mehr Dampf. Dadurch werden mehr Nikotin und mehr Schadstoffe freigesetzt.

Entzündungen und Kontaktallergien durch Liquids

Die meisten Studien beziehen sich auf die Auswirkungen der flüssigen Liquids - nicht aber auf die verdampften. Von einigen Aromastoffen weiß man, dass sie schädlich sind. So löst das süß-butterähnliche Diacetyl beim Einatmen schwere Entzündungen der Atemwege aus. Andere Duft- und Konservierungsstoffe wie Benzylalkohol und Zimtaldehyd können Kontaktallergien verursachen.

Krebsrisiko offenbar etwas geringer

Wer ausschließlich E-Zigaretten "dampft" und dabei auf nikotinhaltige Liquids verzichtet, hat nach derzeitigem Stand ein geringeres Krebsrisiko als ein Tabakraucher. Wer neben E-Zigaretten weiter Tabak raucht, hat gesundheitlich keinen Vorteil.

Stellungnahme der Redaktion

Bei Facebook und per E-Mail haben uns einige Zuschriften zu unserem Beitrag erreicht. Die Vorwürfe der einseitigen Berichterstattung können wir nicht nachvollziehen. Wir haben im Beitrag gesagt, dass es unstrittig ist, dass beim "Dampfen" weniger Schadstoffe inhaliert werden als beim Tabakrauchen. Uns ging es aber darüber hinaus darum, herauszufinden, was drin ist im Dampf - unabhängig vom Vergleich zum Tabakrauch.

Im Rahmen unserer Recherchen haben wir viele Studien gelesen, bei Ärzten, Suchtforschern und renommierten Instituten wie dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Deutschen Krebsforschungszentrum nachgefragt. Der Film gibt das Ergebnis unserer Recherchen wieder:

1. Die Studienlage lässt nicht abschätzen, welche Langzeitfolgen das "Dampfen" hat.
2. Beim "Dampfen" entstehen gesundheitsschädliche Stoffe, die entzündungsfördernd, atemwegsreizend und möglicherweise krebserregend sind.
3. Die Menge der Schadstoffe ist beim "Dampfen" abhängig von der Art der E-Zigarette, dem verwendetem Liquid und der Inhalationsstärke.

Wir haben das Dampfen keineswegs verteufelt, wie einige Zuschauer behaupten. Der Protagonist im Film profitiert eindeutig davon, keinen Tabak mehr zu rauchen. Und das sagen wir auch. "Dampfen" ist eine Möglichkeit, mit dem Rauchen von Tabakzigaretten aufzuhören. Dabei sollte aber jedem bewusst sein, dass auch "Dampfen" nicht harmlos oder unschädlich ist.

Herzliche Grüße
Ihre Visite Redaktion

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Hans Klose, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie
Leiter der Sektion Pneumologie
Onkologisches Zentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Prof. Dr. med. Rainer Thomasius
Ärztlicher Leiter
Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tel.:(040) 741052206
Fax: (040) 741056571
E-Mail: thomasius@uke.de
www.uke.de
www.dzskj.de

Weitere Informationen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
www.rauchfrei-info.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.01.2017 | 20:15 Uhr

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