Stand: 30.01.2017 09:35 Uhr

Probiotika und Präbiotika: Gutes für den Darm

von Britta Probol und Stefanie Lambernd
Im menschlichen Darm leben Tausende Stämme unterschiedlicher Bakterien. Viele von ihnen sind sehr nützlich, denn sie helfen mit bei der Verwertung der Nahrung und produzieren ihrerseits Vitamine oder gesunde Fettsäuren.

Billionen von Bakterien leben im menschlichen Darm, insbesondere im Dickdarm. Die Mikroorganismen bilden die natürliche Darmflora, manchmal auch Mikrobiom genannt. Ein gesundes Mikrobiom ist für den Körper ausgesprochen nützlich: Die Darmbakterien helfen bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen, verhindern, dass sich Krankheitserreger im Darm ausbreiten können, und tragen zum Funktionieren unseres Immunsystems bei. Außerdem regt die Darmflora die Darmbewegungen an und produziert das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K.

Ob Veränderungen der Darmflora Krankheiten wie das Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hervorrufen können, ist wissenschaftlich noch nicht voll geklärt. So gibt es zwar Studien, die belegen, dass sich die Darmflora von Reizdarm-Patienten deutlich vom Mikrobiom gesunder Menschen unterscheidet. Ob diese Veränderung nun Ursache oder Folge der Erkrankung ist, ist aber unklar. Klar ist hingegen, dass Stress oder auch die Einnahme von Antibiotika die Darmflora ins Ungleichgewicht bringen können. Und dass ein gestörtes Gleichgewicht der Darmbakterien - etwa eine Dünndarm-Fehlbesiedlung - zu massiven Gesundheitsbeschwerden führen kann.

Was hilft der Darmflora?

Probiotika: Gesundheitsfördernde Mikroorganismen

Kurz erklärt

Probiotika sind Zubereitungen, die lebensfähige Mikroorganismen enthalten, zum Beispiel Milchsäurebakterien und Hefen.
Präbiotika dagegen sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die Wachstum und Aktivität der Bakterien im Dickdarm fördern - etwa Ballaststoffe wie Inulin und Oligofruktose.
Symbiotika sind eine Kombination aus beiden.

Eine positive Wirkung auf die Darmflora werden vor allem den sogenannten Probiotika zugeschrieben. "Bei den Probiotika handelt es sich sozusagen um erwünschte Bewohner unseres Darms", erklärt Ernährungs-Doc Jörn Klasen. "Diese Bakterien - zum Teil auch Hefepilze - können dazu beitragen, die Barrierefunktion des Darms zu stärken und Krankheitserreger in Schach zu halten." Die Mikroorganismen kommen natürlicherweise in milchsauren Produkten vor, wie etwa Joghurt, Kefir, Buttermilch oder Sauerkraut. Zudem gibt es Probiotika in Kapsel- und Tropfenform, die als Arzneimittel verwendet werden und oft rezeptfrei erhältlich sind.

Wirkung von Probiotika hängt vom Krankheitsbild ab

Voraussetzung für eine gesundheitsfördernde Wirkung von Probiotika ist, dass die verwendeten Bakterien und Hefen dort ankommen, wo sie hinsollen. Das heißt, sie müssen in ausreichend großer Menge im Lebens- oder Arzneimittel vorkommen, sie müssen die Passage durch Magen und Dünndarm überstehen und sich gegen die im Dickdarm vorherrschenden Bakterien durchsetzen. Zudem ist die Wirkung der Bakterien abhängig vom Krankheitsbild und vom eingesetzten Bakterienstamm, sie lässt sich nicht verallgemeinern. Es gibt zum Beispiel ein probiotisches Arzneimittel aus dem E.-coli-Stamm Nissle 1917, das bei kindlichen Durchfällen und der Colitis ulcerosa eingesetzt wird. In jedem Fall sollten Probiotika regelmäßig - Studien zufolge täglich und über Wochen - verzehrt werden, damit sie die Darmflora positiv beeinflussen.

"Bei gesunden Menschen reicht in der Regel aber schon eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse und Vollkornprodukten, um das Mikrobiom im Gleichgewicht zu halten", sagt Ernährungs-Doc Matthias Riedl.

Präbiotika stecken in vielen Gemüsen

Bild vergrößern
Ballaststoffe - etwa aus Gemüse -, die unverdaut im Dickdarm ankommen, bilden die Nahrungsgrundlage für die dort ansässigen nützlichen Mikroorganismen.

Neben Probiotika werden auch Präbiotika eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm zugeschrieben. Anders als bei Probiotika handelt es sich bei ihnen aber nicht um Mikroorganismen, sondern um Ballaststoffe, die vom Körper nicht verdaut werden. Zu ihnen gehören Pflanzeninhaltsstoffe wie Inulin und Oligofruktose. Manche der "guten" Bakterien im Dickdarm stürzen sich geradezu auf die Präbiotika, verwerten sie bevorzugt und können sich dadurch vermehren. "Präbiotische Lebensmittel sorgen dafür, dass sich vor allem Bifidobakterien in unserem Darm wohlfühlen", sagt Ernährungs-Doc Anne Fleck. "Krank machende Bakterienstämme wie etwa Clostridien und bestimmte Arten von E. coli haben es dann schwerer, sich im Darm auszubreiten." Zudem helfen Präbiotika bei Darmträgheit, Durchfall und Verstopfung.

Viele Lebensmittel enthalten gesunde Ballaststoffe

Einige Lebensmittelhersteller versetzen Produkte wie Backwaren, Fruchtsäfte und Wurstwaren mit Präbiotika, um sie ballaststoffreicher und damit "gesünder" zu machen. Dabei liefert die Natur uns eigentlich genug: Präbiotika sind zum Beispiel in Chicorée, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch, Schwarzwurzeln, Artischocken und Bananen enthalten. Damit Präbiotika wirken können, ist eine Menge von fünf Gramm pro Tag notwendig.

Die Küche als Hausapotheke

Wegweiser: Iss Dich gesund!

Die Ernährungs-Docs

Die richtige Ernährung ebnet den Weg zu mehr Wohlbefinden. Welche Lebensmittel wirken sich bei meiner Krankheit günstig aus, und wo heißt es: Finger weg? mehr

Zutaten-Lexikon

Unsere Nahrungsmittel sind nicht nur unterschiedlich reich an Energie beziehungsweise Kalorien, sondern stimulieren auch den Stoffwechsel unterschiedlich. Eine kleine Warenkunde. mehr

Links
Link

Schwerpunktpraxen Ernährungsmedizin

Der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner listet auf seiner Homepage die rund 80 zertifizierten Praxen für Ernährungsmedizin in Deutschland. extern

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 30.01.2017 | 21:00 Uhr

Mehr Ratgeber

04:07 min
08:57 min

Landküche: Dorsch mit Sesamkruste

21.06.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
04:12 min

Morgens brauchen wir Energie

22.06.2017 06:40 Uhr
NDR 1 Welle Nord