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Parodontitis - Gefahr für Herz und Gehirn

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Eine Zahnfleischentzündung kann sich auf den gesamten Körper auswirken.

Hinter Zahnfleischbluten kann eine ernste Erkrankung des Zahnfleisches stecken: eine chronische Zahnbettentzündung (Parodontitis). Schreitet sie voran, droht nicht nur der Verlust der Zähne, sondern es können auch Organe geschädigt und Erkrankungen ausgelöst oder verstärkt werden.

Bei einer Entzündung bilden sich Taschen am Zahnfleischrand, in denen Nahrungsreste zurückbleiben, die wiederum die Entzündung fördern - der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch wird so immer tiefer. Hier können sich Bakterien optimal vermehren, bis sie Zähne und Kieferknochen angreifen. Experten schätzen, dass allein in Deutschland rund 25 Millionen Menschen an einer Parodontitis leiden, bei rund zehn Millionen liegt sogar eine schwere Form der Erkrankung vor.

Und die kann sich nicht nur in der Mundhöhle auswirken: Wenn die Bakterien in die Blutbahn gelangen und sich im ganzen Körper verteilen, schüttet dieser Entzündungsbotenstoffe aus. Die wiederum heften sich an verschiedene Organe und Gewebe, verändern die Zellwände. Vor allem betroffen sind die Blutgefäße, die dadurch steifer werden. Das wiederum wirkt sich negativ auf den Blutdruck und das Herz aus - und erhöht so das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Der Mundgesundheit auf der Spur

Würzburger Parodontologen untersuchen deshalb bei ihren Patienten die Elastizität und die Funktion der Blutgefäße mit einem speziellen Verfahren, das den Blutdruck im Innern des Körpers, direkt am Herzen misst. Hamburger Wissenschaftler fragen im Rahmen einer großen Gesundheitsstudie (Hamburg City Health Study) 50.000 Teilnehmer nach dem Zustand ihrer Zähne und dem Zahnfleisch. Die Ergebnisse werden unter anderem mit Entzündungsfaktoren im Blut, dem Blutdruck sowie der Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen abgeglichen. So wollen die Forscher herausfinden, welchen Einfluss die Mundgesundheit auf den ganzen Körper hat.

Die Würzburger Forscher haben bereits eindeutige Unterschiede zwischen Patienten mit Zahnfleischproblemen und gesunden Probanden festgestellt. In ihrer Studie zeigten die Forscher, dass bei vielen Patienten nach einer Behandlung des Zahnfleisches die Adern elastischer, also wieder gesünder wurden. Wird die Mundhöhle behandelt, kann das Entzündungen im ganzen Körper eindämmen.

Diabetiker sollten besonders aufpassen

Diabetiker sollten besonders gut auf ihre Zähne und ihr Zahnfleisch achten, denn wenn sich die Erreger der Parodontitis in den Blutgefäßen verteilen, erschweren die Entzündungsbotenstoffe, dass Zuckermoleküle von der Blutbahn in die Zellen gelangen - der Blutzuckerspiegel steigt. Zwar ist bekannt, dass Diabetes ebenso wie Rauchen, erbliche Veranlagung oder mangelhafte Mundhygiene das Parodontitisrisiko erhöht. Doch inzwischen weiß man, dass sich die Parodontitis umgekehrt auch negativ auf den Diabetes auswirkt. So können Entzündungsherde im Mund zu starker Schwankung und Verschlechterung der Blutzuckerwerte führen.

Links

Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.

Informationen zur Krankheit und Spezialistensuche. extern

Deutsche Parodontose Hilfe e.V.

Informationen zu Ursachen, Diagnostik und Therapie. extern

Die gründliche tägliche Mundpflege in Verbindung mit zahnärztlichen Kontrollen und Vorsorgemaßnahmen wie die professionelle Zahnreinigung beugen der Parodontitis vor. Diabetiker sollten ihren Zahnarzt frühzeitig über ihre Krankheit und ihre Blutzuckerwerte informieren, damit er die Behandlung darauf abstimmen kann. Eine bereits bestehende Parodontitis sollte unbedingt behandelt werden, um gefährliche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die Therapie ist aufwendig und langwierig, denn die in den tiefen Spalten befindlichen Erreger lassen sich nur schwer bekämpfen. Aber mithilfe der Therapie lassen sich Zähne erhalten und die Mund- und Körpergesundheit deutlich verbessern.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. med. dent. Yvonne Jockel-Schneider, Zahnärztin
Prüfärztin für klinische Studien
Abteilung für Parodontologie in der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie
Universitätsklinikum Würzburg
Pleicherwall 2, 97070 Würzburg
Internet: www.parodontologie.ukw.de

Im Beitrag:
Dr. Önder Solakoglu, MCD, MSc
Fachpraxis für Parodontologie und Zahnimplantologie
Lottestraße 55, 22529 Hamburg
Tel. (040) 51 50 50, Fax (040) 537 99 72 89
Internet: www.fpi-hamburg.de

Prof. Dr. Stefan Blankenberg
Direktor                               
Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (UHZ)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken/kardiologie