Stand: 10.06.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Neuer Krankheitserreger in Zecken entdeckt

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Zecken sind extrem widerstandsfähig und können sowohl lange Trockenperioden als auch einen Waschgang in der Waschmaschine überleben.

Dass Zecken wahre Brutstätten für gefährliche Krankheitserreger sind, ist seit Langem bekannt. Doch bisher dachte man dabei nur an die von Bakterien verursachte Borreliose und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine schwere Gehirnentzündung.

Nun haben Schweizer Forscher eine neue Zeckenerkrankung gefunden: die sogenannte Neoehrlichiose. Das Bakterium Candidatus neoehrlichia mikurensis wird durch Zeckenstiche übertragen und verursacht hohes Fieber, starken Gewichtsverlust und Unwohlsein. Bedroht sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Patienten mit geschwächtem Immunsystem.

Schnelltest kann den Erreger nachweisen

Wird die Erkrankung richtig erkannt, lässt sie sich durch eine mehrwöchige Antibiotikatherapie heilen. Bisher gingen Zeckenforscher davon aus, dass das Bakterium nur in Mäusen und Ratten vorkommt, doch nun wurde es im Blut mehrerer Patienten in der Schweiz, Schweden, Deutschland, Tschechien und China nachgewiesen. Die Forscher vermuten, dass bis zu 20 Prozent der Zecken im Süden und im Norden Europas Candidatus neoehrlichia mikurensis in sich tragen. Ein in der Schweiz entwickelter neuer Schnelltest kann den Erreger innerhalb eines Tages nachweisen.

Doch das neue Bakterium ist nicht der einzige kaum bekannte Erreger, der sich in den Zecken tummelt: Auch Anaplasma-phagocytophilum-Bakterien kommen vermutlich in Zecken in ganz Deutschland vor. Sie können hohes Fieber und grippeähnliche Symptome wie Kopf-, Glieder-, Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen, seltener auch Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.

Zecken tragen viele Erreger in sich

Mehr als zehn für den Menschen gefährliche Erreger konnten die Forscher des Berliner Robert Koch-Instituts in Zecken bisher nachweisen. Darunter auch Einzeller, die weder Bakterium noch Virus sind. Sie zerstören die Wände der Blutgefäße, könnten Ursache vieler Thrombosen sein. Die Zeckenforscher vermuten, dass ein einziger Zeckenstich ganz viele Erreger übertragen kann.

Auch wenn das Wissen über die neuen Erreger in den meisten Arztpraxen noch nicht angekommen ist, behandeln viele Ärzte unwissend richtig, beruhigen die Forscher. Denn die Ärzte denken bei einem Zeckenstich an die gefährliche Borreliose und verabreichen Antibiotika, die auch gegen die meisten der neu entdeckten Erreger wirksam sind.

So schützt man sich

Das beste Mittel gegen die bekannten und die neuen Gefahren bleibt aber die Vorbeugung: Zecken sind extrem widerstandsfähig und können sowohl lange Trockenperioden als auch einen Waschgang in der Waschmaschine überleben. Ein guter Schutz bei der Gartenarbeit oder auf Wanderungen sind helle lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden und festes Schuhwerk. Sie erschweren es den Spinnentieren erheblich, sich unbemerkt in der Haut festzusetzen. Kinder sollten zusätzlich mit Anti-Zecken-Mitteln eingesprüht werden, spezielle Halsbänder vom Tierarzt verhindern, dass Hunde oder Katzen Zecken mit nach Hause bringen.

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Matthias Niedrig
Virologe, Leiter des FSME-Konsiliarlabors

Dr. rer. nat. Peter Hagedorn
Diplom-Biologe
Robert Koch-Institut
Postfach: 650261
13302 Berlin
Internet: www.rki.de

PD Dr. rer. nat.  Guido Bloemberg
Leiter Molekulare Diagnostik
Institut für Medizinische Mikrobiologie (IMM)
Universität Zürich
Gloriastraße 30/32
8006 Zürich, Schweiz
Internet: www.imm.uzh.ch

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