Stand: 17.02.2015 14:43 Uhr  | Archiv

Nervenschmerzen durch Vitaminmangel

Taube Finger, unangenehmes Kribbeln und Stechen in den Füßen. Bei solchen Gefühlsstörungen tippt man meist zuerst auf ein Karpaltunnelsyndrom oder Bandscheibenprobleme. Doch die Ursache liegt in vielen Fällen ganz woanders: Ein Mangel an Vitamin B12 kann Nervenschmerzen auslösen.

Besonders bei älteren Menschen mit Sensibilitätsstörungen und Mangelernährung oder wenn gleichzeitig auffällige Geruchs- oder Geschmacksstörungen auftreten, kann ein Vitamin-B12-Mangel hinter den Beschwerden stecken. Die Einnahme bestimmter Medikamente wie Protonenpumpenhemmer fördert einen Vitamin-B12-Mangel - auch Magenoperierte oder Patienten mit gestörter Verdauung können einen Mangel bekommen. Frühe Symptome können Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Depressionen sein.

Vitamin wichtig für Schutzhülle um den Nerv

B12 ist ein wichtiges Vitamin für die Nerven. Es ist mitverantwortlich für die Neubildung einer Schutzhülle um den Nerv - die sogenannte Myelinscheide. Fehlt das Vitamin, werden diese Isolationsschicht und damit auch der Nerv geschädigt - die Folge sind Kribbeln, Taubheit und Schmerzen.

Vitamin-B12-Mangel ist der häufigste in Deutschland vorkommende Vitaminmangel. Wir nehmen Vitamin B12 aus der Nahrung auf - aus Fleisch, Milch und Eiern.

B12-Mangel nicht immer Folge einer Mangelernährung

Doch nicht immer ist ein B12-Mangel Folge einer Mangelernährung: Es gibt Menschen, deren Körper das Vitamin nicht aufnehmen kann. Voraussetzung für die  Aufnahme ist ein Protein, das vom Magen gebildet wird - der Intrinsische Faktor. Dieser bindet und schützt das Vitamin B12 und transportiert es in die Zellen, von wo es zu den Nerven gelangt. Manchen Menschen fehlt der Intrinsische Faktor. Sie müssen ihr Leben lang Vitamin-B12-Spritzen bekommen.

Blutuntersuchung gibt Aufschluss

Meistens jedoch liegt ein funktioneller Mangel vor. Mit einer Blutuntersuchung lässt sich der Vitamin-Mangel feststellen. Ist das Vitamin B12 jedoch ziemlich tief, kann dieser mit  einer wöchentlichen B12-Spritze über mehrere Monate ausgeglichen werden. Doch häufig wird der Test auf Vitamin B12 vergessen oder angenommen, die gemessenen Werte lägen noch im Referenzbereich.

Ist das Vitamin B12 jedoch ziemlich tief, sollte in einem weiteren Bluttest der Holotranscobalamin-Wert bestimmt werden. Dabei handelt es sich um einen Marker, der den definitiven Vitamin-B12-Gehalt in der Zelle anzeigt. B12-Speicher leeren sich langsam - innerhalb von zwei bis drei Jahren. In diesem Zeitraum können schon Beschwerden auftreten. Darum sollte bei anhaltenden Beschwerden der Test nach einigen Monaten wiederholt werden.

Wie kann man vorbeugen?

Die Tests sind wichtig, mahnen Experten, weil frühes Erkennen schnelles Behandeln und damit bessere Heilungschancen sichert. Je später der Therapiebeginn, desto schlechter sind die Aussichten, dass sich die Nerven wieder erholen.

Einem Mangel an Vitamin B12 lässt sich mit entsprechender Ernährung vorbeugen: Fleisch, Milch und Eier sollten bei älteren Menschen auf dem Speiseplan stehen. Vorsicht ist bei veganer Ernährung geboten, denn sie enthält gar kein Vitamin B12.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Karl Christian Knop
Neurologe
Neuer Wall 25
20354 Hamburg
Tel. (040) 30 06 87 60
Fax (040) 300 68 76 40

Im Beitrag:

Priv.-Doz. Dr. Christoph Terborg
Chefarzt
Klinik für Neurologie
Asklepios Klinik St. Georg
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Tel. (040) 18 18 85 22 6
Fax (040) 18 18 85 41 85

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00

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NDR Info | Visite | 17.02.2014 | 20:15 Uhr