Stand: 09.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Nahrungsergänzungsmittel mit Nebenwirkungen

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Nahrungsergänzungsmittel sind häufig überdosiert.

Sie sollen unser Immunsystem stärken, die Leistungsfähigkeit steigern, unser Wohlbefinden verbessern und uns vor Krankheiten schützen: Nahrungsergänzungsmittel. Doch die Pillen, Pulver oder Kapseln belasten nicht nur den Geldbeutel, sie können auch gefährliche Nebenwirkungen haben.

Das Problem: Nahrungsergänzungsmittel fallen nicht unter das Arzneimittel-, sondern unter das Lebensmittelgesetz, und sind somit nicht so strengen Regulierungen unterworfen. Verbraucherschützer warnen, dass Nahrungsergänzungsmittel häufig überdosiert und somit gesundheitsschädlich sein können.

Kleine Mengen mit großen Auswirkungen

So kann schon ein Gramm Kalzium am Tag zu viel zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko führen. Zwar ist Kalzium ein essentieller Nährstoff, auf den unser Körper angewiesen ist, doch die benötigten Mengen erhält er bereits über die Nahrung: Milch, Käse, Nüsse, Mineralwasser - vier Portionen täglich genügen völlig. Zusätzliche Präparate führen schnell zu einer Überdosis.

Vitaminpräparate sind bei ausgewogener Ernährung ebenfalls überflüssig, denn Vitamine sind ausreichend in Gemüse, Obst und Salat enthalten - und ein Zuviel kann auch hier Schaden anrichten. So steigern zu hohe Vitamindosen die Wahrscheinlichkeit, Nierensteinen zu bekommen. Zudem können Vitaminpräparate die Wirkung anderer Medikamente negativ beeinflussen.

Vitamin E wirkt sich bei gleichzeitiger Einnahme von Blutfettsenkern zum Beispiel negativ auf den Cholesterinspiegel aus. Studien aus den USA haben zudem gezeigt, dass Vitamin E und Selen, die lange Zeit als Wundermittel zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs galten, bei Männern das Risiko für Prostatakrebs erhöhen können. Vitamin A kann Haarausfall fördern und zu viel Beta-Carotin scheint bei Rauchern sogar den Lungenkrebs zu fördern, statt ihn zu hemmen.

Wer bei sich selbst - aufgrund von Schlappheit und Müdigkeit - einen Eisenmangel vermutet und dagegen entsprechende, freiverkäufliche Präparate einnimmt, läuft womöglich Gefahr, sein Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt zu steigern. Neuere Studien zeigen, dass dieses Risiko sogar schon bei einem Eisenstatus an der oberen Normgrenze signifikant ansteigen kann.

Omega-3-Fettsäure-Präparate haben, anders als natürliche Omega-3-Fettsäuren im Fisch, keine gefäßschützende Wirkung - warum, ist noch wenig erforscht. Festgestellt werden konnte allerdings, dass die Omega-3-Fettsäuren die blutverdünnende Wirkung von Medikamenten verstärken.

Test beim Arzt gibt Aufschluss

Um festzustellen, ob zum Beispiel die Einnahme von Vitaminpräparaten im Einzelfall sinnvoll ist, sollte zunächst der Vitaminspiegel im Blut bestimmt werden. Ein Ernährungsprotokoll über eine Woche ermöglicht dem Arzt zusammen mit den Blutwerten eine gründliche Ernährungsanalyse. Erst wenn dabei Ernährungsdefizite zu erkennen sind, dürfen gezielt Ergänzungspräparate verschrieben werden. Gerade alte Menschen, chronisch Kranke, Schwangere oder Sportler können dann davon profitieren.

Links

Bundesinstitut für Risikobewertung über Nahrungsergänzungsmittel

Das Bundesinstitut für Risikobewertung informiert. extern

Nutzen und Risiko von Nahrungs-Ergänzungsmitteln

Informationen des Verbraucherportals Was-wir-essen.de extern

Nahrungs-Ergänzungsmittel

Umfangreiche Informationen zu den Mitteln von der Verbraucherzentrale Hamburg auf den Sonderseiten "Fit im Alter" extern

Wer gesund ist, sollte beim Einkauf dagegen auf eine Auswahl von Milch, Käse, Nüssen, Obst, Gemüse und Fisch achten und auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten. Die These, dass unser Gemüse und Obst zu wenig Nährstoffe durch ausgelaugte Böden und lange Lagerzeiten enthalten würde, konnte durch Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) widerlegt werden.

Einzig das Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein: Es wird nicht über die Nahrung aufgenommen, sondern durch die Sonne über unsere Haut vom Körper selbst gebildet. Gerade in den Wintermonaten kann es daher sinnvoll sein, diesen Vitaminspiegel im Blut durch einen Arzt bestimmen zu lassen, um dann gegebenenfalls Vitamin D einzunehmen.

Weitere Informationen

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Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. oec. troph. Birgit-Christiane Zyriax
Ernährungswissenschaftlerin
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (HZ)
Klinik und Poliklinik f. Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, Haus N-36
20246 Hamburg
E-Mail: bzyriax@uke.de

Im Beitrag:
Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GbR
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
Tel. (040) 807 97 90
Fax (040) 807 97 93 00
Internet: www.medicum-hamburg.de

Silke Schwartau
Abteilungsleiterin Ernährung und Lebensmittel
Verbraucherzentrale Hamburg e. V.
Kirchenallee 22
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Tel. (040) 24 83 22 40
Fax (040) 24 83 22 90
Internet: www.vzhh.de, www.facebook.com/vzhh

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