Stand: 24.05.2016 11:41 Uhr

Muskelkrämpfe: Ursachen und Therapien

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Als Auslöser für Muskelkrämpfe vermuten die Kölner Forscher einen fehlerhaften Rückenmarksreflex.

Einen gelegentlichen Krampf in der Nacht oder beim Sport kennen rund 40 Prozent der Deutschen. Viele Menschen werden aber Nacht für Nacht von Muskelkrämpfen gequält. Oft verformt sich ein Fuß dabei wie eine Kralle. Manchmal hilft dann eine Gegendehnung, um den Krampf zu stoppen, der sonst minutenlang anhalten kann und schmerzt. Wenn die Schmerzen fast jede Nacht, öfter pro Nacht oder auch am Tag auftreten und wenn sie sehr schmerzhaft sind, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Animiertes Bild einer Wade.

Muskelkrämpfe: Behandlung mit Strom

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Meist treten Muskelkrämpfe in der Nacht auf. Sie kommen plötzlich und können sehr schmerzhaft sein. Wie entstehen Muskelkrämpfe eigentlich und was hilft dagegen?

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Ursache häufig unklar

Muskelkrämpfe können Symptome einer Krankheit (zum Beispiel Multiple Sklerose, Schilddrüsenunterfunktion, Muskelentzündung) oder Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten (zum Beispiel Cholesterinhemmer und Blutdrucksenker) sein. Auch Nervenschädigungen können Auslöser sein. Doch in den meisten Fällen finden die Ärzte keine Ursache der Krämpfe und damit auch keine wirksame Therapie.

Medikamente oft mit starken Nebenwirkungen

Nichtmedikamentöse Ansätze gibt es kaum. Die Medikamente, die es gibt, können mit Nebenwirkungen verbunden sein - so wie das Malariamedikament Chinin. Göttinger Forscher arbeiten an einer Therapie mit Epilepsie-Medikamenten. Welches Epilepsie-Medikament im Einzelfall hilft und die geringsten Nebenwirkungen auslöst, muss bei jedem Patienten allerdings individuell getestet werden.

Oft wird ein Mineralienmangel (zum Beispiel Magnesium) vermutet und mit Nahrungsergänzungsmitteln behandelt. Aber auch ein Zuviel an Mineralien kann Krämpfe auslösen. Mitunter verwenden Ärzte Botox-Spritzen, um die Krämpfe auszuschalten - doch die können zu Lähmungserscheinungen führen und damit mehr belasten als nützen.

Neuer Therapieansatz: Elektrostimulation

An der Deutschen Sporthochschule in Köln stießen die Forscher durch Zufall auf einen möglichen neuen Therapieansatz: die Elektrostimulation. Bei Untersuchungen, ob durch Elektrostimulation Muskeln wachsen, bemerkten die Sportwissenschaftler, dass als Nebeneffekt die Reizschwelle für Muskelkrämpfe steigt.

Als Auslöser für Muskelkrämpfe vermuten die Kölner Forscher einen fehlerhaften Rückenmarksreflex. Ergebnisse einer Studie deuten darauf hin, dass es bei Betroffenen mit Muskelkrämpfen ein Ungleichgewicht an den Nervenzellen bestimmter Muskeln gibt - den Alphamotoneuronen. Sie steuern das Gehirn, dadurch erhöhen sich die Muskelkontraktionen. Wenn zu viele Informationen zum Alfamotoneuron zurückkommen, neigt dieser dazu, vermehrt zu "feuern". Ein Krampf entsteht.

Reizschwelle des Muskels wird heraufgesetzt

Bei der Elektrostimulation wird zunächst die Krampfneigung des Betroffenen mithilfe von Elektroden gemessen. Bei Gesunden zuckt der Muskel bei 20 bis 22 Hertz, bei Muskelkrampfgeplagten ist der Wert deutlich niedriger. Mithilfe der Elektrosimulation wird dann versucht, die Reizschwelle heraufzusetzen.

Die Kölner Forscher konnten in einer Pilotstudie nachweisen, dass sich mit der Elektrostimulation die Krampfschwelle erhöhen lässt. Doch noch sind sie ganz am Anfang ihrer Arbeit. Langfristiges Ziel ist es, individuelle Therapien anbieten zu können, inklusive Elektrostimulationsgerät für zu Hause.

Muskelkrampf beim Sport: Was tun?

Wer nur hin und wieder unter Muskelkrämpfen leidet, kann den Krampf durch Ziehen am betroffenen Muskel unterbrechen, entweder durch passives Massieren und in die Länge ziehen mit der Hand oder, noch besser, durch aktive Übungen mit Anspannen des sogenannten Antagonisten, also des entgegengesetzten Muskels. Warme Wickel, eine Wärmflasche an der betroffenen Stelle oder ein heißes Bad entspannen die Muskulatur zusätzlich.

Entsteht der Krampf beim Sport, hilft sofortige Entlastung des betroffenen Körperteils. Bei Sportlern ist häufig ein Wasser- und Elektrolytverlust in Verbindung mit einer Überanstrengung für einen Muskelkrampf verantwortlich. Zur Vorbeugung empfehlen Sportmediziner deshalb die Einnahme von Kochsalz und das Trinken isotonischer Getränke, das Erwärmen der Muskulatur vor dem Sport und eine dem Trainingszustand angepasste Belastung.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Karl Christian Knop
Neurologe
Neuer Wall 25
20354 Hamburg
Tel. (040) 30 06 87 60
Fax (040) 300 68 76 40

Im Beitrag:
Dr. med. Dr. rer. nat. Michael Behringer
Leiter der Muskelforschung
Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
Am Sportpark Müngersdorf 6
50933 Köln
Tel. (0221) 49 82 36 20
Fax: (0221) 49 82 81 80
Internet: www.dshs-koeln.de/institut-fuer-trainingswissenschaft-und-sportinformatik/

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