Stand: 17.05.2016 15:32 Uhr  | Archiv

Verhärteter Muskel statt Bandscheibenvorfall

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Der Piriformis-Muskel liegt unterhalb des Gesäßmuskels.

Etwa jeder Dritte in Deutschland leidet unter Rückenschmerzen. Oft gehen die Schmerzen vom Ischiasnerven (Nervus ischiadicus) aus. Er ist der längste Nerv im menschlichen Körper. Er wird aus mehreren Wurzeln im untersten Teil der Wirbelsäule gebildet und verläuft durch die Beckenmuskulatur zur Rückseite des Oberschenkels und weiter bis zur Kniekehle. Dort teilt er sich in zwei Äste auf und zieht an der Außen- und Rückseite der Wade bis zum Fuß. Typische Ischiasschmerzen treten plötzlich auf und strahlen über das Gesäß und die Oberschenkelrückseite bis in die Fußsohle aus.

Wenn es von der Hüfte hinunter bis in die Beine zieht, können diese Schmerzen auch auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. Doch Studien zeigen: Bandscheibenvorfälle sind dann zwar häufig eindeutig auf Röntgen- und MRT-Bildern zu sehen, aber oft nicht die Ursache der Beschwerden.

Wenn der Piriformis-Muskel auf den Ischiasnerv drückt

Spätestens, wenn sich die Schmerzen nach einer Bandscheiben-Operation nicht bessern, muss man eine andere Ursache in Erwägung ziehen: Schuld an den ins Bein ausstrahlenden Schmerzen kann der Piriformis-Muskel sein. Er liegt verborgen unter dem großen Gesäßmuskel und verbindet Kreuzbein und Oberschenkel. Normalerweise ist der birnenförmige Muskel weich und dehnbar. Aber durch einen Sturz, Fehlhaltung oder Überbelastung kann er verspannen und sich so verkürzen. Der Muskel wird dick und hart und drückt direkt auf den Ischiasnerv (Piriformis-Syndrom).

Lasègue-Test gibt Aufschluss

Anhand bestimmter Druckpunkte kann der Arzt feststellen, ob der Piriformis-Muskel die Beschwerden verursacht. Mit Stoßwellen und manueller Therapie lässt sich der oft schon chronisch verspannte Muskel lösen. Experten schätzen, dass viele Bandscheiben-Operationen vermieden werden könnten, wenn das Piriformis-Syndrom richtig diagnostiziert und behandelt würde. Mit dem sogenannten Lasègue-Test lässt sich herausfinden, ob der verhärtete Piriformis-Muskel die Ursache der Rückenschmerzen sein könnte. Dabei wird das im Knie gestreckte Bein beim auf dem Rücken liegenden Patienten langsam in Richtung Zimmerdecke bewegt. Tritt dabei ab einem bestimmten Winkel ein heftiger Dehnungsschmerz auf, könnte ein Piriformis-Syndrom vorliegen.

Wie wird das Pirisformis-Syndrom behandelt?

Das Ausheilen des Piriformis-Syndroms kann mehrere Wochen dauern - halten die Schmerzen schon seit drei bis sechs Monaten an, spricht man von einer Chronifizierung. Zusätzlich zu Schmerzmedikamenten werden in der Behandlung Krankengymnastik und manuelle Therapie angewandt.

Downloads

Übungen für das Iliosakralgelenk

Übungsprogramm bei Beschwerden am Kreuz/Darmbein-Gelenk von der Medizinischen Hochschule Hannover (PDF zum Herunterladen). Download (5 MB)

Weitere Informationen

"Piriformis-Syndrom nach Belastung typisch"

Schmerzen, die vom Gesäß ins Bein ziehen, können durch einen verhärteten Piriformis-Muskel entstehen. Orthopäde Dr. Christian Sturm hat Fragen zum Thema im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Christian Sturm
Orthopädie und Unfallchirurg
Oberarzt Klinik für Rehabilitationsmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Internet: www.mh-hannover.de/rehabilitation

Im Beitrag:
Prof. Dr. Frank Wacker
Radiologe und Neuroradiologe
Direktor Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Internet: www.mh-hannover.de/radiologie.html

Steffen Wegner
Physiotherapeut
Praxis Wegner
Konrad Adenauer Straße 29

31174 Schellerten (OT Dingelbe)
Tel. (051) 23 40 66 88 

Fax: (051) 23 40 66 80
E-Mail: info@praxiswegner.de 

Internet: www.praxiswegner.de

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Visite | 17.05.2016 | 20:15 Uhr

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