Stand: 16.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Mit radioaktiven Strahlen gegen Schmerzen

Bild vergrößern
Winzige Nuklidteilchen werden bei der Radiosynoviorthese ins Gelenk gespritzt.

Damit Gelenke reibungslos arbeiten können, produziert die Gelenkschleimhaut (Synovialis) eine Flüssigkeit, die Gelenkschmiere. Die Synovialis kleidet das Gelenk von innen aus und ist normalerweise flach und dünn. Bei chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen (aktivierte Arthrose, Arthritis, Rheuma) schwillt die Gelenkinnenhaut stark an und verursacht heftige Schmerzen bei jeder Bewegung. Auf Dauer kann die Entzündung das Gelenk zerstören.

Entzündete Gelenkschleimhaut wird zerstört

Gelingt es nicht, Entzündung und Schmerzen mit Medikamenten zu stoppen, kann eine lokale Strahlentherapie, die sogenannte Radiosynoviorthese (RSO) helfen. Dabei spritzt der Nuklearmediziner eine kleine Menge radioaktiver Stoffe in das Gelenk. Die winzigen Nuklidteilchen dringen in die entzündete Gelenkschleimhaut ein und zerstören sie von innen. Entzündungszellen (körpereigene Fresszellen) in und an der Schleimhaut fressen die radioaktiven Teilchen auf und sterben ebenfalls ab. Die Entzündung wird gestoppt, die Schleimhautoberfläche vernarbt, gesunde Schleimhaut kann nachwachsen.

Bei großen Gelenken wie dem Kniegelenk kann gleichzeitig Kortison gespritzt werden, um kurzfristig die Entzündung zu dämpfen. Eine Besserung durch die Bestrahlung tritt nach einigen Wochen oder auch erst nach Monaten ein, nachdem sich die Schleimhaut erneuert hat.

Radioaktive Teilchen zerfallen

Angst vor der Strahlung ist unbegründet, denn die Reichweite der verwendeten Nuklide ist extrem kurz, sodass gesundes Gewebe kaum beeinträchtigt wird. Zudem zerfallen sie so schnell, dass nach wenigen Tagen schon keine Radioaktivität mehr nachweisbar ist.

Nach der Injektion wird das Gelenk bandagiert und für 48 Stunden ruhiggestellt. Das ist sehr wichtig, um ein Abfließen der radioaktiven Substanz aus der Gelenkhöhle zu verhindern. Nebenwirkungen treten in der Regel nicht auf, in seltenen Fällen nehmen die Gelenkbeschwerden nach der Injektion vorübergehend leicht zu.

Hohe Erfolgsquote

Neben Gelenkrheuma und aktivierter Arthrose gehört die Psoriasis-Arthritis (Gelenkentzündung bei Schuppenflechte) zu den etablierten Anwendungsgebieten der Radiosynoviorthese. Die Behandlung ist grundsätzlich in allen Gelenken möglich. Die Erfolgsquote liegt bei bis zu 80 Prozent, pro Gelenk kann die Therapie drei Mal angewendet werden. Wichtig: Eine RSO kann nur wirken, wenn eine Entzündung für die Schmerzen verantwortlich ist.

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Christian O. Bossong, Facharzt für Nuklearmedizin
MVZ Medizinisches Versorgungszentrum Radiologienetz GmbH
CONRADIA Radiologie und Nuklearmedizin, Standort Bergedorf
Alte Holstenstraße 16, 21031 Hamburg
Tel. (040) 25 330 10
Internet: www.conradia.de

Im Beitrag:
Dr. Sabine Adam
Fachärztin für Nuklearmedizin
Strahlenzentrum Hamburg
Langenhorner Chaussee 369
22419 Hamburg
Tel. (040) 24 42 45 80
Fax (040) 244 24 58 45
Internet: www.strahlenzentrum-hamburg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.09.2014 | 20:15 Uhr