Stand: 02.09.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Mit Röntgenstrahlen gegen Makuladegeneration

Experten empfehlen ab dem 60. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Untersuchung der Augen.

Bis zu vier Millionen Deutsche leiden an einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Bei dieser Netzhauterkrankung büßen die Sinneszellen am Punkt des schärfsten Sehens (Makula) nach und nach ihre Funktion ein. Die Betroffenen können ausgerechnet das, was sie direkt anschauen, nicht mehr klar erkennen - sie sehen stattdessen nur einen schwarzen Fleck. Erstes Anzeichen einer entstehenden AMD ist ein verzerrtes Sehen: Buchstaben verschwimmen, gerade Linien erscheinen plötzlich krumm.

Zwei Formen der Makuladegeneration gibt es

Man unterscheidet zwei Verlaufsformen der AMD, die "trockene" und die "feuchte". Rund 85 Prozent der Patienten leiden an einer trockenen AMD: Ablagerungen unter der Netzhaut, die sich zwar nicht wirksam behandeln lassen, aber auch nicht immer zu einer drastischen Sehbehinderung führen. Viel aggressiver ist die feuchte Makuladegeneration: Dabei wuchern unter der Netzhaut undichte Blutgefäße. Sie sondern Flüssigkeit ab und führen so zu massiven Einblutungen in die Netzhaut.

Der Verlauf einer feuchten AMD lässt sich durch eine Spritzentherapie bremsen. Sogenannte Anti-VEGF-Medikamente hemmen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF). Dieser Eiweißstoff ist für die Bildung der neuen Blutgefäße mit verantwortlich. Mit regelmäßigen Injektionen unter örtlicher Betäubung direkt in den Augapfel lassen sich die Gefäßwucherungen oft jahrelang aufhalten. Zum Teil verbessern diese Medikamente sogar das Sehvermögen. Sie sind aber so teuer, dass die Krankenkassen die Kosten nur auf Antrag übernehmen.

Röntgenstrahlung erfolgversprechend getestet

Nun zeigt eine große europäische Studie, dass eine einmalige gezielte Röntgenbestrahlung die Zahl der nötigen Spritzen deutlich reduziert - und sogar das Sehvermögen weiter verbessern kann. Ein Computer errechnet anhand der per Ultraschall ermittelten Augapfel-Länge die exakte Zielposition. Während der Bestrahlung hält ein Augenstabilisierungsgerät den Augapfel mit leichter Saugwirkung in der korrekten Position. Bei der rund 20-minütigen ambulanten Bestrahlung werden drei Strahlensequenzen mit jeweils vier Millimetern Durchmesser an die Makula abgegeben, wo sie die Gefäßwucherungen hemmen. Die schwachen Röntgenstrahlen sind so stark gebündelt, dass das umliegende Gewebe, die Linse und der Sehnerv geschont werden.

Im Anschluss an die Abschlussuntersuchung kann der Patient bereits nach Hause gehen. In der Studie benötigte innerhalb von zwei Jahren die Hälfte der so behandelten Patienten nur eine Anti-VEGF-Injektion und 23 Prozent gar keine. Sollten sich diese Ergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen, könnte die Röntgenbestrahlung eine wertvolle Ergänzung der bisherigen Therapien sein.

Für wen kommt die Behandlung infrage?

Damit diese Behandlung erfolgreich ist, darf die AMD aber noch nicht so weit fortgeschritten sein, dass die Gefäßwucherungen größer als fünf Millimeter sind. Sonst treffen die Röntgenstrahlen nicht alle Wucherungen und die Krankheit schreitet weiter fort. Wichtig ist daher in jedem Fall die rechtzeitige Diagnose der Makuladegeneration. Experten empfehlen ab dem 60. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Untersuchung beim Augenarzt.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Helmut Höh
Chefarzt
Klinik für Augenheilkunde
Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Salvador-Allende-Straße 30
17036 Neubrandenburg
Tel. (0395) 775 34 69
Fax: (0395) 775 34 68
Internet: www.dbknb.de

Prof. Dr. Norbert Bornfeld
Direktor
Klinik für Erkrankungen des hinteren Augenabschnittes
Universitätsklinikum Essen (AöR)
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Tel. (0201) 723 35 69
Fax (0201) 723 57 48
Internet: www.augenklinik-essen.de

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