Stand: 24.10.2017 15:39 Uhr

Lungenkrebs per Atemtest frühzeitig erkennen

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Lungenkrebs führt oft zum Tod, weil er meist spät erkannt wird.

Lungenkrebs zählt mit mehr als 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Es ist die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. Die meisten Betroffenen sterben innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose. Denn Lungenkrebs wird oft erst spät erkannt, da er im Frühstadium kaum Beschwerden verursacht.

Zur Früherkennung werden in den USA bei Hochrisikogruppen, etwa starken Rauchern, routinemäßig Computertomografie-Untersuchungen (CT) durchgeführt. Diese können allerdings auch falsch positive Befunde liefern, also harmlose Veränderungen als gefährlich darstellen.

Vielversprechend sind neue Testmethoden, die Lungenkrebs bereits im frühen Stadium erkennen sollen und derzeit erforscht werden:

  • Geruchstests mit Hunden oder elektronischen "Nasen"
  • Atemtest zur Bestimmung von RNA-Molekülen

Hundeschnauze.

Lungenkrebs per Atemtest frühzeitig erkennen

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Lungenkrebs wird oft spät erkannt, weil er lange keine Symptome verursacht. Eine Analyse der Atemluft soll den Krebs bereits im Frühstadium erkennen.

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Geruchstest: Lungenkrebs erschnüffeln

Studien haben gezeigt, dass Hunde Atemproben von Gesunden und Lungenkrebskranken unterscheiden können. Für den Geruchstest atmeten Probanden in ein Vlies. Nach einem entsprechenden Training konnten die Hunde Duftstoffe erschnüffeln, die von Krebszellen freigesetzt wurden, und die Atemproben von Krebskranken identifizieren.

Forscher am Universitätsklinikum in Marburg haben elektronische Sensoren entwickelt, die Lungenkrebs etwas zuverlässiger als Hunde am Geruch erkennen. Die "elektronischen Nasen" wurden auf bestimmte Muster von Stoffen programmiert. Danach konnten sie erkennen, ob sich in einer Atemluftprobe das Geruchsmuster von Lungenkrebs befindet.

RNA-Atemtest: Nachweis von Molekülen

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung haben einen Atemtest entwickelt, der Lungenkrebs laut Studien in neun von zehn Fällen erkannte.

Die Forscher untersuchen die Atemluft auf sogenannte RNA-Moleküle. Diese werden vom Lungengewebe abgegeben und unterscheiden sich bei Gesunden und Lungenkrebspatienten.

Im Gegensatz zur DNA ist die RNA nicht in jeder Zelle gleich.

  • Die DNA ist der Träger der Erbsubstanz, also der Gene, in jeder Zelle. Die Gene der DNA enthalten die Informationen für die Herstellung der RNA.
  • Die RNA enthält die Information für den Bau von Eiweißstoffen, die für den Aufbau und die Funktion jeder einzelnen Zelle notwendig sind.

Geruchstest und Atemtest können CT ergänzen

Die Atemluftanalyse kann die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen. Sie wird die Computertomografie aber nicht vollständig ersetzen, sondern ergänzen. Bis der Atemtest im klinischen Alltag zur Diagnose von Lungenkrebs eingesetzt werden kann, müssen noch umfangreiche Studien durchgeführt werden. Außerdem müssen die Verfahren technisch so umgesetzt werden, dass sie im klinischen Alltag verwendbar sind.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Andreas Rembert Koczulla, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin
Lehrstuhl für Pneumonologische Rehabilitation
Philipps Universität Marburg
Biegenstr. 10, 35037 Marburg
Chefarzt Fachzentrum für Pneumologie
Schön Klinik Berchtesgardener Land
Malterhöh 1, 83471 Schönau am Königssee
E-Mail: koczulla@med.uni-marburg.de

Dr. Guillermo Barreto, Biologe
Max-Planck-Institut für Herz-Lungen-Forschung
Parkstraße 1, 61231 Bad Nauheim
Tel. (06032) 705259
E-Mail: guillermo.barreto@mpi-bn.mpg.de

Prof. Dr. Stefan Delorme
stellvertretender Leiter der Abteilung Radiologie
Forschungsschwerpunkt Bildgebung und Radioonkologie
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg
Internet: www.dkfz.de/de/radiologie

Dr. Inge Neubert, Tierärztin
E-Mail:  IngeNeubert@web.de

Weitere Informationen:
Krebsinformationsdienst
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg
Tel. (0800) 420 30 40

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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