Stand: 04.08.2015 16:26 Uhr

Reizdarm: Spezielle Diät lindert Beschwerden

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Bei einem Reizdarmsyndrom ist der Darm so überempfindlich, dass er schon bei harmlosen Anlässen Alarm schlägt.

Bauchschmerzen, Blähungen, Verdauungsprobleme - hinter solchen Beschwerden verbirgt sich oft ein Reizdarmsyndrom (RDS). Viele Betroffene wissen gar nicht, was sie noch essen sollen. Und auch nach vielen Untersuchungen findet sich oft keine Ursache für ihre Schmerzen - das bedeutet aber nicht, dass der Darm gesund ist. Bis die Diagnose "Reizdarm" gestellt wird, ist es oft ein langer Weg, denn zuvor müssen alle ähnlichen Krankheiten ausgeschlossen werden.

Bei einem Reizdarm ist das Darmnervensystems gestört, es ist in einer Art Dauererregungszustand. Das hat verschiedene Ursachen:

  • Eine veränderte Darmflora: Die natürliche Mischung von Darmbakterien ist durcheinandergeraten, zum Beispiel nach einem Magen-Darm-Infekt oder einer Antibiotikatherapie. Nach einer Salmonelleninfektion etwa ist das Risiko für ein RDS um das Achtfache erhöht. Nach der EHEC-Epidemie vor einigen Jahren sei bei 25 Prozent der Infizierten ein Reizdarmsyndrom zurückgeblieben, berichten Experten.
  • Die Darmwand ist zu durchlässig, Erreger schlüpfen durch und alarmieren das Immunsystem.
  • Ein Patient mit Reizdarm spürt ständig, was in seinem Bauch los ist, denn seine empfindlichen Darmnerven funken pausenlos Signale ins Gehirn.

Low-FODMAP-Diät für Reizdarm-Geplagte

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RDS ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungstypen, die sich mit gleichen Beschwerden äußern. Reizdarm-Geplagte vertragen viele Lebensmittel nicht gut. Ihr Darm gerät zum Beispiel in Aufruhr, wenn sie Sorbit, Fructose oder Milchzucker essen. Hier setzt die neuartige Low-FODMAP-Diät an: Sie heilt den Reizdarm nicht, lindert aber die Beschwerden. FODMAP steht für Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole (Zuckeralkohole). FODMAP-arm zu essen heißt, auf all diese Zucker zu verzichten. Sie stecken in Süßigkeiten, Milchprodukten, aber auch in Kohl, Steinobst und verschiedenen Brotsorten.

Aufteilung in drei Phasen

Im Dünndarm werden die FODMAPs schlecht resorbiert. Daher gelangen sie unverändert in den Dickdarm, wo sie von den Bakterien der Darmflora abgebaut werden. Bei Reizdarm-Patienten führt das häufig zu Blähungen, Schmerzen und Verdauungsstörungen. FODMAPs verschlimmern die Symptome des Reizdarmsyndroms. Daher werden in der ersten Phase der speziellen Diät alle FODMAP-reichen Nahrungsmittel für vier bis acht Wochen gemieden.

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Essen und Trinken beim Reizdarmsyndrom

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung informiert. Download (5 MB)

In dieser sogenannten Eliminationsphase sollten die Beschwerden stark nachlassen oder sogar völlig verschwinden. Danach kann der Patient in einer zweiten Phase ausprobieren, welche Nahrungsmittel er in welchen Mengen verträgt. In der dritten Phase wird die individuelle FODMAP-reduzierte Ernährung ermittelt, die mit möglichst wenig Nahrungseinschränkungen zur Reduzierung der Beschwerden führt.

Diät nur unter fachlicher Begleitung durchführen

Experten berichten, dass bei etwa zwei Drittel der Reizdarm-Patienten eine Besserung eintritt, wenn sie nach der Diät leben. Studien zeigen jedoch, dass eine längerfristige Low-FODMAP-Diät die Darmflora sehr stark verändern kann, da man den Darmbakterien ja einen Teil ihrer Nahrung entzieht. Darum sollten Patienten spätestens nach sechs Wochen schrittweise wieder alle Lebensmittel ausprobieren, um festzustellen, was ihnen bekommt. Auf eigene Faust darf man die Diät jedoch nicht durchführen, denn eine fachliche Begleitung durch Arzt oder Diätassistentin ist dabei sehr wichtig, mahnen Experten. Viele Krankenkassen bieten eine Beratung an und übernehmen auch die Kosten.

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Viola Andresen
Leitung des Palliative Care Teams
Leitung des Ernährungsteams
Medizinische Klinik
Israelitisches Krankenhaus in Hamburg
Orchideenstieg 14
22297 Hamburg
E-Mail: v.andresen@ik-h.de
Tel. (040) 51 12 50
Fax (040) 511 25 60 21
Internet: www.ik-h.de/medizinische-klinik

Im Beitrag:

Prof. Dr. Johann Ockenga
Direktor Medizinische Klinik II
Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Häpatologie, Endokrinologie
Diabetes und Ernährungsmedizin
Klinikum Bremen Mitte
St. Jürgen Straße 1
28205 Bremen
Internet: www.gesundheitnord.de/krankenhaeuserundzentren/kbm/klinikum-bremen-mitte/medizinischeklinik2.html

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Visite | 14.07.2015 | 20:15 Uhr