Sendedatum: 22.04.2014 20:15 Uhr

Lässt Vollmond uns nicht schlafen?

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Die Kraft des Mondes bewegt Weltmeere und bestimmt die Gezeiten.

Er ist schön, mysteriös und verfügt angeblich über geheimnisvolle Kräfte: der Vollmond. Manchen Menschen soll er gar den Schlaf rauben. Eine Schweizer Studie hat das bestätigt: Die Ergebnisse zeigen, dass der Mond tatsächlich Einfluss auf das Schlafverhalten hat. Dazu verglichen die Forscher eine Schlafstudie mit dem Mondkalender und stellten fest, dass die Probanden in den Vollmondnächten durchschnittlich 20 Minuten weniger geschlafen hatten als in Neumondnächten. Die Tiefschlafphasen waren um ein Drittel kürzer - und die Probanden hatten nach einer Vollmondnacht subjektiv das Gefühl, schlechter geschlafen zu haben.

Der Spiegel des Schlafhormons Melatonin sank bei Vollmond um die Hälfte. Dabei wussten die Probanden gar nicht, dass Vollmond ist - unter Laborbedingungen gleicht eine Nacht der anderen. Allerdings gibt es auch Studien, in denen kein Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlafqualität gezeigt werden konnte. Doch das zeige nur, dass es Menschen gibt, die mondfühlig sind und andere, die es nicht sind, meinen Experten.  

Wirkung maximal vier Nächte im Monat

Das Wissen, mondfühlig zu sein und sich nichts einzubilden, kann Betroffenen bereits helfen, ihre Schlaflosigkeit gelassener zu sehen und wieder besser zu schlafen. Und wenn der Schlaf doch nicht kommen mag, sollte man sich nicht ewig im Bett hin und her wälzen, sondern aufstehen und sich beschäftigen - bis die Müdigkeit kommt. Aber nicht fernsehen, denn durch die Bildreize wird man eventuell noch wacher. Wer genau auf den Mond reagiert, müssen die Forscher noch herausfinden. Ein Trost für alle, die bei Vollmond schlecht schlafen: Maximal vier Nächte lang wirkt der Vollmond im Monat. Danach können auch Mondfühlige wieder gut schlafen.

Einfluss in der Natur nachgewiesen

Dass die Kraft des Mondes keine Einbildung ist, zeigen auch andere Phänomene: Die Kraft des Mondes bewegt Weltmeere und bestimmt die Gezeiten. Das Paarungsverhalten von Würmern im Meer und das Orientierungsvermögen von Meeresnacktschnecken sind abhängig vom Mond.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Holger Hein
Internist, Pneumologe, Allergologe, Schlafmedizin
Bahnhofstraße 9
21465 Reinbek
Tel. (040) 722 83 93
Fax (040) 722 84 66
Internet: www.dr-holger-hein.de

PD Dr. Dieter Kunz, Psychiater/Somnologe
Klinik für Schlafmedizin
St. Hedwig-Krankenhaus
Große Hamburger Straße 5-11
10115 Berlin
Tel.(030) 23 11 29 01
Fax (030) 23 11  29 03
Internet: www.alexianer-berlin-hedwigkliniken.de

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Visite | 22.04.2014 | 20:15 Uhr