Stand: 10.02.2015 13:24 Uhr

Krebs mit Brokkoli und Co. vorbeugen

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Wissenschaftler haben bei Studien mit Brokkolisprossen vielversprechende Ergebnisse gewonnen.

Brokkoli, Kresse, Rucola, Rettich, Radieschen gehören zur Gruppe der Kreuzblütler. Sie enthalten viele gesunde Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel die Senfölglykoside. Ein Senfölglykosid, das Glukoraphan, ist besonders gut erforscht und kommt in großen Mengen in Brokkolisprossen vor: Es wird in die aktive Substanz Sulforaphan gespalten, die spezielle Krebszellen abtöten kann - und zwar ausgerechnet die, die sich mit einer Chemotherapie nicht effektiv bekämpfen lassen, die sogenannten Tumorstammzellen. Aus ihnen bildet sich immer wieder neues Tumorgewebe.

Die Brokkoli-Inhaltsstoffe blockieren einen bestimmten Signalweg in besonders aggressiven Zellen und unterdrücken so deren Resistenz gegen die Chemotherapie. Auf diese Weise können die Sprossen die Wirkung der Chemotherapeutika verstärken. Unter Laborbedingungen im Reagenzglas konnten die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg dies bereits vor einigen Jahren mit Brokkoli nachweisen. Nun testeten sie die Wirkung von Brokkoli-Sprossen, auch am lebenden Organismus.

Erste Versuche am Menschen

Mit Hühnereiern, die mit menschlichen Krebszellen infiziert wurden, klappt das besonders gut: Weil das Ei Blutgefäße hat, wachsen Tumoren darin sehr gut und lassen sich dabei genau beobachten. Wird ein Ei, in dem ein menschlicher Bauchspeicheldrüsentumor wächst, mit gefriergetrockneten Brokkoli-Sprossen und Chemotherapeutika behandelt, schrumpft der Tumor auf dem Dotter innerhalb weniger Tage. Und das funktioniert auch bei Mäusen: Die Chemotherapie in Kombination mit Sulforaphan stoppt das Tumorwachstum vollständig und verhindert eine Streuung in andere Organe. Inzwischen laufen auch erste Versuche am Menschen. Bisher sind es nur wenige Patienten mit unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs, die an der Pilotstudie teilnehmen. Weitere Teilnehmer werden zurzeit gesucht. 

Um die Sprossen wie ein Medikament verabreichen zu können, werden sie gefriergetrocknet und in Kapseln verpackt. So erhält der Patient eine hohe Dosis der wirksamen Sulforaphane. Die Beobachtungen der Heidelberger Forscher erklären auch die Ergebnisse einer kanadischen Studie, in der Patienten mit Prostatakrebs durch den wöchentlichen Verzehr von Brokkoli oder Blumenkohl die Streuung des Tumors um 50 Prozent reduziert hatten. Die Kreuzblütler-Studie am Krebsforschungszentrum läuft noch bis Ende 2015 - dann werden die Forscher wissen, ob die positiven Ergebnisse der Tierversuche auch auf den Menschen übertragbar sind. Ist das der Fall, werden weitere Studien zur Ermittlung der effektivsten Dosierung folgen.

Ausgewogene Ernährung bei Krebspatienten wichtig

Bis dahin raten die Forscher allen Krebspatienten zu einer ausgewogenen Ernährung mit Kohl und anderem Gemüse sowie viel Obst, denn die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich die Wirkung der Krebstherapie so besser verstärken lässt als durch die Einnahme einzelner Nahrungsergänzungsmittel. Zumal: Auch in anderen Pflanzen wurden Substanzen mit ähnlichen Effekten entdeckt, zum Beispiel der Wirkstoff Quercitin in Zitrusfrüchten, Tomaten, Hülsenfrüchten und grünem Tee.

Downloads

Glukosinolate der Kreuzblüterfamilie

Deutsche Zeitschrift für Onkologie (PDF zum Herunterladen) Download (995 KB)

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. rer. nat. Ingrid Herr
Biologin
Gruppenleiterin Molekulare OnkoChirurgie
Chirurgische Universitätsklinik und Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ
Im Neuenheimer Feld 365
69120 Heidelberg
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de/moc

Prof. Dr. Peter Schemmer
Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Sektionsleiter Leberchirurgie und Transplantationschirurgie
Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.02.2015 | 20:15 Uhr

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