Stand: 21.11.2016 13:30 Uhr  | Archiv

Krebs: Sind alternative Therapien sinnvoll?

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Krebszelle: In Deutschland gibt es mehr als 500 "biologische" Mittel gegen die Krankheit.

Diagnose Krebs: Nach dem ersten Schock und belastenden Therapien hoffen viele Betroffene auf unterstützende und lindernde Effekte aus der Naturheilkunde, zum Beispiel Vitamin-Cocktails und Pflanzenextrakte zur Stimulierung des Immunsystems. In Deutschland gibt es mehr als 500 sogenannte biologische Krebsmittel, in der Regel fehlen jedoch wissenschaftliche Beweise für deren Wirksamkeit. Viele Ärzte halten einen unbestimmten Nutzen der natürlichen Methoden für möglich, wissen selbst aber wenig darüber.

Schulmedizinische Krebstherapie nicht abbrechen

Wer auf schulmedizinische Therapien verzichtet, gibt auch einen Teil der Heilungschancen auf. Daher sollten Chemotherapie und Bestrahlung nicht wegen einer alternativen Therapie abgebrochen werden. Der betreuende Arzt sollte wissen, welche Therapien der Krebskranke zusätzlich anwendet. Denn zusätzliche Behandlungen können die Haupttherapie beeinträchtigen oder den Krebs sogar verschlimmern. Nicht alles hilft bei jedem Krebs und in verschiedenen Stadien. Schädlich ist eine Zusatztherapie auch, wenn sie nichts nützt, den Patienten aber finanziell belastet und so in Schwierigkeiten bringt.

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Chat-Protokoll zum Thema alternative Krebstherapien

In Deutschland gibt es mehr als 500 sogenannte biologische Krebsmittel, in der Regel fehlen jedoch wissenschaftliche Beweise für deren Wirksamkeit, warnt Dr. Jutta Hübner im Chat. mehr

Unseriöse Krebstherapeuten erkennen

Immer wieder werden Fälle von unseriösen Therapeuten bekannt, zum Beispiel die experimentelle Therapie eines Heilpraktikers mit der Substanz 3-Bromopyruvat (3BP), bei der drei Menschen starben. Bei alternativen Krebstherapien ist in folgenden Fällen große Vorsicht geboten:

  • Der Anbieter besteht darauf, dass alle schulmedizinischen Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie abgebrochen werden.
  • Er besteht auf einen langfristigen privaten Behandlungsvertrag.
  • Die Wirksamkeit der Therapie wird allein mit Referenzen, Empfehlungen und Fallberichten "belegt", aber ohne anerkannte wissenschaftliche Publikationen.
  • Die Sprache der "Belege" klingt wissenschaftlich und ist für Nicht-Mediziner schwer zu verstehen.
  • Die Therapie wirkt angeblich gegen alle Krebserkrankungen in allen Stadien und gegen andere schwere Erkrankungen wie AIDS und Multiple Sklerose.
  • Die Methode wird als natürlich, sanft und zugleich nebenwirkungsfrei angepriesen.
  • Angeblich wurde eine Vielzahl von Erkrankten geheilt, die von Schulmedizinern bereits aufgegeben wurden.
  • Der Anbieter verweist auf eine Verschwörung schulmedizinischer Ärzten und der Pharmaindustrie, die den Durchbruch einer alternativen Methode verhindern soll.

Verfahren der komplementären Onkologie

Zunehmend werden alternative Krebstherapien auch in der Schulmedizin erforscht und eingesetzt. Meist handelt es sich um Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, der Pflanzenheilkunde, der Ayurvedischen Medizin sowie um Entspannungstechniken und Meditation. Dazu zählen:

  • Aus der Hanfpflanze synthetisch gewonnen Substanzen (Cannabinoide) sollen Schmerzen lindern sowie Übelkeit und Erbrechen bei Strahlen- und Chemotherapien lindern. In Deutschland sind Cannabinoide ab 2017 kontrolliert zugelassen.
  • Der Effekt von Mistelextrakt auf die Stärkung des Immunsystems ist wissenschaftlich umstritten. Eine Misteltherapie kann subjektiv die Lebensqualität steigern. Bei bestimmten Krebsarten kann die Einnahme aber gefährlich sein.
  • Weihrauch wird bei Hirntumoren als zusätzliches Mittel gegen Gewebeschwellungen eingesetzt.
  • Bei einer Strahlen- oder Chemotherapie sollen Enzyme (Papain, Chemotrypsin, Trypsin, Glutathion) und  Pflanzen (Ingwerwurzel, Shiitake-Pilze) Nebenwirkungen wie Haarverlust, Erbrechen und Nerven-Gefühlsstörungen lindern.
  • Eine Ernährungstherapie soll einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen vorbeugen. Bei Betroffenen mit Leberkrebs und Darmkrebs sollen ernährungsmedizinische Ansätze lebensverlängernd wirken können.
  • Eine onkologische Sporttherapie soll das Immunsystem stärken, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität erhöhen. Auch Tai-Chi und Quigong werden Krebskranken häufig empfohlen.
  • Meditation kann die negativen psychischen Folgen einer Krebserkrankung reduzieren.

Selen nicht immer sinnvoll

Das Spurenelement Selen kann der Körper nicht selber herstellen, sondern muss es mit der Nahrung aufnehmen. Sowohl in der Prävention als auch in der Krebstherapie wird Selen als unerlässlich angesehen: Das Mineral hilft, schädliche Radikale einzufangen, stabilisiert Immunzellen und kann die DNA reparieren. Zudem soll der Stoff vor Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie schützen. Allerdings stehen zellschützende Mittel wie Selen oder bestimmte Vitamine im Verdacht, auch die Krebszellen zu schützen. Daher sollten diese Mittel erst als Nachsorge zur Chemotherapie in der Aufbauphase eingenommen werden.

Krebszellen töten, ohne gesunde Zellen zu schädigen

Die Schwierigkeit im Kampf gegen Tumore besteht nicht darin, Krebszellen abzutöten. Das wäre mit einfachen Hausmitteln wie Alkohol oder Salz möglich. Dabei werden jedoch auch gesunde Körperzellen geschädigt. Voraussetzung für eine Krebstherapie ist, dass Mediziner Medikamente finden, die ausschließlich in Krebszellen wirken, ohne gesunde Zellen zu schädigen.

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.11.2016 | 20:15 Uhr

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