Stand: 28.10.2014 13:29 Uhr  | Archiv

Entzündung im Kunstgelenk - was tun?

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Keime im Kunstgelenk sind schwer zu behandeln.

Ein künstliches Gelenk bedeutet für viele Menschen den Start in ein neues Leben. Endlich haben sie keine Schmerzen mehr. Umso größer ist der Schock, wenn dann wieder Probleme auftreten, weil sich Keime an der Prothese festgesetzt haben und zu einer oft sehr schwer behandelbaren Entzündung führen. Schmerzen im Kunstgelenk können immer ein Hinweis auf eine Infektion sein.

Wann muss das Gelenk ausgewechselt werden?

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, sterilem Operationsumfeld und Einhaltung aller Hygienevorschriften ist dieses Risiko nie ganz auszuschließen. Deshalb verabreichen die Ärzte bei der Operation in der Regel auch vorsorglich Antibiotika. Manchmal sind es winzige infizierte Hautschuppen des Patienten selbst, die aufgewirbelt werden und eine Infektion auslösen, mitunter auch sogenannte Krankenhauskeime, die gegen alle gängigen Antibiotika resistent sind. Deshalb empfehlen Experten vor der Operation einen Abstrich zum Aufspüren dieser Keime. Doch der wird oft nicht gemacht, wenn die Patienten direkt zum Eingriff in die Klink kommen. In einigen Kliniken werden zumindest Risikopatienten getestet, die aus anderen Krankenhäusern oder Pflegeheimen kommen.

Ist das Gelenk erst einmal mit Keimen infiziert, lässt sich diese Infektion nicht mehr in den Griff bekommen. Das bedeutet, dass die Ärzte das künstliche Gelenk wieder ausbauen, die Infektion manchmal über Wochen behandeln und danach in einer zweiten OP eine neue Prothese einsetzen müssen. Für eine solche Wechseloperation sollten Patienten unbedingt eine Spezialklinik aufsuchen.

Wie wird eine "einzeitige Wechsel-OP" durchgeführt?

Einige Kliniken bieten auch eine sogenannte einzeitige Wechsel-OP an, bei der die neue Prothese während nur eines Eingriffs direkt nach dem Entfernen des infizierten Gelenks mit antibiotischem Zement eingesetzt wird. Dafür muss bereits vor der Operation klar sein, welche Keime das Kunstgelenk befallen haben. Deshalb entnehmen die Ärzte zunächst Gelenkflüssigkeit aus dem Knie und lassen sie im Labor untersuchen.

Wenn sie wissen, mit welchem Erreger sie es zu tun haben, schneiden die Operateure das infizierte Kunstgelenk mitsamt dem betroffenen Knochen und Gewebe heraus. Währenddessen wird der Knochenzement angerührt, mit dem die neue Prothese im Knochen verankert wird - angereichert mit dem passenden, hochdosierten Antibiotikum. Dieses soll das Gelenk vor einer erneuten Infektion schützen.

Links

EndoCert

Überblick über Endoprothesenzentrum mit Zertifikat und Informationen für Patienten. extern

Arthrose Forum

Erfahrungsaustausch und umfangreiches Infomaterial. extern

Der große Vorteil der einzeitigen Wechsel-Operation ist der Zeitgewinn. Denn mit jeder Woche die verstreicht, bevor ein neues Implantat eingesetzt wird, büßt der Patient Fitness und Beweglichkeit ein. Für den Patienten wird es immer schwieriger, wieder auf die Beine zu kommen.

So kann man vorbeugen

Um einer gefürchteten Protheseninfektion vorzubeugen, sollten alle Träger von Gelenkprothesen ganz besonders auf eine enge ärztliche Betreuung bei Infekten und Infektionen achten, nicht rauchen und Diabetes sollte gut eingestellt sein. Auch leichte Verletzungen bei der Gartenarbeit oder zum Beispiel Nagelpflege sollten nicht unterschätzt werden. Auch bei Zahn- und Kieferbehandlungen droht die Verschleppung von Bakterien über das Blut zur Gelenkprothese.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Thorsten Gehrke, Orthopäde, Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin
Ärztlicher Direktor
Helios Endo-Klinik Hamburg
Holstenstraße 2
22767 Hamburg
Tel. (040) 319 70
Fax (040) 31 97 12 25
E-Mail: thorsten.gehrke@helios-kliniken.de
Internet: www.helios-kliniken.de/klinik/hamburg-endo-klinik/fachabteilungen/gelenkchirurgie 

Im Beitrag:
Dr. Lars Frommelt, Infektiologe und klinischer Mikrobiologe
Institut für Infektiologie, klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Helios Endo-Klinik Hamburg
Holstenstraße 2
Internet: www.helios-kliniken.de/klinik/hamburg-endo-klinik/fachabteilungen/institut-fuer-infektiologie-klinische-mikrobiologie-und-krankenhaushygiene.html

Dr. Jörg Löwe
Oberarzt                                                                  
Fachabteilung Endoprothetik und Unfallchirurgie
Lubinus Clinicum
Steenbeker Weg 25
24106 Kiel
Tel. (0431) 38 81 80 22
Internet: www.lubinus-clinicum.de/endoprothetik.html

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Visite | 28.10.2014 | 20:15 Uhr

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