Stand: 27.06.2015 18:00 Uhr  | Archiv

Ist Schlaf vor Mitternacht gesünder?

Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste und gesündeste - das denken viele. Aber stimmt das auch? Die alte Volksweisheit stammt aus einer Zeit, als die Menschen noch im Morgengrauen aufstanden und deshalb gleichzeitig mit den Hühnern ins Bett gingen. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Seit der Erfindung der Glühbirne haben sich unsere Schlafgewohnheiten deutlich verändert.

Tiefschlaf und Träume wechseln sich ab

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass für einen gesunden Schlaf vor allem die Tiefschlafphasen entscheidend sind, in denen sich der Körper erholt und das Gehirn entspannt. Sie treten vor allem in den ersten fünf Stunden nach dem Einschlafen auf. Unser Schlaf folgt dabei immer dem gleichen Muster: Nach dem Einschlafen verlangsamen sich Atmung und Herzschlag, Blutdruck und Körpertemperatur sinken, unsere Muskeln entspannen sich und das Gehirn leitet äußere Reize nicht mehr weiter.

Nach 30 bis 60 Minuten beginnt der Tiefschlaf. Diese Phase ist für den Körper die erholsamste. Die Zellen regenerieren sich und das Immunsystem wird gestärkt. Die Tiefschlafphasen wechseln sich mit den Traumphasen ab, in denen das Gehirn sehr aktiv ist und in Träumen die Geschehnisse des Tages verarbeitet - der sogenannte REM-Schlaf. Ein solcher Schlafzyklus dauert etwa 90 bis 120 Minuten und wiederholt sich pro Nacht vier bis sechs Mal.

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Schlafmangel macht krank

Wie viel Schlaf ein Mensch benötigt, ist ganz unterschiedlich. Manche sind erst nach neun Stunden Schlaf wieder fit, andere bereits nach fünf. Rein statistisch liegt die ideale Schlafdauer bei sieben bis acht Stunden. Doch in der modernen Arbeitswelt schlafen Menschen immer öfter weniger als es ihrem Bedarf entspricht und Schlafprobleme nehmen kontinuierlich zu. Eine besorgniserregende Entwicklung, denn zu wenig Schlaf macht uns krank.

Forscher haben herausgefunden, dass das Immunsystem durch Schlafmangel geschwächt wird und der Körper somit anfälliger für Krankheiten ist. Doch nicht nur das: Durch den Schlafmangel erhöht sich die Konzentration des Stresshormons Cortisol und der Blutdruck steigt. Diese körperlichen Reaktionen lassen sich schon bei einem kurzfristigen Schlafmangel nachweisen, bei längerfristig anhaltendem Schlafentzug sind die gesundheitlichen Folgen allerdings gravierend: Es drohen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Stoffwechsel wird gestört und einige Forscher gehen sogar davon aus, dass durch Schlafmangel das Krebsrisiko steigt.

Was macht guten Schlaf aus?

Viel wichtiger als die Dauer des Schlafes ist indes die Qualität des Schlafes. Ob der Schlaf erholsam ist, hängt stark von den äußeren Umständen ab. Wichtig ist vor allem, dass es im Schlafzimmer dunkel und ruhig ist, da sich sonst das Stresshormon Cortisol bildet und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Bei Dunkelheit dagegen schüttet das Gehirn das Schlafhormon Melatonin aus und wir werden müde.

Auch ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist für guten Schlaf entscheidend. Wer mal deutlich vor Mitternacht und mal in den frühen Morgenstunden ins Bett geht, wird schnell mit Schlafproblemen zu kämpfen haben. Ob wir aber immer um 23 Uhr oder um 4 Uhr morgens schlafen gehen, ist egal, und der Körper kann sich sogar umgewöhnen.

Weitere Schlafmärchen: Vom Durchschlafen und Älterwerden

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Jeder Mensch wacht in der Nacht knapp 30 Mal auf.

Auch dass nur derjenige gut schläft, der durchschläft, ist ein Gerücht: Jeder Mensch wacht in der Nacht knapp 30 Mal auf. Dieses Aufwachen dauert aber meist nicht länger als eine Minute und am nächsten Morgen ist es längst vergessen. Daneben gibt es noch ein weiteres Schlafmärchen: Ältere Menschen bräuchten weniger Schlaf. Das stimmt jedoch nicht. Richtig ist vielmehr, dass Neugeborene 20 Stunden Schlaf pro Tag brauchen, Kinder aber schon deutlich weniger. Nach der Pubertät ändert sich dann nichts mehr an der Schlafdauer. Im Alter steigt die Tagesmüdigkeit mitunter wieder an, viele erholen sich deshalb bei einem Mittagsschläfchen. Wer aber nachts Schlafstörungen hat, sollte darauf besser verzichten.

Fazit

Wir brauchen unseren Schlaf. Vor allem die Tiefschlafphasen in den ersten Stunden und ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sind für die Regeneration des Körpers und unsere Gesundheit wichtig. Aber ob wir vor oder nach Mitternacht ins Bett gehen, das ist völlig egal.

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