Sendedatum: 08.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Herzrhythmusstörung: Mini-EKG gibt Aufschluss

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Das Mini-EKG ist so groß wie drei Streichhölzer und wiegt nur zwei Gramm.

In einem gesunden Herzen bilden elektrische Taktgeber geordnete Impulse, die sich vom rechten Herzvorhof über die Herzscheidewand auf beide Herzkammern ausbreiten. Dadurch schlägt das Herz regelmäßig und pumpt genügend Blut in den Körper. Unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel eine Schädigung des Herzmuskels, können die elektrischen Taktgeber stören. Oder krankhaft veränderte Herzmuskelzellen werden zum zusätzlichen Impulsgeber. Die Folge sind Fehlfunktionen mit Extraschlägen, Pochen, Herzrasen und Stolpern. Oft kommen die Attacken aus heiterem Himmel. Betroffenen wird nicht selten schwindelig und heiß, selbst Luftnot und kurzzeitige Bewusstlosigkeit können auftreten.

EKG wird unter die Haut gesetzt

Doch die Diagnose ist oft schwierig, denn solange das Herz ganz normal schlägt, können Ärzte mit Ultraschall, Belastungs- und normalem EKG und Herz-Katheter nichts feststellen. Für die Betroffenen bedeutet das eine enorme Belastung, häufig dauert es Jahre, bis die Art und Ursache ihrer Rhythmusstörung erkannt und eine gezielte Therapie möglich wird. Selbst ein Langzeit-EKG über 24 Stunden liefert oft keine Lösung. Einen Ausweg bieten in solchen Fällen winzige EKG-Geräte, die der Arzt wie einen Schrittmacher unter die Haut verpflanzt.

Daten werden direkt zum Arzt übermittelt

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Der Herzrhythmus wird rund um die Uhr überwacht.

Das Mini-EKG ist so groß wie drei Streichhölzer, wiegt nur zwei Gramm und überwacht drei Jahre lang rund um die Uhr den Herzrhythmus des Patienten. Das Einpflanzen dauert nur zwei Minuten. Unter örtlicher Betäubung wird das Mini-EKG mit einer Art Spritze fünf Millimeter tief unter die Haut geschoben. Von dort aus sendet das Gerät die aufgezeichneten Daten an den Arzt, der diese dann auswerten kann. So können auch selten auftretende Herzrhythmusstörungen wie anfallsweises Herzrasen erkannt und eine gezielte Behandlung eingeleitet werden.

Einsatzmöglichkeit auch bei Vorhofflimmern

Auch zur Krankheitsüberwachung bei Vorhofflimmern werden solche Geräte eingesetzt. Beim Vorhofflimmern ziehen sich die Herzvorhöfe nicht gleichmäßig zusammen, zittern nur noch und stehen praktisch still. Dadurch kann das Blut im Vorhof verklumpen und Gerinnsel bilden. Löst sich ein solches Blutgerinnsel, kann es mit dem Blutstrom in das Gehirn gespült werden und dort einen Schlaganfall auslösen. Um das zu verhindern, bekommen die Betroffenen Blutverdünner und Medikamente, die den Herzrhythmus stabilisieren. Mit Stromstößen lässt sich das Herz in einigen Fällen wieder in den richtigen Takt bringen.

Bringen diese Therapien keinen ausreichenden Erfolg, kann eine spezielle Herz-Operation oder eine sogenannte Katheterablation verhindern, dass die falschen Signale weitergeleitet werden. Nach einem solchen Eingriff sollte kein Vorhofflimmern mehr auftreten und der Patient kann auf die Blutverdünner und die Herzrhythmusmedikamente verzichten. Dafür müssen die Ärzte aber sicher wissen, dass der Eingriff funktioniert hat - bei der Kontrolle hilft das Mini-EKG.

Nachrichten

Herzschlag unter Kontrolle dank kleinstem EKG

In Delmenhorst ist erstmals in Niedersachsen das kleinste EKG-Gerät der Welt implantiert worden. Das knapp ein Zentimeter lange Gerät überwacht Patienten mit Herzrhythmusstörungen. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Norbert Frey
Direktor der Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 14 40
Fax (0431) 597 14 70
Internet: www.uksh.de/kardiologie-kiel

Im Beirag:
Prof. Dr. Hans-Hinrich Sievers
Direktor

PD Dr. Thorsten Hanke
Oberarzt
Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 21 08
Fax (0451) 500 20 51
Internet: www.uksh.de/herzchirurgie-luebeck/index.html

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.04.2014 | 20:15 Uhr

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